Unerwünscht: Internet Explorer schafft mehr Pop-ups an

EnterpriseSoftware

Das Problem liegt aber bei den Site-Betreibern

Die jüngste Version von Microsofts Internet Explorer bringt einige unerwünschte und unerwartete Nebeneffekte. Schuld daran ist der Schutz der Privatsphäre, den Microsoft in das Produkt eingebaut hat.

Die neuen ‘Privacy Features’ in Version 6.0 sollen dem Anwender ein höheres Maß an Schutz bieten. Die Weitergabe persönlicher Daten wurde erschwert.

Doch tatsächlich erhält der Surfer auf vielen Web-Sites mehr Pop-up-Werbung als bisher, dafür aber weniger personalisierte Services. Solche Beobachtungen machen inzwischen nicht nur Analysten, sondern auch immer mehr Web-Anwender und -Anbieter.

Die Beschwerden haben offenbar mit einem Explorer-Feature zu tun, das die Anzahl von Cookies herunterschrauben soll, die von Dritt-Anbietern kommen. Sie stammen von Firmen, die indirekt mit Sites verknüpft sind, die der Internet-User schon einmal besucht hat. Das kann eine Werbefirma sein, die online Anzeigen schaltet, oder eine Organisation, die Webseiten mit Informationen bestückt – Nachrichten- oder auch Wetterdienste beispielsweise. Im Prinzip kann jeder Geschäftspartner seine eigenen Regeln haben, was den Umgang mit persönlichen Daten des Nutzers und die Ausgestaltung der Cookies betrifft.

Diese Art von Cookies jedenfalls haben einen schlechten Ruf. Zum einen bemerken die Nutzer oft nicht einmal, dass sie eine solche Spyware besucht. Zum anderen kann die Firma, die diese Software auf Reisen schickt, eine ganz andere Auffassung von der Privatsphäre eines Nutzers haben, als der Anbieter der Site, die der Surfer wissentlich aufruft.

Das Sicherheitsfeature im Internet Exporer 6.0 blockt nun Cookies von Fremdanbietern ab, sofern deren Geschäftsregeln dem durch das World Wide Web Consortium (W3C) definierten Standard nicht entsprechen. Um dem zu genügen, müssen die Cookie-Versender ihre Geschäftspolitik bei der Erfassung und Weitergabe persönlicher Daten in ein maschinenlesbares Format packen, das dem W3C-Vorschriften ‘Privacy Preferences’ (P3P) entspricht.

Das jetzt auftretende Problem besteht darin, dass selbst nur 25 Prozent der 100 bestbesuchten Websites dieses Format bereits implementiert haben. Darüber hinaus müssten für einen reibungslosen Ablauf auch alle Geschäftspartner des Site-Betreibers dieses Format unterstützen.

Ein zusätzliches Problem ergibt sich daraus, das die Site-Anbieter keine Möglichkeit haben mitzubekommen, wenn das Microsoft-Produkt auf dem Rechner des Anwenders ein Cookie unterdrückt. Da die Software-Agenten häufig dazu dienen, die Streuung von Pop-up-Anzeigen zu begrenzen, bekommen die Surfer letztlich mehr Anzeigen. Sind sie aufgrund dieser Belästigung dann verärgert, wechseln sie unter Umständen von einer Site zu einer anderen. Der Sitebetreiber verliert Nutzer – und weiß nicht einmal, warum.

Außerdem informiert der Internet Explorer die Anwender, wenn es eine Cookie-Datei blockt mit dem Hinweis, das gefundene Objekt entspreche nicht dem Standard. Die Anwender würden stutzig und argwöhnisch, argumentieren die Gegner des Explorer-Mechanismus.

Doch während vor allem Herausgeber sich wegen dieser vermeintlichen Diskriminierung entrüsten, reagieren Fürsprecher erhöhter Sicherheitsstandards gelassen. Man zeigt Verständnis. Doch zugleich hoffen sie zum einen, dass das Internet-Explorer-Problem dazu führt, dass immer mehr Anbieter im Web ihre Sicherheitspolitik in maschinenlesbaren Code anbieten. Außerdem weisen sie darauf hin, dass es auch noch andere Anbieter solcher Sicherheitstechnik gibt.

Erwähnenswert ist etwa der Privacy Bird von AT&T. Auf dem Rechner des Anwenders erscheint ein bunter Vogel. An seinen Farben lässt sich ablesen, wie benutzerfreundlich die besuchten Sites sind, was den Schutz von Persönlichkeitsrechten angeht.

silicon meint: Die technische Ausstattung des Internet Explorers 6.0 schafft offenbar Druck auf die Cookie-Bäcker. Dieser macht dem Laisser-faire beim Schutz der persönlichen Daten hoffentlich bald den Garaus. Denn Spyware, die etwa unkontrolliert und unbemerkt alle Bewegungen eines Surfers protokolliert, kann nur im Interesse Krimineller spionieren. Insofern sollte nicht allein Otto-Normal-Surfer froh sein über die Sicherheits-Features im Microsoft-Browser.