Pentagon lässt auf Anschläge wetten

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Das amerikanische Verteidigungsministerium will zum 1. Oktober ein Online-Wettbüro einrichten.

Das amerikanische Verteidigungsministerium will zum 1. Oktober ein Online-Wettbüro einrichten, bei
dem Wetten auf Terroranschläge, politische Morde oder andere terroristische Aktivitäten abgegeben
werden können. Unter der Domain policyanalysismarket.org hoffen die Strategen des Pentagon, die
Meinungen und Informationen von tausenden Teilnehmern sammeln zu können, um ihre Politik im
Nahen Osten darauf abzustimmen und möglicherweise Anschläge verhindern zu können.
Das Wetten auf die Zukunft funktioniert dabei analog dem Futures-Markt an der Börse. Je
wahrscheinlicher ein Ereignis von vielen Teilnehmern gehalten wird, desto teurer werden
Wett-Anteilsscheine. Wissenschaftler konnten mit ähnlichen Modellen bereits sehr präzise
Vorhersagen auf die Entwicklung des Ölpreises sowie von demokratischen Wahlen erstellen. Ab
Freitag, den 1. August können sich interessierte Teilnehmer auf der Website registrieren. Ihre Anzahl
ist vorerst auf 1000 begrenzt. Sollte sich das Projekt als erfolgreich erweisen, sei eine Erweiterung
auf bis zu 10.000 Teilnehmer möglich.

Die politische Wissenschaft habe seit längerem Belege dafür, dass “Märkte hocheffiziente und
schnelle Pools für verteilte und auch versteckte Informationen sein können”, heißt es in einer
Stellungnahme des Verteidigungsministeriums. Oft seien die Ergebnisse sehr viel genauer als die
Vorhersagen der besten Experten. Verantwortlich zeichnet die ‘Defense Advanced Research Projects
Agency’ (Darpa), eine Pentagon-Abteilung, die schon mit ihrer Datensammelwut im Rahmen des
Programms ‘Total Information Awareness’ auf heftigen Widerstand gestoßen war.

Die Kritik an dem Projekt ist dafür um so heftiger. Die beiden US-Senatoren Byron Dorgan und
Ron Wyden fordern Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem Brief auf, die Online-Wetten zu
unterbinden. Man stelle sich nur vor, wie die USA reagieren würden, wenn im Ausland Wetten auf die
Ermordung des amerikanischen Präsidenten angenommen würden, so das Argument der Politiker.
Das Ansinnen sei moralisch durch und durch verwerflich.

Wissenschaftler bezweifeln darüber hinaus, dass der Markt zur Politik-Analyse auf Dauer
funktionieren kann, wenn zum einen Terroristen mit Wetten auf ihre eigenen Taten profitieren können
oder die US-Ermittler mit ihren Wetten auf eine falsche Fährte führen können. Zum anderen sei es für
Teilnehmer aus den betroffenen Ländern nicht sehr attraktiv, ihr Wissen über eine Wette an das
Pentagon weiterzugeben, wenn sie damit eine Vereitelung von geplanten Anschlägen
wahrscheinlicher machen oder ermöglichen.

Der Ansatz sei aber noch viel weiter gefasst, räumt das Pentagon ein. Insgesamt gehe es darum,
ein besseres Bild von der wirtschaftlichen, zivilen und militärischen Entwicklung in Ägypten,
Jordanien, dem Iran, Irak, Israel, Saudi Arabien, Syrien und der Türkei zu gewinnen. Nur so könne
man in Zukunft die Auswirkungen eines US-amerikanischen Engagements in der Region besser
einschätzen. Möglicherweise hätte auch der dauerhafte irakische Widerstand gegen die US-Truppen
vor Beginn des jüngsten Golfkriegs besser eingeschätzt werden können, meinen die
Pentagon-Strategen.

Insgesamt sei das ganze aber im Vergleich nur ein sehr kleines Programm, heißt es bei der
Darpa. Die beiden Senatoren können keinen Vorteil erkennen. Das ganze sei eine absurde
Verschwendung von Steuergeldern.