IBM macht Software SLA-fähig

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E-Business on Demand zieht sich durch

Der IT-Konzern IBM hat pünktlich vor der CeBIT einen neuen roten Faden in seine Software-Strategie eingezogen. Als “Grundlage der Betriebsumgebung E-Business on Demand” sollen vor allem die Geschäftsanwendungen derart miteinander vernetzt werden, dass die User alles greifbar haben, was sie zur täglichen Arbeit brauchen – ohne die horrenden Kosten, die eine Umgebung mit “allem, was die Softwarewelt hergibt” mit sich bringen würde.

Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit sollen selbstredend enthalten sein. Diese Vision malte Christoph Pürckhauer, Senior Consulting IT Architect bei IBM für Zentraleuropa auf einer Veranstaltung in München in die Luft. Im Gespräch mit silicon.de erläutert er, wie sich die Softwarestrategie von Big Blue in die E-Business-on-Demand-Felder einpassen wird.

Er räumt zunächst mit falschen Vorstellungen auf: “So etwas wie einen Multi-API, der alles kann, wird es nie geben – Schnittstellen werden immer ein spannendes Thema für Integration sein.” Er stellt sich dabei eine Infrastruktur vor, die mit verschiedenen Business-Layers ausgestattet sei. Die jedoch müssen seiner Ansicht nach im Rahmen offener Standards spielen, sonst seien sie nicht geeignet, die so wichtigen Integrationsaufgaben in heterogenen Umgebungen zu erfüllen.

Denn Pürckhauer ist sich sicher: “Genau deshalb hat ASP nicht funktioniert – hier wurde rein proprietäre Software angeboten.” Die sei derzeit Gift für die Multi-Vendor-Umgebungen in den Firmen. Und genau an diesem Punkt sieht der Manager beispielsweise auch in wirtschaftlich harten Zeiten wie diesen noch Projektpotential, denn: “Integration ist ein Muss für alle Unternehmen.”

Auch wenn die Lust auf Großprojekte inzwischen “mit der Lupe zu suchen” sei – der Zwang zur Vereinheitlichung werde immer stärker: “Aber meistens sind es die Unternehmen, die eine klare Kostenstrategie haben, die dann auch integrieren wollen – dies auch, wenn der Kostenaufwand dafür erst mal eine gewisse Preisgrenze überschreitet”, weiß er aus Gesprächen mit Kunden. “Speziell die Autoindustrie hat beispielsweise ein überlebensnotweniges Interesse daran, ihre Zulieferbeziehungen so kostengünstig wie nur irgend möglich abzuwickeln, sonst können sie die Preisspirale gar nicht mitdrehen und sind ganz schnell mal aus dem Rennen”, so der Manager. Hier seien Großprojekte zur Integration “ein Argument für, und nicht gegen den Einsatz einer weiteren neuen Software”.

Und wenn die dann auch noch “on Demand”, also bei Bedarf zuschaltbar sei – dann bleibe “kein Wunsch mehr offen”. Pürckhauer schwärmt: “Schließlich ist es ja viel zu teuer, die Anwendungen in der erforderlichen Ausfallsicherheit vorzuhalten – das managt dann IBM.”

silicon meint: Durchdacht bis ins Kleinste – aber nur in der Theorie. Die “E-Business-on-Demand”-Idee muss sich in der Praxis bewähren. Die Kunden wollen nämlich jetzt nicht mehr höher, schneller, weiter – sie brauchen jemanden, der ihnen den Alltag spürbar erleichtert. Dazu gehört die Vereinfachung hochkomplexer Umgebungen. Erkannt haben dieses Bedürfnis aber vorerst, so scheint es, nur die Großkonzerne vom Schlage einer IBM oder Sun.