IBMs Palmisano predigt E-Biz on Demand

Management

Ein Kraftakt, finanziell und organisatorisch

Ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt hat IBM-Chef Samuel Palmisano erstmals seine Vision von der Zukunft des Unternehmens und dessen Marschrichtung dargelegt. Vor mehreren Hundert Unternehmenskunden, Partnern und Analysten stellte Palmisano sein Projekt “E-Business on Demand” (EBOD) vor.

Kunden sollen demnach IT-Dienstleistungen, aber auch Rechenkapazitäten in Zukunft je nach Bedarf beziehen können. Dieser Bedarf soll mehr und mehr automatisch ermittelt werden, sodass sich für die Kunden erhebliche Einsparungen realisieren ließen, so Palmisano.

In einer ersten Stufe will IBM vier so genannte On-Demand-Zentren in den USA, Japan und an zwei weiteren Standorten aufbauen. Dabei werde die bisherige Strategie in Richtung offener Plattformen wie Linux eine wichtige Rolle spielen, weil das die Integrationsfähigkeit von verschiedenen Systemen garantiere. Web Services und die Grid-Technik seien integraler Bestandteil dieser Strategie, heißt es bei IBM.

Palmisano kündigte an, insgesamt 10 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung, hausinterne Initiativen und Akquisitionen bereit zu stellen. Über die kommenden 12 Monate hinweg sollen 700 Millionen Dollar für eine breit angelegte PR-Aktion verwendet werden, um die EBOD-Idee zu transportieren. “Es ist schon ein gewaltiges Vorhaben”, so Palmisano, “aber kein riskantes.”

Kritische Beobachter wenden schon jetzt ein, dass die Idee so neu nicht sei. Denn auch Sun und Hewlett-Packard haben ähnliche Initiativen angekündigt. Außerdem könne niemand einschätzen, wie stark die Umsätze der IT-Riesen schrumpfen werden, wenn die Kunden sich mit großer Flexibilität tatsächlich nur noch das ins Haus holen, was sie auch wirklich brauchen.

Nach eigenen Angaben setzt IBM mit EBOD vor allem auf die Life-Sciences-Industrie, also medizinische Forschung und Pharma-Unternehmen wie Aventis oder Novartis. Beobachter meinen, dass die Ansprüche an die IT in diesem Bereich sehr schnell wachsen werden, wie es die Genomforschung bereits gezeigt habe.

An dieser Vision werde Palmisano in den kommenden fünf bis zehn Jahren gemessen, meinten Analysten in New York. Dessen Vorgänger Louis Gerstner hatte den Umbau der damals angeschlagenen IBM mit dem Projekt “E-Business” eingeläutet. Daran wolle er anknüpfen und die Idee fortführen, so Palmisano. Allerdings sei das Geschäftsklima in den vergangenen 30 Jahren noch nie so schwierig gewesen wie heute.

Silicon meint: Es klingt schon nach gewaltiger Kraftanstrengung, einen Tanker wie die IBM auf einen so anderen Kurs zu setzen, der zweifelsfrei jeden Bereich umkrempeln wird. Deswegen sollte man Palmisano Zeit geben. Allerdings muss er seine Vision auch irgendwann mit Leben füllen, damit ihm Partner und Kunden auch tatsächlich folgen können. Mal sehen, ob Sun und HP hier einen Vorsprung herausholen können.