Topaktuell: Der Laptop am Handgelenk, der Bildschirm überm Auge

EnterpriseSoftware

Wearables gibt’s, aber viel zu teuer

Sie werden bestaunt, aber auch ein wenig belächelt. Die Computer, die sich am Handgelenk tragen lassen, in Kleidung eingewebt sind oder im Schmuck versteckt. Doch geht es nach den Teilnehmern des zu Zeit stattfindenden Symposiums über Wearable Computer an der University of Washington, klassifizieren sich die Lächler als Ignoranten.

Thad Starner zum Beispiel, ein Professor für Computertechnologie an der Hochschule Georgia Tech, nutzt seine Wearables schon fast ein Jahrzehnt. “Die meisten Leute stehen schlichtweg nur Schlange, wenn sie sich an einem Flughafenschalter anstellen. Gelangweilt”, wie der Professor sagt. “Ich aber kann das nächste Kapitel in meinem Buch fertig schreiben oder meine E-Mails bearbeiten.”

Starner ist nahezu ständig mit einem 4500 Dollar teuren Equipment ausgestattet. Dazu gehört ein Mini-Monitor, der mit seiner Brille gekoppelt ist, eine Handy-große Tatstatur, die er über den Handrücken streift und ein eineinhalb Pfund schwerer Rechner, versteckt in einer kleinen schwarzen Mappe.

“Wir stehen vor einer neuen Computer-Revolution”, erläutert Starner, Als Student gründete er 1993 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Wearable Computing Project. Heute ist unter anderem Teilhaber an der kalifornischen Firma Charmed Technology Wireless Eyewear, die in Santa Monica beheimatet ist und technisch aufgerüstete Brillen herstellt. Er vergleicht die anstehende Adaption von Wearables mit dem Überhang von Großrechnersystemen zum PC.

Auf dem Symposium waren neueste Kreationen zu bewundern. Das Spektrum reicht von MP3-verkabelten Jacken über Tastaturen fürs Handgelenk und Jacken, die die Herzfrequenz messen, bis zu Displays, die irgendwie am Kopf befestigt sind.

Zwar gibt es bereits gute Beispiele dafür, wo sich die Wearables im Berufsleben sinnvoll einsetzen lassen, doch hapert es an der Preisgestaltung. Fehlende Masse sorgt für hohe Preise.

Die Firma Microvison aus Seattle etwa stellt Display-Systeme her, die vor einem Auge platziert werden. Sie bringt die Geräte seit Anfang dieses Jahres auf den Markt. Ärzte nutzen die Technik etwa, wenn sie operieren. Bisher hat sie allerdings nur 70 Exemplare verkauft.

Der Preis liegt bei rund 10 000 Dollar. “Das ist so hoch, dass weder du noch ich so ein Ding kaufen könnten”, räumt dann auch Micrivision-Sprecher Matt Nichols ein. Doch hofft er gleichzeitig, dass die Nachfrage steigt und die Preise damit purzeln. Bei einem großen Volumen könnten die Devices für 40 bis 50 Dollar verkauft werden, so Nichols.