Nächste J2EE-Version wartet auf neuen Web-Services-Standard

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Sun verschiebt Release 1.4, bis die erste Spezifikation vom WS-I abgesegnet ist

Das Warten sollte einen guten Zweck haben: Nachdem Sun bereits Anfang dieses Jahres den Nachfolger von J2EE 1.3 verschoben hatte, soll in der neuen Version Kompatibilität mit dem kommenden Standard für Web-Services gleich mit eingebaut sein. Dieser Standard liegt in Form des “Basic Profile 1.0” der Öffentlichkeit vor und soll im Laufe des Sommers vom Standardisierungsgremium WS-I (Web Services Interoperability Organization) die letzten Weihen erhalten.

Java steht nach wie vor im Zentrum von Suns Strategie für Web-Services. Darin ist die Schaffung eines industrieweiten Standards für Interoperabilität vorgesehen, sowie die Integration aller dafür nötigen Infrastrukturtechnik zu einem einzigen Produkt, das zudem in die Betriebssysteme Solaris und Linux integriert werden soll. Das Basic Profile konsolidiert die vielen sich zum Teil überschneidenden Standards. Web-Services, die diesem Profil entsprechen, werden sich weltweit auf allen Plattformen nutzen lassen.

Dennoch geht das Hauen und Stechen zwischen Microsoft und Sun, das in den letzten zwölf Monaten die Arbeit des WS-I kennzeichnete und teilweise beeinträchtigte, munter weiter. Mark Hapner, Suns Chefstratege für Web-Services, würzt seine Ausführungen mit vielen Seitenhieben auf Microsoft, lenkt damit aber nur davon ab, dass sein Unternehmen eine recht ähnliche Strategie fährt.

Was die Interoperabilität betrifft, so wirft er Microsoft vor, sich nicht klar zum Basic Profile der WS-I zu bekennen, das noch im Juli verabschiedet werden soll. Das ist ein Vorwurf, der auf den ersten Blick nicht nachzuvollziehen ist. Im Standardisierungsentwurf zeichnen immerhin zwei Microsoft-Mitarbeiter als Co-Autoren, aber keiner von Sun.

Bekennt sich Microsoft noch zu dem – immerhin teilweise eigenen – Entwurf, dann läuft auch ein weiterer Vorwurf Hapners ins Leere: Demnach existiere Dotnet nicht ohne Windows, und “es gibt keinen Zaubertrick, die beiden zu trennen.” Doch solange die mit Dotnet entstandenen Web-Services plattformunabhängig nutzbar sind, kann das den Anwendern gleichgültig sein.

Was die Integration der Web-Service-Infrastruktur betrifft, so ähneln die Inhalte des SunOne-Pakets durchaus Microsofts Dotnet: Programmiersprache, J2EE, Web-Server, Tools und Standards wie SOAP, WSDL und UDDI. Nun sollen solche Infrastrukturtechniken für Web-Services nicht nur zu einem Produkt gebündelt, sondern unter der Codebezeichnung “Orion” in die Solaris-Betriebssysteme (für 32-Bit-, 64-Bit- und Intel-Architekturen) sowie für Linux-Derivate integriert werden.

Damit würde den Unternehmenskunden Integrationsaufwand abgenommen. Mit dem gleichen Argument verteidigt Microsoft schon seit jeher seine Strategie, neue Software in Windows zu integrieren. Das Sun-Management hat der Gates-Company allerdings voraus, dass es im Internet-Umfeld mit offeneren Standards arbeitet.

silicon meint:
Was dem einen sein Dotnet, ist dem anderen sein Java: Im Kampf um die Standardisierung der Technologien für Web-Services liefern sich Microsoft und Sun seit mehreren Monaten erbitterte Duelle im Rahmen der Aktivitäten der WS-I. In Wirklichkeit geht es beiden um die Positionierung der eigenen Schlüsseltechnologien, auf welchen die Entwicklung von Web-Services basieren. Der Marktmacht des Monopolisten Microsoft und der Verbreitung von Windows, die Dotnet für viele die natürliche Erweiterung ihrer Web-Anwendungen darstellt, setzt Sun die relative Offenheit von Java entgegen. Gewinnen wird hoffentlich keiner der beiden – es ist gut, Alternativen zu haben.