Wer auf die Kosten schaut, setzt auf das Hosten einer Vertriebslösung

EnterpriseSoftware

Wer auch funktionale Reichweite will, nimmt ein Client-Server-Modell

Was ist günstiger, wenn es um Vertriebsanwendungen geht – Client-Server oder Web-basiert? Wie das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Yankee Group herausfand, ist die Antwort eindeutig: Web-basierte, gehostete Lösungen sind billiger. Doch die üblichen Client-Server-Lösungen bieten einen größeren funktionellen Reichtum.

Basis dieser Einschätzung ist eine Betrachtung der Gesamtkosten aus Hardware, Software, Services, Pflege, Schulung und User-Support – auch Total Cost of Ownership (TCO) genannt.

Vielen Anwendern fällt jedoch zunächst nur die Kerntechnik ins Auge. Web-basierte Lösungen arbeiten mit Browsern. Damit entfällt für zahlreiche Unternehmen der Aufwand für die Verwaltung verschiedener Clients und Client-Anwendungen. In der Regel reduziert sich damit der Gesamtaufwand für eine Vertriebslösung um rund 20 Prozent.

Das Ergebnis verbessert sich noch durch die Art der Softwareverteilung. Basiert diese auf einem Service-Modell, kann dieses die Kosten nach unten drücken. Das gilt vor allem im ersten Jahr nach Systemeinführung – nicht jedoch zwangsläufig nach einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren.

Da neue Anwendungen nur selten auf der grünen Wiese entstehen, müssen auch die vorhandenen IT-Ressourcen in eine TCO-Betrachtung einbezogen werden. Web-basierte Applikationen helfen zwar die Kosten für den IT-Support, Datenzentren, Netzwerke und kundenspezifische Anpassungen der Anwendungen nach untern zu schrauben. Doch nichts desto trotz verursachen sie Aufwand, zumindest im ersten Jahr nach Systemeinführung, aber auch darüber hinaus.

Dazu kommen die so genannten versteckten Kosten. Verursacher sind häufig Fehlersuche und Mängelbeseitigung, der Helpdesk-Support für mobile Mitarbeiter und die Wartung von Datenbanken, mit denen die benötigten Daten abgeglichen werden müssen.

Bei einem Client-Server-Modell fällt die TCO-Analyse ein wenig anders aus. Hier spielen zunächst einmal Lizenzkosten eine Rolle. Während die Kosten pro Arbeitsplatz bei einer Web-basierten Lösung etwa zwischen 20 bis 50 Euro liegen, kommt eine Client-Installation auf 600 bis 2500 Euro.

Die laufenden Kosten für Support und Wartung belaufen sich im Client-Server-Modell auf 18 bis 24 Prozent der Lizenzkosten. Bei gehosteten Anwendungen ist dieser Aufwand in den monatlichen Gebühren enthalten.

Den größten Posten in einer Kostenaufstellung für Inhouse-Lösungen auf Client-Server-Basis bilden die Aufwendungen für die Implementation und die Anpassung der lizenzierten Software. Diese können das Vierfache des Lizenzpreises erreichen. Dieser Punkt auf der Rechnung fällt nahezu flach, wenn Anwenderunternehmen ihre Vertriebsanwendung hosten lassen. Die Yankee Group berichtet von Installationen, die weniger als 7500 Euro gekostet haben.

Darüber hinaus schlagen in Client-Server-Implementierungen die Hardware-Kosten zu Buche. Während kleine Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern mit drei NT-Servern auskommen, benötigt ein Betrieb mit 100 bis 200 Beschäftigten bereits fünf Server. Unter Umständen müssen die Rechner zudem bei neuer Software oder einem neuen Release aufgerüstet werden.

Selbst die Infrastrukturkosten liegen bei einer Eigeninstallation im Vergleich zu einer fremdgewarteten Web-Lösung höher. Die Applikation bedarf einiger Sicherheitsmechanismen wie Firewall und Verschlüsselung aber auch Back-up- und Recovery-Lösungen. Dazu kommen die Kosten für die Administratoren, sowie für Schulungen von IT-Spezialisten und Anwendern.

Letztendlich summieren sich die notwendigen Investitionen für eine Inhouse-Lösung auf nahezu das Doppelte einer gehosteten Applikation.

Doch zugleich räumen die Yankee-Group-Analysten ein, dass der Preis keinesfalls das alleinige Kriterium für die Wahl einer Anwendungen und ihres Betriebs sein kann. Holen sich die Unternehmen ein Vertriebssystem ins Haus, legen sie Wert darauf, dass die spezifischen Bedürfnisse tatsächlich erfüllt werden. Dafür müssen sie unter Umständen etwa hohe Anpassungskosten in Kauf nehmen. Entscheiden sie sich umgekehrt für eine Vertriebslösung als Service, müssen sie sich darauf einlassen, dass die Anwendung lediglich zu konfigurieren ist.

silicon meint: Application Providing Services sind out. Zahlreiche Angebote gibt es gar nicht mehr, die Anbieter haben zu wenig Geschäft damit gemacht. Dabei ist das Hosten von Applikationen für die Anwenderunternehmen offenbar eine elegante Lösung, Geld zu sparen – zumindest für kleine und mittelständische Unternehmen. Die großen können sich Implementation und Administration ohnehin leisten.