Microsoft schickt Office 11 ins XML-Rennen

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Die Suite soll vor allem im Unternehmen punkten

Der Software-Multi Microsoft hat wieder einmal seine PR-Maschine angeworfen, um die Kundschaft auf seine neue Office-Suite einzustimmen. Allerdings hat Office 11, Nachfolger der XP-Ausgabe, tatsächlich vor allem für die Unternehmenskunden Neues zu bieten.

Erstmals setzen alle Applikationen innerhalb der Suite auf XML auf. Mit dieser technischen Weiterentwicklung will der Hersteller vor allem die viel diskutierte ‘Collaboration’ im Unternehmen und über dessen Grenzen hinweg ermöglichen. Dies beispielsweise, indem Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten zeitgleich an einem Dokument arbeiten können und die Veränderungen der Kollegen sofort vor sich sehen.

Zu den bekannten Anwendungen ‘Word’, zur Erstellung von (Text-)Inhalten, und ‘Excel’, zur Analyse von Daten mit Hilfe von Tabellen und Grafiken, soll sich nun ‘X-Docs’ gesellen. ‘X-Docs’ werde eine “hochgradig strukturierte Datensammlung” ermöglichen, so der technische Produktmanager Wolfgang Rychlak.

Über das “Vehikel XML” könnten dann die erstellten Inhalte über XML-Web-Services umgesetzt werden, auch in HTTP, Soap, WSDL und UDDI, damit sie schließlich auf einem SQL- oder Biz-Talk-Server landen, in einer Oracle- oder DB2-Datenbank, oder aber in Anwendungen von SAP, Peoplesoft oder Siebel. Das Ganze soll auch umgekehrt funktionieren, damit aggregierte Inhalte auch weiter verwendbar bleiben und bearbeitet werden können.

Damit werde Office 11 zu einer “XML-Enwicklungsplattform”, so Rychlak weiter. Anwendungsmöglichkeiten sieht er bei der Erstellung von Geschäftsberichten, Benutzerhandbüchern, Veröffentlichungen oder anderen Unternehmensmitteilungen, in die verteilte Datenbestände eingehen sollen.

Vor allem die Möglichkeiten der IT-gestützten unternehmensweiten Zusammenarbeit sei eine Anforderung, die jedes größere Unternehmen inzwischen erkannt habe, pflichtet Metagroup-Analyst Peter O’Neill dem Projekt bei und nennt das “Enterprise Content Management”. Bisher gebe es noch keinen Anbieter, der entsprechende Produkte anbieten könne.

O’Neill warnt davor, den elektronischen Medienbruch zu vernachlässigen, auch wenn der klassische Bruch von DV zu Papier meist überwunden sei. Hier könne das XML-basierte Office seinen Beitrag leisten. Und schließlich seien immer größere Teile der Belegschaft reisende “Telly Workers” ohne einen festen Arbeitsplatz – bei der IBM sind es an einem durchschnittlichen Wochentag beispielsweise 25 Prozent.

Diese Durchgängigkeit und Collaboration-Funktionen habe sich Microsoft in der Entwicklung rund 3 Milliarden Dollar kosten lassen, erläutert Marketingchef Michael Hartmann. Während ein Zugewinn an Produktivität bisher vor allem dann gesehen wurde, wenn die Effizienz verbessert worden war, müsse man mit Office 11 umdenken, so Hartmann.

Es gehe immer weniger darum, Zeit zu sparen, Anwendungen schneller bedienbar zu machen oder vorhandene Ressourcen noch besser auszunutzen. Statt dessen seien die Potenziale der Mitarbeiter effektiver auszuschöpfen, indem diese zur reibungslosen Zusammenarbeit befähigt würden.

Die Office-Familie fällt aber doch so umfangreich aus, dass der Hersteller gleich eine Reihe von technischen Seminaren für Anwender anbietet – über die kommenden Monate hinweg. Eine zweite Betaversion soll in etwa einem Monat verfügbar sein.

silicon meint: Mag schon sein, dass sich die Collaboration-Erkenntnis in der Unternehmensspitze durchgesetzt hat. Aber bei den Mitarbeitern ist das noch lange nicht angekommen. Deshalb können die Angebote von Microsoft nur ein erster Schritt sein. Die Unternehmenskultur, effizient virtuell zusammenzuarbeiten, wird sich erst langsam entwickeln können.