Web-Services-Standard in Gefahr

Management

Soap-Protokoll mit Macken

Mit der Version 1.2 des Protokoll-Standards Simple Object Access Protocol (Soap) gib es Probleme. Darin enthalten sind nach Darstellung des amerikanischen Informationsdienstes Infoworld neben technischen Unverträglichkeiten auch Techniken und Verfahren, die unter Umständen Lizenzabgaben erfordern.

Soap basiert auf dem standardisierten Format Extended Markup Language (XML) und ermöglicht einen Datenaustausch in einem verteilten System über diverse andere Protokolle hinweg. Soap und XML gelten daher auch als Voraussetzungen für Web-Services.

Seit vergangenem Juli liegt die Spezifikation der Soap-Version 1.2 vor. Das Standardisierungsgremium W3C prüft und diskutiert seitdem, ob sich die darin implementierten Techniken und Verfahren in einem Standard festschreiben lassen.

Laut Marko Görg, technischer Berater für Web-Services bei der Software AG Systemhaus GmbH, zeichnet sich die vorgelegte Version 1.2 gegenüber dem Release 1.1 durch “funktionale Reduktion” aus. Sie sei schlanker, aber auch besser verständlich und damit leichter zu implementieren.

Eine der Schwierigkeiten bestehe darin, dass sich etwa die Semantik geändert habe, sodass die jetzige technische Spezifikation sich zu der Vorgängerversion inkompatibel verhält. Geändert habe sich ebenfalls die Art der Fehlerbehandlung. Hinzugekommen sei die Möglichkeit, Messages zu routen.

Doch alles in allem seien das keine unüberwindlichen Hindernisse, erläutert Görg. Wie bei anderen Standards, etwa HTTP, enthalte auch die aktuelle Ausgabe ein Versions-Management. Die miteinander verbundenen Systeme können dadurch erkennen, um welche Variante des Soap-Protokolls es sich handelt. “So etwas ist Tagesgeschäft”, meint der SAG-Berater.

Inwieweit die Rechte ernsthafte Probleme aufwerfen können, die einzelne an der Spezifikation beteiligte Firmen inne haben, traut sich der SAG-Techniker nicht einzuschätzen. Im einzelnen geht es um die Firmen Webmethods und Epicentric, die im vergangenen Monat von Vignette aufgekauft wurden – einem Hersteller von Content-Mangement-Systemen.

Zum einen ist es durchaus üblich, dass patentierte Technik in einen Standard eingeht. Zum Beispiel enthält die Soap-Version 1.1 eben solche von Microsoft und IBM. Die beiden Hersteller stellen ihr Eigentum frei zur Verfügung.

Epicentric und Webmethods dagegen stehen auf dem Standpunkt, dass sie keine Probleme mit einer Standardisierung haben, sofern entsprechende Lizenzgebühren entrichtet würden. Das aber verträgt sich grundsätzlich nicht mit der Idee eines Standards. Denn dieser soll schließlich allen Firmen, die auf dieser Basis entwickeln wollen, frei zur Verfügung stehen.