Business Intelligence – eine krisensichere Branche?

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Auch in schlechten Zeiten brummt das Geschäft

Die “Demokratisierung der Information“, “Analyse in Echtzeit“ oder “BI auf Knopfdruck“ sind vollmundige Versprechen von Business-Intelligence-Firmen wie SAS, die von den meisten Anwendern als hehre Ziele der Informationstechnologie oder als “zu anspruchsvoll groß um echt zu sein“ wahrgenommen werden. Dennoch ist BI nach wie vor ein Wachstumsmarkt. BI-Projekte scheinen unbelastet zu sein von der jetzigen Sparwut, die IT-Budgets schmelzen lässt.Dabei bringt der erste Blick auf das BI-Tagesgeschäft Ernüchterung. Wie die Marktbeobachter der Gartner Group feststellen, haben sich die Probleme seit ihrer ersten BI-Studie 1997 kaum geändert. Damals verursachten die unterschiedlichen Datenquellen und unverträglichen Formate die größten Probleme. Jetzt verschärfen sich die Schwierigkeiten noch, wenn neben den firmeneigenen Datenquellen auch Systeme von Partnern angezapft werden müssen. So gilt nach wie vor: Problematische Zugriffe und Inkonsistenzen machen Informationsanalysen manchmal unmöglich.

Doch trotz der technischen Stolpersteine und langer Projektlaufzeiten ist der BI-Markt ein sehr gesunder. So werden im kommenden Jahr rund 14 Prozent der heuer von Gartner befragten Unternehmen mehr als 500 000 Dollar für die Informationsbereitstellung und -auswertung ausgeben. Rund 40 Prozent steht ein Budget von mehr als 100 000 Dollar zur Verfügung. Insgesamt erwarten zwei Drittel, dass ihre BI-Ausgaben steigen.

SAS ohne Sorgen

Auch der BI-Konzern SAS Institute wird davon profitieren. Das US-Unternehmen aus Cary, North Carolina, besteht mittlerweile seit mehr als 25 Jahren. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten rund 8800 Mitarbeiter einen Umsatz von 1,13 Milliarden Dollar.

Für den deutschen Markt kann General Manager Willi Janiesch ebenfalls eindrucksvolle Zahlen vorweisen. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz auf 127 Millionen Euro. SAS Deutschland beschäftigte rund 500 Mitarbeiter, die eine Steigerungsrate von ungefähr 17 Prozent erwirtschafteten. Die Aufwärtsbewegung setze sich auch in diesem Jahr fort, kündigt Janiesch an. Mitte November liegt das Plus beim Software-Umsatz seinen Worten nach bei rund 22 Prozent.

“Schlechte Zeiten bieten Chancen für Business Intelligence,” erläutert Janiesch gegenüber silicon.de. Erhöhter Konkurrenzdruck steigere die Nachfrage nach zuverlässigen Informationen. Diese sollen für Wettbewerbsvorteile sorgen. Zugleich verzögern sich Investitionen in neue Systeme und bestehende werden konsolidiert. Sie sollen sich mit Hilfe von BI besser nutzen lassen und die in Daten enthaltenen Informationen verfügbar machen.

Information als Wertschöpfung

Doch anders als zu der Zeit, als die Gartner-Group ihren ersten BI-Report veröffentlichte, reicht es heute weder aus, Daten aus verschiedenen operativen Systemen in einen gemeinsamen Daten-Pool zu kippen, noch sie in Standard-Reports auszuwerten oder in hochkomplexen Einzelauswertungen von User-Gruppen zur Verfügung zu stellen.

Vielmehr muss die Informationsgewinnung als ein spiralförmiger Prozess verstanden werden. An seinem Anfang steht das Aufspüren von Daten und Informationsquellen und deren Zusammenführung. Die Datenhaltung und -pflege ist dabei nur ein Baustein in einem Wertschöpfungsprozess, der schließlich mit Hilfe von BI- und Analyse-Tools zur Entscheidungsfindung führt. Analyse-Ergebnisse und die Entscheidungen selbst fließen dann wiederum in die Informationsgewinnung ein.

Dabei gehen strategische Zielvorgaben mit Auswertungen operativer Systeme eine Allianz ein. Unternehmerische Ziele haben schließlich Auswirkungen auf das Tagesgeschäft und umgekehrt. Für Mike Ferguson, Managing Director von Intelligent Business Strategies und Gastredner auf der diesjährigen SAS-Anwenderkonferenz in Mannheim, geht die Anforderung an heutige BI-Infrastrukturen noch weiter.

