Gauss Interprise: Nur drei Content-Profis überleben

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Alleskönner siegen – aber irgendwie auch wieder nicht

Der Anbieter von Content-Management-Systemen (CMS) Gauss Interprise will die “zweite Generation von Content Management” einführen und so die meisten seiner Konkurrenten vom Platz fegen. Helfen soll dabei die neue Suite aus dem Hamburger Software-Haus.

Die Enterprise-Content-Management-Lösung VIP 8.1 soll dafür sorgen, dass Kunden mit nur einem Produkt ihre Inhalte, ihre Dokumente, Portale und Arbeitsprozesse verwalten können. Unternehmen haben die Möglichkeit, das gesamte Paket oder einzelne Teile separat einzusetzen. Ein gemeinsamer Workflow soll ROI garantieren und so den Kundenbedürfnissen entgegenkommen.

CEO Ron Vangell erklärt im Gespräch mit silicon.de, warum nicht nur der Kunde, sondern auch der CMS-Markt, der sich noch in der Konsolidierung befindet, nach einer Lösung wie dieser geradezu gedürstet hat, weil sie Marktpositionen klarer herausstelle.

Die Relevanz der neuen Produktgeneration erklärt er so: “Heute steht in den meisten Unternehmen Integration auf der Tagesordnung; die ideale Zeit für Enterprise VIP 8.1, um den Markt zu erobern.” Schließlich sei das genau die Stärke des Produkts – es integriere Prozesse.

Dies werde vor allem angesichts einer hochkarätigen Website-Umgebung deutlich. Vangell sagt: “Unseren Kunden ist beispielsweise für die Pflege einer High-Profile-Website vor allem ein reibungsloses Workflow-Management wichtig und diesem Bedürfnis wollen wir stärker entgegenkommen.”

Dabei komme die Funktionalitätspalette der Suite vor allem dem Wunsch nach einfachen Prozessen entgegen. Nur auf diese Weise, so Vangell, habe das 1983 gegründete Unternehmen schließlich den Sprung geschafft und werde nunmehr von der Meta Group unter die ersten vier am Markt gerechnet: “Wir versuchen, komplexe Prozesse für die Kunden einfach zu machen – das ist der ganze Trick.”

Dass auch andere Content-Management-Spezialisten auf diese Idee verfallen sind und Erfolg damit haben, weiß er zwar. Selbstbewusst zählt er aber aktuell nur noch vier ernsthafte Gegner weltweit. “Da hätten wir Documentum, Stellent, Filenet erst seit den jüngsten Akquisitionen und partiell sogar Interwoven. Spieler wie SER und Ceyoniq sind dagegen bereits nicht mehr am Markt”, so der CEO.

Und die damit angesprochene Konsolidierung betrachtet er als Schlusspunkt unter die vergangenen zehn Jahre. So habe es noch Anfang der 90er “nur punktuelle Lösungen und statische Ansätze im CMS-Markt” gegeben. Heute dagegen spiele sich das Marktgeschehen rund um “hybride und stark vergleichbare Produkte und Dienste” ab.

Und die Anbieterzahl reduziere sich noch, wenn man die “wirklich international” aufgestellten Firmen betrachte. “Eigentlich sind es nur drei bis vier, die auch eine hochkarätige Fortune-1000-Kundenliste ihr eigen nennen”, so Ron Vangell.

Hier wird sich der CMS-Markt aber seiner Ansicht nach auch dauerhaft einpendeln. Von der regelmäßig auf jeder CeBIT geäußerten Vermutung, die heute vielfältige Anwendungs-Landschaft könne sich zu einer einzigen Super-Software vereinen, die alle Akronyme (CRM, SCM, EAI, ERP und CMS) überflüssig mache und all diese Fähigkeiten beherrsche, hält er nichts.

“Die Produkte werden sich nicht, wie zuweilen behauptet, in Richtung einer riesigen, umfassenden Business-Suite entwickeln,” denkt er. Zwar sei Vereinheitlichung durchaus eines der meist gebrauchten Schlagworte in der IT-Welt, “aber die Bedürfnisse der Kunden werden immer so speziell bleiben und so viel Fachexpertise erfordern, dass ein allgemeines Tool für alle Prozesse nur schwer zu machen sein wird”.

Andernfalls laufe die Anbieterwelt Gefahr, die Kunden zu überladen oder neue Integrationsprobleme zu schaffen. Vangell streicht solche Spekulationen klar vom Tisch: “Auch wenn es für einen der ganz Großen machbar wäre: Die Marktteilnehmer sind derzeit viel zu aggressiv, um sich über etwas so Grundlegendes auch nur annähernd zu einigen.”

Silicon meint: Content Management – für viele Unternehmen ist allein der Begriff aufgrund von Integrations- und Konsolidierungsschmerzen schon völlig aus dem Gedächtnis verschwunden. Traurige Web-Auftritte und magere CRM-Funktionen erzählen davon. Aber wer bei den Inhalten spart, schenkt der Konkurrenz die Kunden – oder muss auf der Produktebene schon verdammt gut sein, um Peinlichkeiten beim Webauftritt zu kompensieren.