Entwicklermesse OOP: Modelle, Web-Services und – SAP

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Wie passt das alles zusammen?

Die einen sind voll des Lobes, die anderen warnen, wenn es um den Einsatz von Web-Services geht. In jedem Fall aber waren sie neben der Model Driven Architecture (MDA) Thema Nr.1 auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz OOP, die am Freitag in München zu Ende ging. Die SAP AG feierte hier ein Debüt.Software-Architekten, -Designer, -Programmierer und Projektmanager nutzen die alljährliche Entwicklermesse oftmals als Kompaktseminar in Sachen objektorientierte Programmierung (OOP). Dies lockt schon lange nicht mehr nur Technik-Freaks an; die Art der Software-Entwicklung ist längst Mainstream.

So konnten die Veranstalter in diesem Jahr 950 zahlende Teilnehmer melden, nur 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dagegen hat die Zahl der Aussteller und die Größe der Ausstellungsfläche um 10 Prozent zugenommen. 25 Prozent mehr Besucher sahen sich in der Ausstellung um und besuchten die kostenlosen Veranstaltungen.

SAP stellt sich als Java-Shop vor

Dazu gehörte etwa die Keynote von Peter Kürpick, Senior Vice President Web Application Server Product Unit bei der SAP AG. Integration in heterogenen Welten mit der Hilfe von Mysap, beziehungsweise Netweaver, war sein Thema. In den vergangenen zwei Jahren habe der Hersteller daran gebastelt, die bisher “autistische SAP-Welt” zugänglich zu machen. Seither entstehen ursprünglich in Abap programmierte Module in Java neu, “mehr oder weniger elegant”, wie er sagte. Dazu gehören die Abstraktion von Datenbank-Plattformen, die Softwareverteilung und die Handhabung von großen Softwareprojekten.

Dazu zählt Kürpick aber auch den Eintritt in die offene Welt der Java-Community. So ist SAP seit September 2002 Mitglied des Standardisierungsprojekts Java Standarization Process (JSP) und kann somit auf eine ganze Reihe von Einzelprojekte hinweisen, bei denen Unternehmensvertreter mitarbeiten.

Die kürzlich eingeführte Bezeichnung Weaver, oder Netweaver, für die SAP-Infrastrukturprodukte bezeichnet Kürpick als “Technologie-Initiative”. Diese sei zwar Grundlage aller SAP-Anwendungen, werde aber auch getrennt davon vermarktet. Sämtliche Komponenten sollen im Laufe des Jahres verfügbar sein. Weaver umfasst einen Application Server, Tools zur Prozessintegration, zum Informations-Management und zur zentralen Stammdatenverwaltung, sowie eine Portal-Software.

Komplettiert wird das Infrastrukturangebot durch das Entwicklungswerkzeug Web Dynpro. Dieses Tool verfüge sogar, so Kürpick, über MDA-Unterstützung. Es gebe beispielsweise eine Metaschicht, aus der sich sowohl C#-, Java-, als auch Abap-Code generieren lasse.

Modelle helfen aus der Misere

MDA ist das jüngste Baby der Object Management Group (OMG), die bereits die Common Object Request Broker Architecture (Corba) spezifizierte. Im Kern soll die Software-Erstellung mit Hilfe von Modellen die Anzahl der Programmfehler reduzieren, die Entwickler von Routinearbeiten befreien und die Produktivität erhöhen.

Zunächst entstehen plattformunabhängige Modelle. Aus denen lassen sich mit Hilfe von Tools weitgehend automatisch plattformabhängige Modelle und schließlich wiederkehrende Programminhalte generieren. Dieses Vorgehen vom Abstrakten ins Konkrete ist zwar nichts Neues, funktioniert aber automatisiert nur durch spezifizierte Formalien.

Das Definieren übernimmt die OMG, die Umsetzung übernehmen die Tools-Hersteller wie Compuware, Borland und IBM. Allerdings sind für die Transformation der Modelle Regeln notwendig, die in Metamodellen festgeschrieben werden. Um diese zu formulieren benötigen Software-Architekten eine formalisierte Sprache. Doch hier fehlen die notwendigen Spezifikationen noch.

Web-Services auf dem Sprung

Fehlende Standards sind auch eines der Hauptprobleme, die verhindern, dass Web-Services in breitem Umfang entstehen und genutzt werden. Zum Beispiel mangelt es an genormten Security- und Transaktionsverfahren. Gemeinhin akzeptiert ist, dass sich mit den bekannten Mechanismen, die im Internet Anwendung finden, Sicherheit auf der Transportebene herstellen lässt. Das betrifft die Verbindung zwischen zwei Rechnern – also point-to-point.

Web-Services aber wandern über mehrere, weitgehend unbekannte Knoten, bis sie beim richtigen Empfänger ankommen. Jede dazwischen liegende Maschine könnte die Dokumente und Nachrichten lesen und verfälschen. Somit müssen Web-Services gleich auf der Anwendungsschicht verschlüsselt und signiert werden. Hier gibt es noch keine einheitliche Regelung, nur Initiativen. Als die aussichtsreichste gilt WS-Security von IBM, Microsoft und Verisign, der sich auch Sun anschließen will.

“Toll!” und: “Taugt nicht!”

Die Bewertung fehlender Lösungen fällt unterschiedlich aus. “Den Technikern geht die Standardisierung im allgemeinen und das Warten auf Tools im speziellen zu langsam”, sagt Hamarz Mehmanesh, Vorstandsvorsitzender der Java User Group Deutschland. Notfalls griffen sie lieber zu Open-Source-Lösungen.

Insbesondere damit machte Massimo Sonego, Geschäftsführer der Otego AG, gute Erfahrungen. Sein Unternehmen programmierte etwa das zentrale Clearing-System für den Zahlungsverkehr der Schweiz auf der Basis von Web-Services. Derweil arbeiten mehr als 70 Banken mit dem neuen System, das eine Lösung ersetzt, die auf Edifact, dem Standard für elektronischen Datenaustausch (EDI), basiert.

Die neue Lösung ermöglicht den Finanzhäusern kürzere Reaktionszeiten, so dass Statusabfragen und generelle Abfragen noch kurz vor Verarbeitungsschluss möglich sind. Auch große Files lassen sich nun anliefern. Dabei ist die Applikation für Auftraggeber und Bankkunden günstiger als das Vorgängersystem; denn sie spart Lizenz- und Kommunikationskosten.

Somit ist Sonego mit kleinen Einschränkungen voll des Lobes für Web-Services im Allgemeinen und Open-Source im Besonderen. Thilo Frotscher, der auf der OOP einen Web-Service-Kurs anbot, rät unter dem Security-Aspekt dagegen zu Vorsicht: “Wir müssen noch etwas geduldig sein.”

Für Chris Kobryn, Keynote-Redner und Chef-Techniker beim Toolhersteller und Modellierungsspezialist Telelogic aber taugen Web-Services gar nichts, solange die Sicherheitsfrage ungelöst bleibe. Ein Gebäude ohne Brandschutz und solidem Fundament würde auch kein vernünftiger Architekt bauen, schüttelt er den Kopf. Zweifel allerdings, ob Web-Services tatsächlich hilfreich sein können bei der Lösung heutiger IT-Probleme, dürften die meisten OOP-Besucher kaum hegen. Das gilt hier weitgehend als eine rein rhetorische Frage.