Streit um DVD-Knacker vor Gericht in Dänemark

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Stichwort: DeCSS – Wie frei ist die Verbreitung von Software?

Ein 19 Jahre alter Norweger, der vor drei Jahren den Kopierschutz für DVDs geknackt hat, ist in Oslo vor Gericht gestellt worden. Die in der Industrievereinigung MPA (Movie Pictures Association) zusammengeschlossenen Filmgesellschaften hatten Jon Lech Johansen angezeigt, nachdem er als 16-Jähriger zusammen mit Freunden die Verschlüsselung der DVD-Daten aufgehoben hatte. Dadurch konnten Filme auf DVDs durch nicht autorisierte Software abgespielt sowie auf dem PC kopiert werden.

Die Staatsanwältin bezeichnete am Eröffnungstag des Verfahrens die Aktionen Johansens und seiner Freunde im Internet als “Bandenkriminalität”.

Die Filmindustrie hatte mit der Verschlüsselungstechnik CSS (Content Scrambling System) versucht, die DVDs ausschließlich auf DVD-Playern abspielen zu lassen. Damit wäre ein Kopieren vom Laufwerk auf einen DVD-Brenner praktisch unmöglich.

Im Zusammenhang mit anderen Kopierschutzverfahren wird in den USA bereits darüber gestritten, welche Rechte der Verbraucher mit dem Produkt erwirbt und ob ein Kopierschutz diesen Rechten nicht widerspricht. Verbraucherschützer meinen, zumindest eine Sicherungskopie müßte der Anwender herstellen können.

Der Angeklagte Johansen sagte vor Gericht, er sei damals darüber verärgert gewesen, dass kommerzielle Anbieter keine DVD-Abspielsoftware für das von ihm verwendete Betriebssystem Linux angeboten hätten. Daher habe er die von ihm entwickelte Software DeCSS zum Abspielen von DVD über das Internet verbreitet.

Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat er damit den Filmgesellschaften erheblichen Schaden zugefügt. Die Hersteller von DVD-Produkten reagierten auf die erfolgreichen norwegischen Hacker-Aktivitäten mit der Entwicklung eines neuen Verschlüsselungs-Verfahrens.