Bankenempfehlung schiebt Markt für Business Intelligence an

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Unternehmens-Performance soll für Banken und Anleger besser dokumentiert werden; Hersteller drängen mit neuen Software-Produkten in den Markt.

Die Forderung nach mehr Transparenz in den Unternehmensfinanzen gibt es nicht erst seit dem Worldcom-Skandal. Seit Juli 1999 arbeiten Banken im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht an einer neuen Eigenkapitalverordnung namens Basel II, die eine risikogerechtere Herangehensweise bei der Kreditvergabe ermöglichen soll. Nach Abschluss der Beratungen soll die Richtlinie von den einzelnen Ländern in die nationalen Gesetze aufgenommen werden. Für die Wirtschaft bedeutet das, dass jedes Unternehmen, welches zur Absicherung seiner Finanzierungsvorhaben teilweise oder vollständig auf Kreditinstitute zurückgreifen möchte, viel stärker als bisher damit rechnen sollte, seine Bonität unter Beweis stellen zu müssen. Das heißt aber nicht nur, sich einfach prüfen zu lassen, sondern vielmehr die Performance der eigenen Firma rückwirkend für die letzten drei bis fünf Jahre glaubhaft darstellen zu können. Das wiederum erhöht den Druck auf Unternehmen, sich jetzt schon mit entsprechenden Software-Werkzeugen auseinander zu setzen. Da mit einem Inkrafttreten der Richtlinie bis 2006 gerechnet wird, hat der zu überprüfende Zeitraum nämlich schon längst begonnen.

Transparente Daten sichern Risiken ab

Zwar geht es im Projekt Basel II wesentlich darum, die Kapitalanforderungen an die Banken stärker als bisher abhängig vom ökonomischen Risiko zu bewerten. Doch das setzt voraus, dass zum einen die bankeigenen Risikosteuerungssysteme verbessert und von Aufsichtsinstanzen überprüft werden können. Zum Beispiel setzen die Richtlinien eine Rückschau auf die Unternehmensentwicklung voraus. Zum anderen zeigt die Erhöhung des Eigenkapitals der Banken schon jetzt Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Bankkrediten und auf die Kreditkonditionen für die Unternehmen.

Denn auch die Firmen müssen dann ihre Risiken besser darlegen und ein Rating vorlegen können. Das erfordert einen sorgfältigeren Umgang mit Daten und eine bessere Einsicht in die Daten. Excel-Sheets müssen Business-Intelligence-Werkzeugen weichen. “Eine bessere Transparenz der Unternehmens-Performance ist heutzutage für die Firmen geschäftsentscheidend”, sagen Analysten wie Henry Morris, Vice President of Applications and Information Access bei Marktforschungsunternehmen IDC. Wie konkret diese Forderung ist, zeigt Basel II.

Tools für die Online-Analyse

Das Areal an Hilfsmitteln ist weit gesteckt. Rund 300 bis 400 Software-Lösungen soll es geben, die einen BI-Bezug aufweisen. Die jüngste vergleichende Studie des Business Applications Reseach Centers (Barc) beschäftigt sich mit Olap-Tools. Demnach bilden diese Werkzeuge, die zur Informationsmodellierung und zu multidimensionalen Kalkulationen herangezogen werden, das zweitgrößte Marktsegment unter den BI-Tools. Für rund 80 Prozent der Auswertungen nutzen die Anwender Reporting-, Analyse- und Management-Informationssysteme. Neben den Anwender-Werkzeugen gibt es noch Data-Warehouse-Equipment, Tools zur Datenintegration, sowie Software für die Vorsysteme.

Olap-Auswertungen setzen ein multidimensionales Raster der Daten voraus – Kriterien, nach denen sich die Daten bewerten lassen. Dies lässt sich gewissermaßen auf relationale Datenbanken aufsetzen oder in eigens dafür entwickelten Datenbank-Management-Systemen (DBMS) abbilden. Anbieter multidimensionaler Datenbanken sind etwa Applix mit ITM1, Hyperion mit Essbase, MIK mit MIK-Olap, MIS mit Alea und Thinking Networks mit b2brain. Aber auch die großen Anbieter relationaler DBMS bieten für Olap optimierte Systeme an: IBM hat DB2 Olap Server, Oracle verfügt über Express, SAS offeriert MDDB und Microsoft wartet mit Analysis Service auf.

