IBM-Zukäufe: Tivoli-Europachef definiert Systemmanagement neu

EnterpriseSoftware

Mit Lückenfüllern zum Erfolg?

Der IT-Konzern IBM baut seine Abteilung für Systemmanagement bei Tivoli Software durch Zukäufe gründlich aus. Tivoli soll durch die bereits erworbene Softwareschmiede Trellisoft Storage-Qualitäten und mit dem Start-up Access 360 Fähigkeiten bei der Autorisierung und beim Identitäts-Management erhalten.

Den Verdacht, dass das Konzernsegment durch die verschiedenen Akquisitionen ein Gemischtwarenladen werden könnte, weist der Europa-Chef aber weit von sich. Vielmehr fasse man den Begriff “Systemmanagement” einfach ein bisschen weiter als bisher, erklärte Milko van Duijl, Vice President EMEA von Tivoli Software im Exklusiv-Gespräch mit silicon.de.

“Wir werden nicht zum Generalisten, wir fügen unserem System-Management-Portfolio lediglich ein paar notwendige Puzzle-Steinchen hinzu,” sagte er. Im Falle des noch von der Regierung abzusegnenden Kaufs von Access 360 bedeute dies beispielsweise, den wachsenden Security-Bedürfnissen der Kunden mit ausgereiften Produkten zu begegnen.

” Gerade die zunehmende Verbreitung von Web-Services in den Unternehmen setzt doch ganz andere Security-Aspekte voraus – die konnten wir mit unseren bisherigen Produkten noch nicht so gut bedienen”, räumt er ein. So sei zwar in der Weiterentwicklung des eigenen Identitäts-Management-Produkts, Identity Manager, in der Roadmap vorgesehen gewesen, die für Web Services nötigen Schritte zu machen. Dies allerdings erst “um einiges später, als wir es jetzt schaffen können”.

Konkret nannte er als ungenügend gefüllte Lücken im derzeitigen Haus-Produkt die Funktionen für User Enrollment, User Self Care und für die Nutzer-Profilverwaltung. Außerdem seien die Zugangskontrolle, das Monitoring von Nutzeraktivitäten, Meta Directories und die für die Arbeitsprozesse und das Reporting nötigen Werkzeuge entscheidend gewesen für die Auswahl des Übernahmekandidaten.

“In all diesen Aspekten des Identity Life Cycle Management ist Access 360 Spitze und bringt genau das mit, was wir brauchen”, so van Duijl. Die Roadmap für den Tivoli Identity Manager verkürze sich durch den geplanten Zukauf um 18 bis 24 Monate, ließ er durchblicken.

Vorbehaltlich der in dreißig Tagen zu erwartenden Zustimmung der Behörden sehe diese nun so aus: “Im vierten Quartal 2002 wollen wir die Access-Produkte in unser Portfolio integrieren und unter unserem Namen vertreiben, im ersten Quartal 2003 kommt dann ein kombiniertes Produkt auf den Markt.”

Milko van Duijl gab diesbezüglich einen Blick in die Tivoli-Entwicklungslabors frei. So basiere dieses neue Produkt auf der Access-360-Technik. Die Funktionen zur Identitätskontrolle im eigenen Pendant würden “selbstverständlich in weiterentwickelter Form” beibehalten und auf diese Grundlage aufgesetzt. “Unsere Ingenieure sind jetzt schon dabei, Pläne für die Zusammensetzung des neuen Produkts zu entwickeln”, ließ er wissen. Er geht also fest von einer Bewilligung des Zukaufs durch die Behörden aus.

Ähnliche Vorteile wie bei den Access-360-Leckereien verspricht er sich von der Trellisoft-Akquisition. Der bereits übernommene Speichermanagement-Hersteller bringe Funktionen zur Zusammenführung, sowie zum Tracking und Monitoring der gespeicherten Daten mit in die Ehe.

“Gerade durch die Ausweitung von Unternehmenssystemen durch Web Services gibt es neue Versteckmöglichkeiten für wichtige Daten – diese wiederaufzufinden und dauerhaft zuverlässig zu verwalten, ist eine große Aufgabe, die Trellisoft-Produkte hervorragend meistern”, erklärt Tivolis Europachef.

Selbstverständlich habe man auch hier eigene Lösungen entweder schon realisiert oder in Petto. “Mit der Trellisoft-Übernahme sind wir aber 12 bis 24 Monate schneller am Ziel.”

Funktionen, die die Trellisoft-Familien den aktuellen eigenen Produkten voraus haben, sind nach Angaben von van Duijl: das Monitoring von Speichernutzung und -nutzern, Kapazitätsplanung und User-Tracking. “Diese Funktionen eines durchgängigen Storage Resource Management baut weltweit niemand außer Trellisoft – wir hatten das zwar auch geplant, können aber jetzt viel früher damit Geld verdienen.”