Er sieht eine Notwendigkeit für regelbasierte Entscheidungshilfen. Sein Beispiel ist die Arbeit in einem Call-Center. Hier haben die Sacharbeiter keine Zeit für langwierige Analysen. Sie müssen entscheiden, was zu tun ist, wenn sie einen Anrufer am Apparat haben. Hier sind neben Informationen wie einer Kundenhistorie unter Umständen auch Handlungsanweisungen gefragt.

Mehr Verantwortung oder Entmündigung?

Das aber ähnelt eher einer Entmündigung der Mitarbeiter, als einer Demokratisierung der Information. Janiesch widerspricht Fergusons Einschätzung aus diesem Grund. Allerdings müsse es, um Entscheidungskompetenzen fest zu setzten, klare Rahmen für die Mitarbeiter geben.

Die Auflösung bisheriger Informations-Fürstentümer schreite dennoch voran. Experten wie die von Gartner gehen davon aus, dass bisher maximal 20 Prozent der Mitarbeiter an strategischen Analysen teilhaben können.

Zugleich sorgen Informationsinseln für ein ‘Stop and Go’ im Informationsfluss. Weder haben die Entscheider die wichtigen Informationen im richtigen Moment vor sich, noch ihre Mitarbeiter. ‘Information at your fingertips’ oder ‘information on demand’ und in Echtzeit – das sind oft nur Schlagworte. Das Augenmerk liegt eher darauf, zeitnahe Ergebnisse zu erhalten und sich auf eine prinzipielle Verfügbarkeit verlassen zu können.

Trotzdem ist Schnelligkeit ein Thema, zumal die zentralen Data Warehouses schon heute gigantische Datenmengen verarbeiten müssen. Die Datenbank der Post-Tochter DP Direkt etwa, die die vermietbaren Informationen des Unternehmens speichert, enthält etwa 40 Millionen Adressen. Das ist ein Nettovolumen von mehr als 1,3 Terabyte.

SAS will mit der Version 9.1 der offensichtlich noch ausstehenden Nutzerforderung nach besserer Performance Rechnung tragen. Das Release, das sich kompatibel zur jetzt aktuellen Version 8 verhalten soll, wird eine Optimierungs-Komponente enthalten, die es ermöglicht, bei Bedarf Anfragen auf mehreren Prozessoren parallel abzuarbeiten. Die Version 9.1 wird voraussichtlich in vollem Umfang in einem Jahr verfügbar sein. Bei einem Pilotanwender in den Niederlanden, der seine Applikationen unverändert auf das neue Release portiert hat, laufen laut Janiesch einzelne Prozesse der Aggregation und des Retrieval bis zu 40 Prozent schneller ab.

Integration verschiedener Formate

Stolz zeigten sich die Vertreter des Herstellers auch bei der Ankündigung eines Repository für Meta-Daten. Dieses entspricht dem Standard Common Warehouse Metamodell der Object Management Group (OMG), an dem SAS führend mitgearbeitet hat.

Mit Metadatenbanken sollen sich sämtliche Formatbeschreibungen, die im BI-Umfeld benötigt werden, verwalten lassen. Auf diese Weise sind alle SAS-Anwendungen miteinander verknüpfbar. Es lassen sich aber auch Systeme von Fremdanbietern problemloser einbinden als bisher, stellen die SAS-Marketiers in Aussicht.

Uninteressiert dagegen zeigten sich die Kunden am XML-Mapping und an Web-Services, so Janiesch. Web-Services steckten noch in den Kinderschuhen und “viel von Dotnet ist noch Paperwork”, erläutert er.

Erfolg verspricht sich der General Manager hingegen von dem Schritt, den SAS in Richtung Paketierung unternehmen will. “Diese entsteht aus Best-Practice-Beispielen und orientiert sich an Branchenspezifika”, so Janiesch. Sie enthalten etwa spezielle Reports und Datenmodelle.

In zwei bis drei Jahren werde es bis zu 100 solcher Lösungen geben, die aus Individualanwendungen entwickelt wurden, kündigt er an. Der Vorteil solcher BI-Anwendungen sei die Möglichkeit, BI-Anwendungen schnell zum Laufen zu bringen. Der Deutschland-Chef hebt aber den Zeigefinger: “Individuelle Auswertungen und Kennzahlen erübrigen sich dadurch nicht.”