Update “Netweaver”: SAP reiht sich neben Microsoft ein

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Applikationsebene als Sahneschicht

Die Integrations- und Applikationenplattform Netweaver des Softwarekonzerns SAP soll künftig dessen Geschäftsbereich für Mysap-Technologies ablösen. Neu sind daran beispielsweise die Integrier- und Erweiterbarkeit mit sowohl Microsofts Dotnet-Architektur, als auch mit IBMs Websphere.

Dabei bilde Netweaver, so heißt es aus Walldorf, eine im Vergleich zu den ersten Mysap-Plattformen erweiterte Integrationsplattform, die sich vor allem für die heterogenen Umgebungen in den Unternehmen eigne. Netweaver wird bestehenden Kunden als Dreingabe in neuen Releases geliefert, Neukunden können noch in diesem Jahr damit rechnen, dass die Funktionen lieferbar sind.

Gemeinsam mit der Enterprise Services Architecture (ESA) soll so den Kunden der Traum von einer durchgängigen Applikationslandschaft erfüllt werden – innerhalb der proprietären Welt, denn: “Microsoft und SAP haben schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet.” Eric Rudder, Senior Vice President für Plattformen bei Microsoft, will auch fortan sicherstellen, dass “jede Anwendung, die Netweaver nutzt, um Dotnet erweiterbar ist”.

Gemeinsame Technik-Support-Zentren der drei Konzerne sollen die reibungslose Migration beim Kunden gewährleisten.

Matthias Haendly, Leiter Marktstrategie der Region EMEA, geht auf Einzelheiten ein. “ESA ist der Konstruktionsplan für flexible und erweiterbare Businessanwendungen, SAP Netweaver die
zugehörige Plattform. Zusammen entstehen so Lösungen, die sich durch hohe Anpassbarkeit und geringe Kosten auszeichnen”, sagt er.

Dabei bestehe die Plattform aus vier Schichten. Er zählt auf: “People Integration mit Portalfunktionen und Team Support einerseits, dann Information Integration mit Business Intelligence für strukturierte, Knowledge Management für unstrukturierte Informationen und Master Data Management für die Harmonisierung von Stammdaten über heterogene Systeme hinweg.” Drittens verfüge Netweaver über Prozessintegrationsfunktionen von “einfachem Mapping hin zum Business-Prozessmanagement” und viertens verfüge die Technik über eine Applikationsplattform als Grundlage, die J2EE und ABAP in einer Umgebung unterstütze. Haendly: “Dabei nutzt sie verschiedene Betriebs- und Datenbanksysteme.”

Den Kunden nämlich, so der Marktstratege, sei “die Programmiersprache keine Glaubensfrage, im Vordergrund steht mehr die Investitionssicherung, die durch die hohe Interoperabilität mit Microsoft Dotnet und IBM Websphere erreicht wird.” Die Zusammenarbeit von SAP mit Microsoft und IBM vertiefe sich und sei quasi unverbrüchlich.

Das ist neu, schließlich konkurrierte SAP bislang auf der Applikationsseite mit Microsofts Mittelstands-Anwendungsabteilung Great Plains, während IBM im Application-Server-Umfeld bislang ziemlich unangefochten, aber durchaus spürbar von SAP-Produkten verfolgt war. SAP marschiert also lieber mit den, als gegen die beiden US-Konzerne.

Haendley betont einstweilen Einzelheiten. So sei Netweaver mitnichten ein Ersatz, sondern vielmehr eine neue Generation von Mysap-Technologie. Beispielsweise seien als neue Kernfähigkeiten ein Stammdatenmanagement und Composite Application Framework, sowie ein verbessertes Collaboration und Knowledge Management eingefügt worden.

Sein Fazit lautet: “Die Integrationsherausforderungen der Unternehmen lassen sich durch Technologie zwar mindern, eine vollständige Lösung wird aber nur durch ein neues Anwendungsdesign erreicht.” Dafür will SAP nun sorgen. Vorstandsmitglied Shai Agassi sagte abschließend bei der Vorstellung in New York: “So wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Zukunft unseres Unternehmens aussehen.”

silicon meint: Nette Theorie. Wie sich das aber in der Praxis ausnimmt, wissen nur die Leiter der ersten Pilotprojekte – und hoffentlich die 6000 Berater, die weltweit auf der neuen Plattform geschult werden. Sichtbar ist aber eines: Die Softwarewelt wird einfarbiger. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße gibt es nur noch wenige Läden, die ausstatten – und die haben auch noch nahezu dieselbe Kollektion in den Regalen liegen.