Preiskrimi: SAP macht ein Knickschen vor dem Anwender

Management

Eine neues R/3-Release bewahrt vor dem Mysap-Moloch

Hinter vorgehaltener Hand flüstert die Branche, SAP-Upgrades kämen so teuer, dass sich das eine oder andere Unternehmen sogar von der ERP-Software R/3 aus Walldorf abwende. Doch der Vorstand der Deutschen SAP Anwendergruppe (DSAG) Alfons Wahlers sagt, solchem Klatsch fehle nunmehr die Grundlagen: SAP ändere seine Upgrade-Politik.

Der User-Vertreter räumt aber auch ein, dass einige Anwenderunternehmen ordentlich sauer sein könnten. Die Gründe dafür liegen bereits zwei Jahre zurück.

Im Jahr 2000 hob die SAP zum einen die Wartungsgebühr für ihre Produkte von 15 auf 17 Prozent des Listenpreises an. Im selben Jahr aber brachte der Hersteller auch das R/3-Nachfolgeprodukt Mysap.com auf den Markt. Damit deklarierten die Walldorfer das in Deutschland am meisten verbreitete betriebswirtschaftliche Standardprodukt R/3 zum Auslaufmodell. Die Anwender sollten auf die neue Technik und die erweiterte Funktionalität von Mysap.com migrieren.

Ein solcher Umstieg ist jedoch mit erheblichen Kosten verbunden. Die modernere Software schlage mit 50 Prozent mehr Kosten zu Buche, peilt Wahlers über den Daumen. Und damit stiegen entsprechend die Wartungskosten.

Seinen Aussagen zufolge kämpft die Anwendergruppe seither um Alternativen zu dem erzwungenen Produktwechsel. Nun soll es bald soweit sein. Ab kommendem Januar wird es die R/3-Variante Enterprise geben. Sie basiert technisch gesehen auf Mysap.com und enthält somit auch einige zusätzliche Funktionen. Trotzdem ist das Software-Update zum üblichen R/3-Wartungspreis zu haben.

“Vermutlich sind nun die sauer, die unter dem Eindruck, R/3 werde beizeiten nicht mehr unterstützt, auf Mysap.com umgestiegen sind”, überlegt Wahlers. Denn diese müssten nun erkennen, dass es eine günstigere Lösung für sie gegeben hätte.

Neu sei auch die Ankündigung, dass R/3-Anwender, die keine Updates ihrer Implementationen wünschen, weiterhin Wartungsverträge schließen können – wenngleich zu einem höheren Preis. Statt 17 Prozent des Listenpreises sind dann 19 Prozent fällig. Die Regelung soll ab den 3er-Versionen gelten und ab 2004 in Kraft treten.

Ein Beispiel: Der Textilhersteller Calida hat zur Zeit SAP-Vertreter im Haus, um neue Verträge auszuhandeln. Das schweizer Unternehmen aus Sursee ist im Besitz von 3.0er Lizenzen. Daran soll sich auch für einige Zeit erst einmal nichts ändern. “Wir machen Wäsche und keine Software”, heißt es dazu lapidar aus dem Unternehmen. So ist die Firma gerade dabei, mit ihrem Softwarelieferanten einen Wartungsvertrag über weitere zwei Jahre festzuklopfen – übrigens zu den üblichen 17 Prozent des Lizenzpreises.

DSAG-Vorstand Wahlers hat durchaus Verständnis für all die Unternehmen, die keine Upgrades ihrer R/3-Installationen wünschen. Immerhin verursacht ein solches Unterfangen einiges an Aufwand. So müssten etwa die implementierten Prozesse überprüft werden, Änderungen und Anpassungen seien notwendig und schließlich werde neue Hardware benötigt, da die neuen Programme in der Regel wesentlich mehr Ressourcen benötigten.

Doch kann zumindest derzeit Verhandlungsgeschick und eine gezielte Suche nach geeigneten Geräten auch Geld sparen, weiß Wahlers aus eigener Erfahrung zu berichten. “Fast 100 Prozent mehr Hardware-Ressourcen für weniger Geld” habe er kürzlich eingekauft.

Pech dagegen haben diejenigen SAP-Kunden, die am liebsten Lizenzen an SAP zurückgeben würden. Denkbar sind solche Überlegungen etwa, wenn in den Unternehmen kräftig Stellen abgebaut wurden. Denn das ist im SAP-Preismodell Named User unmöglich.

Die Lizenzen lassen sich lediglich eintauschen. Zum Beispiel könnte eine Lizenz für das Produktions-Modul von R/3 gegen eine für die Vertriebskomponente eingetauscht werden.

Gänzlich unbelastet von solchen Lizenzklaubereien dürften die Großabnehmer von SAP-Software sein. Bekannt ist beispielsweise, dass der Nestlé-Konzern aufgrund seines hohen Lizenzvolumens in den Genuss von Preisnachlässen kommt: Von rund 50 Prozent Rabatt ist hier die Rede.