SAP heimst zwei Großaufträge ein

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Plattner gibt dennoch düstere Branchenprognose ab

Mit Daimler-Chrysler und Siemens hat das Softwareunternehmen SAP gleich zwei dicke Fische an Land gezogen. Auf ihrer internationalen E-Business-Konferenz Sapphire in Lissabon gaben die Spitzenmanager bekannt, dass der Autobauer die SAP als weltweit strategischen Lieferanten für Informationstechnologie ausgewählt hat.

Neben der Lizenzierung der E-Business-Plattform mySAP.com plant Daimler Chrysler außerdem die Gründung eines SAP Corporate Customer Competence Center (SAP C4). “Die mySAP.com E-Business-Plattform liefert eine breite Lösungspalette, die den unterschiedlichen Anforderungen bei Daimler-Chrysler in idealer Weise gerecht wird, lobte Hasso Plattner, SAP-Vorstandssprecher und Mitbegründer sein Unternehmen auf dem Anwendertreffen.

Einer Pressemittelung zufolge setzt der Automobilhersteller derzeit mehrere SAP-Lösungen ein, darunter ein Finanzsystem auf SAP R/3 Basis und eine Travel Management-Lösung, basierend auf mySAP.com. Diese solle die in der letzten Ausbaustufe von etwa 60 000 Mitarbeitern rund um den Globus genutzt werden.

Damit nicht genug: Erst gestern hatte der Softwareriese einen Großauftrag von Siemens erhalten und wird seine E-Business-Plattform mySAP auch an den Technologiekonzern liefern. So sollen alle 440 000 Siemens-Mitarbeiter mit der Arbeitsplatz-Software Enterprise Portal ausgestattet werden. Noch nie hat SAP mit einem einzelnen Geschäftsabschluss mehr Lizenzen verkauft. SAP-CEO Henning Kagermann betonte auf der Sapphire die strategische Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Siemens.

Und dann die Überraschung: Eine negative Äußerung des Firmenchefs Hasso Plattner gibt der ohnehin angeschlagenen IT-Branche noch einen Dämpfer. Der Ausblick werde nicht nur für das laufende Jahr, sondern auch für 2003 immer pessimistischer, prognostizierte Plattner in Lissabon.

Für das eigene Haus gilt das aber offenbar nicht. Die Walldorfer haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt und wollen in spätestens fünf Jahren 20 Prozent ihres Umsatzes im Mittelstand machen. Für diese Offensive hat SAP von HP Unterstützung zugesagt bekommen. Der Computerkonzern wird als Installationspartner die neue Software für kleine und mittelgroße Unternehmen vertreiben und bei den Kunden einrichten.

Für Gesprächsstoff sorgt noch immer das jüngste Gerücht: Angeblich bereitet SAP Plattners Rückzug von der Konzernspitze vor. Er könne bereits vor Ende seines bis 2004 laufenden Vertrages in den Aufsichtsrat des Softwareanbieters wechseln und damit dem zweiten Vorstandschef Henning Kagermann allein das Ruder überlassen, heißt es. SAP wies den Bericht jedoch als “pure Spekulation” zurück.