Selbst überrascht: Oracle hat Auftrieb

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Larry spuckt noch größere Töne, als sonst

Oracle, einer der größten Softwarekonzerne weltweit und nur von IBM angefochtener Datenbankkönig, hat die Talsohle offensichtlich durchschritten. Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal hat das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn die eigenen Erwartungen und die der Wall Street übertroffen.

So ist der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar von damals 549 auf jetzt 535 Millionen Dollar gesunken. Das sind aber statt der erwarteten 4 bis 7 Prozent Rückgang nur knapp 2 Prozent. Gleichzeitig mit dieser Frohbotschaft verkündete Firmenchef Lawrence J. Ellison aber auch, dass die weltweite Vertriebsmannschaft “umgebaut” werde.

Er münzte die Unzufriedenheit der Anwender mit den hochkomplexen Anwendungen wie 9i oder HR-Applikationen auf die Sales-Teams um. Sie seien “nicht ausreichend spezialisiert und gut genug ausgerüstet” gewesen, um die Produkte loszuschlagen. Das bedeutet Entlassungen in noch unbekannter Höhe.

Für die neue Struktur, die auch schon seit ein paar Monaten arbeitet, seien neue Sales-Manager angeheuert worden, sagte Ellison nur. Die Vertriebler sollen sich künftig spezialisieren und entweder Datenbank- oder aber Applikationsexpertise erwerben, um diese jeweiligen Produkte an den Mann zu bringen.

“Wir hatten ein Problem mit dem Vertrieb und dessen Ausrichtung”, sagte Ellison, “die Mannschaft wird künftig ihre Aufgabe besser erfüllen können.” Deutlicher wurde er an dieser Stelle laut New York Times nicht.

Analysten begrüßten sowohl die Ankündigung als auch die Quartalszahlen. “Das ist ein gutes Ergebnis, das die Oracle-Aktien im Aufwind halten sollte – etwas langsam zwar, aber immerhin”, so Robert Austrian von Banc of America Securities, “Eine gute Nachricht.”

Silicon meint: Wie immer, wenn ein Marktführer etwas verkauft, sind die Käufer in absoluter Abhängigkeit von dessen Diensten und trauen sich daher sowieso viel zu selten, Ware zurückzubringen oder zu reklamieren. Die Oracle-Anwender sind dagegen verglichen mit anderen Software-Anwendergruppen erfreulich laut. Ihre zum größten Teil berechtigten Klagen per Blitzableiter auf die eigenen Verkäufer umzulenken, ist dreist.