Standards im Olap-Umfeld

Das Microsoft-Produkt gibt es kostenfrei als Paket mit dem SQL-Server. Mit dieser Strategie versucht der Hersteller aus Redmond ein weiteres Mal, einen De-facto-Standard zu setzen. Die Schnittstellendefinition OLE DB for Olap sowie XML/A sorgen inzwischen wie ODBC und SQL für eine stark verbesserte Interoperabilität zwischen den Datenbanken und den BI-Frontends.

In der vergangenen Woche gab die Standardisierungsgruppe Java Community Process (JCP), zudem die vorläufige Spezifikation einer Java Olap-Schnittstelle (JOLAP) bekannt. Damit entsteht ein plattformunabhängiger Standard für das Abfragen und Verwalten von Daten und Metadaten bei OLAP-Servern und -Datenbanken im Java-Umfeld. 60 Tage hat die Öffentlichkeit jetzt noch einmal Zeit, Kritik zu üben und die Spezifikationen für das JOLAP Application Programming Interface (API) zu kommentieren.

Damit ist aber auch der Streit um das bessere Datenbanksystem – multidimensional oder relational – das noch vor ein paar Jahren tonangebend war, endgültig vorbei. Die Barc-Studie spricht von einer friedlichen Koexistenz. Multidimensionale Systeme zeichnen sich halt immer noch durch kurze Antwortzeiten aus, da die Speicherstrukturen allein auf mehrdimensionale Daten und aggregierte Kennzahlen ausgelegt sind.

Die Studie erhebt den Anspruch, 80 bis 90 Prozent der eingesetzten Werkzeuge im deutschsprachigen Raum verglichen zu haben. Die größten Anbieter im Segment Analyse und Reporting bieten mittlerweile Suiten an: Business Objects mit dem gleichnamigen Produkt, Cognos mit Series 7, Chrystal Decisions mit Enterprise, Hyperion mit Enterprise, Micro Strategy mit Micro Strategy 7, MIS mit Decisionware, Hummingbird mit BI/Suite und Brio Software mit Intelligence.

Business Objects und Cognos

Business Object und Cognos zählen gemeinhin als die Marktführer. Letzter aus der Sicht zahlreicher Analysten geschickter Coup, war für Business Objects der Aufkauf von Acta Technology im vergangenen Sommer. Denn insbesondere im Umfeld von SAP-Installationen spielte der Hersteller von Tools für die Extraktion, Transformation und das Laden von Daten eine führende Rolle. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San Jose kann sich nun tatsächlich als End-to-end-Anbieter von Business-Intelligence-Werkzeugen positionieren. Als besondere Stärke bezeichnet Barc darüber hinaus die Unterstützung zahlreicher Datenquellen sowie das einfach zu bedienende Front-end.

So sei es möglich, über das BO-eigene Portal Infoview Berichte und Berichtsmappen in Form von Dokumenten bereit zu stellen. Die Anwender könnten die Dokumente in öffentliche Ordner aber auch in private ablegen und Dateien versenden, die bei anderen im Posteingang auftauchen. Externe Informationen lassen sich demnach über Web-Adressen einfügen, sowie aus Microsoft Word, Excel, Acrobat Reader und WinZip importieren.

Außerdem ist das BO-Produkt zum Beispiel für Mysap Workplace zertifiziert, so Barc. Integrations-Kits erlauben aber auch die Einbindung in die Portale anderer Hersteller wie Microsoft, Plumtree, IBM und Oracle.

Als Schwäche benennt die Studie, dass die BI-Suite von Business Objects über nur wenige vorgefertigte Analysemethoden verfügt und nur eine geringe Anzahl Grafikformate unterstützt.

Auch der Hersteller Cognos aus Ottawa hat ein ETL-Werkzeug in seine Suite integriert. Decision Stream integriert alle gängigen relationalen Datenquellen über eine grafische Oberfläche. Zu den weiteren Pluspunkten zählt Barc ein integriertes Informationsportal, im Netz einfache Administration und die Möglichkeit, Benutzer im LDAP-Server zentral zu pflegen.

