SAP in der Kostenklemme

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Zu unbeweglich dank deutschem Arbeitsrecht?

Der Walldorfer Softwareanbieter SAP muss befürchten, im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten wie Microsoft und Oracle den Kürzeren zu ziehen: Das deutsche Arbeitsrecht mache das Unternehmen zu unbeweglich, wenn es darum gehe, Kosten zu senken.

Diese Gefahr sieht jedenfalls das US-Wirtschaftsblatt Wall Street Journal. Das Gewinnziel stehe auf dem Spiel, heißt es in einer von der Zeitung veröffentlichten Analyse. Darin zitiert das Blatt den SAP-Mitbegründer Henning Kagermann mit dem Ausspruch “SAP hat keine Zukunft, wenn wir dieses Ziel nicht schaffen”.

Das Wall Street Journal, bekannt als Sprachrohr von Anlegerinteressen, führt die Zwangslage SAPs auf das deutsche Arbeitsrecht zurück. In den USA habe SAP ohne großes Federlesen 137 Stellen einsparen können. In Deutschland sei diese Flexibilität nicht möglich, und daher werde es SAP im Wettbewerb zunehmend schwer haben.

Unter anderem, so das Wall Street Journal, müssten deutsche Unternehmen ihre Entlassungen vom Betriebsrat genehmigen lassen. Was die US-Journalisten allerdings offenbar nicht wissen: SAP hat gar keinen Betriebsrat. Bei dem Softwarehaus sieht man darüber hinaus auch gar keine Notwendigkeit für Entlassungen. “Natürlich müssen wir Kosten senken”, sagte ein SAP-Sprecher gegenüber silicon.de. “Aber unser Vorstand tut alles, um die Kosten auch ohne Entlassungen in den Griff zu bekommen. Es sind keine Entlassungen geplant”. Und vielleicht ist das als betriebswirtschaftliches Allheilmittel gepriesene amerikanische System des schnellen Heuerns und Feuerns auch gar nicht der Weisheit letzter Schluss: “US-Verhältnisse wünschen wir uns gar nicht”.