Novell mit Gewinn: Totgesagte leben doch länger

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Microsoft-Gegner verschafft sich Platz

Der US-Software-Anbieter Novell hat seine eigenen Erwartungen im dritten Geschäftsquartal erfüllt. Noch im zweiten Quartal dieses Jahres hatte die Firma beispielsweise wegen Abschreibungen mit 173,5 Millionen Dollar in rot zu kämpfen. Jetzt aber kann das Unternehmen aus Utah mit einer Umsatzsteigerung von 13 Prozent aufwarten.

Das Nettoeinkommen von 9,9 Millionen Dollar gibt den diversen Umstrukturierungen und Neuausrichtungen, die das Unternehmen in den vergangenen Monaten durchlaufen hat, Recht: Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es noch 19,3 Millionen Dollar Nettoverlust.

Hierin waren damals die ersten Kosten für den umfassenden Firmenumbau enthalten: Mit den sechs Untereinheiten Identity Management Services, Provisioning Services and Solutions, Content and Application Management Services, Networking Services and Solutions, Messaging and Business Solutions sowie Cross Platform Services sollten vor allem die Produktgruppen und ihre Schlagkräftigkeit erneuert werden. Diese Rechnung scheint trotz aller Unkenrufe aufgegangen zu sein.

Zum Erreichen der schwarzen Zahlen bei allerdings immer noch flachem Wachstum soll vor allem der europäische Markt sein Scherflein beigetragen haben. Verständlich wird dies mit einem Blick auf die Politik der EU und einiger europäischer Länder, darunter Deutschland, die auch für ihre eigene behördliche Arbeit Alternativen zum Betriebssystem des US-Konzerns Microsoft fördern oder bereits einsetzen.

Bei Novell selbst klingt das so: “Der Verkauf unserer Netware-Suite ist sehr ermutigend – und zwar sowohl bei Großkunden, als auch bei mittelständischen und kleinen Unternehmen.” CFO Ron Foster rechnet daher auch mit einem stabilen Wachstum in diesem Bereich. Nur beim angebrochenen vierten Quartal kommt er ins Grübeln. So seien die aktuell positiven Zahlen nur zustande gekommen, weil mehrere große und langwierige Verkaufsverhandlungen positiv abgeschlossen worden seien.

Das selbe im vierten Quartal dieses Jahres zu erreichen, sei aber schwierig. “Nicht zuletzt wegen der mangelnden Investitionsbereitschaft bei den Kunden schätzen wir das vierte Quartal eher konservativ ein”, sagte er bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Nichtsdestotrotz rechnet Jack Messman, CEO bei Novell, mit einer glänzenden Zukunft. “Bei dem Tempo, das wir bei der Weiterentwicklung vorlegen und mit dem Nutzen aus steigenden IT-Ausgaben sehen wir für Novell im nächsten Jahr schon ein gleichmäßig steigendes Wachstum.”

Mit diesen Worten folgt er der Voraussage der Analysten der Aberdeen Group, einem US-Marktforschungsunternehmen für die IT/TK-Branche. Sie hatten gestern bekannt gegeben, dass ihrer Meinung nach die IT-Investitionsbereitschaft in absehbarer Zeit wieder anziehen werde.

Ein sicheres Zeichen für eine jetzt schon einsetzende Stabilisierung des Kaufverhaltens sei die Tatsache, dass die Umsätze der 20 größten IT-Versorger im zweiten Quartal nur um durchschnittlich 3,5 Prozent gesunken seien – im Vergleich zu 13,5 Prozent Einbruch im “Katastrophenquartal Q3 2001” ein gewaltiger Fortschritt.

Die befragten IT-Manager, so führt Studienautor und Senior Vice President Hugh B. Bishop als Beweis an, wollten beispielsweise bereits in den kommenden sechs Monaten wieder Geld anfassen. Sie planten, ihre IT-Ausgaben im nächsten halben Jahr um 3,7 Prozent zu steigern.

silicon meint: “Novell war mal richtig erfolgreich”, dieser vielzitierte Satz alter IT-Hasen könnte eine Renaissance erleben. Aber auch nur dann, wenn sich Novell endlich entschließt, vom ewigen Re-Agierer wie in den zurückliegenden Jahren wieder zum Akteur auf der Anwendungs-Bühne zu werden. Durch Aussagen vor der Kartellrichterin alleine wird Microsoft schließlich nicht in die Knie gezwungen – dafür braucht es Marktanteile!