Ganz neu ist der Metrics-Manager, eine Scorecarding-Lösung, die Cognos derzeit auf den Markt bringt. Mit dem Tool sollen sich Unternehmensleistungen auf allen Ebenen messen, überwachen und auswerten lassen – was Analysten für eine der wichtigsten Aufgaben halten, die Unternehmen aktuell lösen müssen.

Als verbesserungswürdig stuft die Untersuchung jedoch ein, dass unterschiedliche Softwarekomponenten verschiedene Repositories benötigen. Zudem müssten betriebswirtschaftliche Verfahren weitgehend extra implementiert werden.

Chrystal und Hyperion

Bei Chrystal liegt der Schwerpunkt nach wie vor auf den Berichtsfunktionen, so heißt es. Das Reporting beschrieben die Studienautoren als gut skalierbar für den unternehmensweiten Einsatz. Dazu kommt eine “gute bis sehr gute Web-Unterstützung”. Allerdings müssen die Anwender dank des Funktionsumfangs in Chrystal Reports mit entsprechend hohem Einarbeitungsaufwand rechnen und die Einbindung in fremde Portale erfordert manuelle Pflege.

Das Unternehmen Hyperion Solutions ist 1998 aus dem Zusammenschluss von Hyperion Software und Arbor Software entstanden und gehört seither zu den Marktführern im Olap-Segment. Pluspunkte sammelt das Tool Analyzer, weil sich neue Berichte einfach entwickeln lassen und weil die Web-Unterstützung als “sehr gut” eingestuft wird. Dient Essbase als Datenquelle, so lassen sich Planzahlen über das Web eingeben. Allerdings ist insgesamt die Anzahl der möglichen Datenquellen beschränkt und die Berichte lassen sich nur eingeschränkt verteilen.

Micro Strategy und MIS

Das Werkzeug Micro Strategy 7 setzt ausschließlich auf relationale Datenbanken auf, und zwar komfortabel, doch fehlt die Unterstützung für multidimensionale Datenspeicher. Das Tool selbst ermöglicht viele Grafikformate, aber es gibt auch eine Schnittstelle zu anderen Analyse-Tools. Zusätzliche Funktionalität und Kennzahlen lassen sich integrieren.

Die Darmstädter Firma MIS sieht sich ebenfalls als BI-Lösungsanbieter für die gesamte Palette der Unternehmenssteuerung. Die Administrations- und Berichterzeugungskomponenten sind in englischer und deutscher Sprache erhältlich. Die Berichte selbst lassen sich aber in beliebigen Sprachen erstellen. Allerdings ist das Tool Decisionware einzig in der Microsoft-Welt zuhause. Controller, die es gewohnt sind, mit Tabellenkalkulationsprogrammen zu arbeiten, dürften sich mit der Berichtserstellung leicht tun. Unstrukturierte Daten kann das Tool integrieren.

Brio und Hummingbird

Im Schnitt benötigt ein Anwender nur drei Stunden, bis er die Performance Suite 8 von Brio Software beherrscht, wirbt das Unternehmen selbst. Die Version soll ab April dieses Jahres weltweit verfügbar sein. Der Roll-out der englischen Variante fand im Dezember statt. Für etwa 5000 Anwender benötige ein Unternehmen lediglich zwei Administratoren, so der Anbieter. Die Barc-Mitarbeiter haben lediglich die Vorgänger-Version getestet. Hier bestätigt sich die versprochene Anwenderfreundlichkeit. Allerdings fehlen der Suite Planungsfunktionen, und betriebswirtschaftliche Verfahren müssen für die Auswertung programmiert werden, was die Handhabung des Tools aufwändig macht.

Die kanadische Firma Hummingbird Solutions schließlich stieg 1998 durch die Fusion mit Andyne Computing in den BI-Markt ein. Mit BI Query und BI Analysis bietet der Herstelle zwei getrennte Werkzeuge für Reporting und Analyse an. Beide können innerhalb eines Web-Browsers oder einer Full-Client-Version ausgeführt werden. Eine weitergehende Bewertung findet sich jedoch in der Barc-Studie nicht.