Business Intelligence: Wie viel Information macht Sinn?

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Die Krise als Chance: BI orientiert sich neu, vom Möglichen aufs Machbare und Sinnvolle

Wirtschaftskrisen haben auch rein technologisch gesehen ihre guten Seiten. Waren die Boomjahre von der Begeisterung für das Mögliche gekennzeichnet, so ist an deren Stelle die nüchterne Betrachtung des wirtschaftlich Sinnvollen und Machbaren getreten. Das ist im Fall von Business Intelligence auch nicht anders. Auf der diesjährigen Anwenderkonferenz des SAS Institute wurde konsequenterweise die Funktionalität von BI-Systemen den wirtschaftlichen Anforderungen des jeweiligen Anwenders gegenübergestellt.Professor Walter Brenner, Direktor des Instituts für Informatik in St. Gallen, sieht gerade jetzt die Chance für Veränderungen. Das Klima dafür ist gut, denn Firmen seien momentan dabei, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und klare organisatorische Strukturen zu schaffen. BI soll dabei versteckte Informationen zutage fördern und das Management bei der Kombination von emotionalen und rationalen Faktoren unterstützen.

Informationen müssen, so die Meinung der Experten auf dem SAS-Kongress in Heidelberg, letztlich den strategischen Business-Plänen genügen. Durch Business Intelligence werden sie in einen Prozess integriert, der entscheidungsunterstützend zum Handeln führt.

Informationen in Reih und Glied

Soweit die Theorie. Doch die Fülle der verfügbaren Informationen und die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten spült oft parallele Aussagen heraus, die permanent zu einer Verwässerung der operativen und strategischen Ziele führen.

Diese Art der Ziele und ihre Messkriterien kennt eine große Anzahl von Unternehmen bereits. Manch ein Balanced Scorecard-Tool (BSC) berücksichtigt beispielsweise neben den üblichen Finanzkennzahlen auch die so genannten ’Intangible Assets’, also das immaterielle Vermögen eines Unternehmens, wie beispielsweise das Mitarbeiterpotential. Nach Angaben von Bernd Geiser, Vorstandssprecher der Unternehmensberatung Horvàth und Partner, hat die Hälfte der DAX 100-Unternehmen die BSC zur besseren Risiko-Abschätzung eingeführt.

Kostenaspekt greift zu kurz

Dass Business Intelligence und der gegenwärtige Sparzwang tatsächlich eine Besinnung auf das Wesentliche bewirken können, macht Wolfgang Binder deutlich, Director Human Resoucre Management der DeTeWe AG. Das Personalmanagement ersticke oft in Verwaltungsarbeit, stöhnt er. “Die eigentlichen Aufgaben in der Beratung und Unterstützung der Unternehmensführung werden vernachlässigt”, so Binder.

Mit einer Betrachtung unter Kostengesichtspunkten rücke aber langsam auch die Wertschöpfung der Personalarbeit in den Vordergrund. Die Herausforderung liege darin, die HR-Strategien als teil der Unternehmensstrategien zu sehen. Dazu aber gehört, das Personal zukunftsgerichtet nach den künftigen Anforderungen eines Unternehmens auszurichten und eine Balance zwischen eigener Ausbildung, interner Neubesetzung und der Rekrutierung von externen Mitarbeitern zu finden.

Die jetzige Situation am Arbeitsmarkt führe beispielsweise nicht zwangsläufig zu einer besseren Auswahl an qualifizierten Mitarbeitern: “Wir kriegen kaum Experten an Land”, wehrt sich Binder.

Manager müssen schöpferisch sein

Zudem trage kaum ein Unternehmen dem Umstand Rechnung, dass sich heute gute Mitarbeiter das Unternehmen aussuchen, und nicht umgekehrt die Firma ihre High-Potentials. Diese zu finden und sie zu halten, bezeichnet der Direktor als eine der Kernaufgaben. Vor drei Jahren hatte DeTeWe die Balanced Scorecard eingeführt. Der Personalbereich beschäftigt seither aber mindestens zehn Mitarbeiter mit dem Ausfüllen und Pflegen zahlreicher Excel-Sheets. Diese dokumentieren die Leistung der HR-Abteilung. “Den Zeitaufwand können wir uns nicht mehr lange leisten”, kündigt Binder das Ende dieser Ära an.

Verwaltungsarbeiten müssen weg, sagt er. Daher habe er das Experiment begonnen, Outsourcing an die eigene Belegschaft zu betreiben. Die Mitarbeiter sollen künftig die eigenen Stammdaten selbst pflegen. Im Januar 2003 nimmt DeTeWe auch dafür ein Intranet in Betrieb. Mit diesem will das Personalmanagement zum einen besser darstellen können, “was wir sind und was wir leisten”, erklärt der Abteilungsleiter. Ein willkommener Nebeneffekt trete gleichzeitig auch noch ein: “Die Mitarbeiter nehmen aktiv Einfluss auf die Personalarbeit.”