Langfristige IT-Revolution: Suns “N1” zieht hinaus in die Welt

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Auch wenn das Netzwerk der Computer ist, braucht es noch Verwaltung

Ausgehend von dem Gedanken, das Netzwerk sei der Computer, haben sich Sun-Forscher Gedanken gemacht, was denn dann das Netzwerk sei. Das Ergebnis ihrer Bemühungen liegt nun seit einigen Wochen mit dem Projekt zur Einführung eines Management-Layers, N1, auf dem Tisch. Gegenüber silicon.de erläutert der Server-Produktmanager Ingo Frobenius, wie N1 als das “versteckte Uhrwerk einer Spieluhr” funktioniert und wie das ‘Network One’ in die Praxis umgesetzt werden soll.

Mit den ersten N1-fähigen Produkten, so sagt er, sei erst in ein paar Jahren zu rechnen – und auch dann ginge dies ohne Akquisitionen oder die aktive Mitarbeit der Konkurrenz ab. Denn N1 verhalte sich wie “ein heterogenes Netzwerk”.

Der Administrator, so erklärt der Manager, soll künftig von der “Verwaltung von Boxen” im Rechenzentrum entlastet werden und statt dessen, “seiner Qualifikation viel eher entsprechend die Verwaltung von Applikationen” angreifen. Voraussetzung dafür sei aber, dass das Rechenzentrum wie ein einzelner PC betrachtet werden könne. “Bei einem Rechner interessiert den Anwender nicht unbedingt, was beim Arbeiten so alles im Innenleben des Gerätes passiert – entscheidend ist für ihn, dass es funktionsfähig ist”, fasst er den Grundgedanken zusammen.

Wie in einem abgeschlossenen System verbänden sich die einzelnen “Bauteile” und teilten sich die Aufgaben. Dabei geschehe die Festlegung, welche Komponente mit welcher über was für eine Aufgabe spricht, in heuristischer Weise. Das System lege also variabel selbst fest, was wo liegt, und die Prozesse konzentrierten sich auf das Auffinden der gewünschten Daten oder Funktionen. Eine dedizierte Festlegung, “also gewissermaßen eine feste Adressierung”, könne hingegen nicht erfolgen und sei auch nicht Zweck der N1-Umsetzung.

Viel wichtiger sei eine reibungslose Kommunikation sämtlicher Komponenten des Innenlebens miteinander. “Im Speicherbereich gibt es in jedem Datenzentrum genügend Platz – eben nur verteilt auf alle möglichen Maschinen. Diese versteckten Ressourcen müssen zugänglich sein”, so Frobenius.

Eine N1-Verwaltungs-Applikationsschicht würde beispielsweise beim Anfallen von Speicherplatzbedarf – “sagen wir, es fehlen 5 Terabyte” – eine allgemeine Anfrage an alle Speicherschränke schicken. “Auf irgendeinem System oder auch verteilt auf mehrere erfolgt dann die Meldung an die N1-Schicht, dass der erforderliche Platz verfügbar ist. Das kann in völlig verschiedenen Schränken sein, von denen sowieso oft nur 30 Prozent der Kapazität genutzt werden”, veranschaulicht Ingo Frobenius.

Aufgabe des Administrators sei es dann nicht mehr, “loszulaufen und einzelne Stecker festzuzurren”, sondern Services nach variablen Parametern zu definieren und “einfach loszulegen”. Damit, dass die Middleware, also die Komponenten Server, Netzwerk, Applikationen, Datenbank, vor dem Administrator genauso “versteckt” seien, wie vor dem Provider ließen sich “Zeit und Geld in bislang unerreichter Menge” sparen. Beide beackerten schließlich nur noch ihr jeweiliges Aufgabenfeld und müssten nur im Notfall die “Schachtel öffnen”.

So einfach das klingt: Frobenius vergisst nicht, die Komplexität der “Idee N1” zu beleuchten. “Die Applikationen im Datenzentrum müssen gewissermaßen wissen, dass sie N1-fähig gemacht worden sind. Sie müssen also in einem relativ abgeschlossenen System miteinander kommunizieren können, und zwar über Herstellergrenzen hinweg.” Dahin sei es aber noch ein langer Weg.

“N1 ist auch ein Angebot an alle Hersteller, mitzumachen, also ein Fall für die Standardisierung durch Leute wie die IETF und das IEEE, zum Beispiel”, wünscht sich Frobenius. Da aber noch viele Unternehmen ihre proprietären Systeme als Alleinstellungsmerkmal und damit als geschäftskritisch betrachteten, könnten sie sich nicht vorstellen, “auch mit offenem Visier Gewinne zu machen”. “Kürzlich mussten wir uns deshalb von EMC als Partner bei der Speicher-Virtualisierung verabschieden”, weiß er zu berichten.

So werde N1 denn nicht in Monaten, sondern über die nächsten Jahre hinweg ausgerollt werden. Seiner Einschätzung wird das durchgängige N1-Rechenzentrum erst “in fünf bis zehn Jahren” Wirklichkeit. Trotzdem gibt es schon jetzt Interesse: “Neulich wollte ein Unternehmen bei mir zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein N1-Rechenzentrum bestellen – hier musste ich leider noch um Geduld bitten.”

Silicon meint: Aufbrechen alter Strukturen, optimieren der Einheiten, zusammenfassen im neuen Netzwerk – klingt nach viel Arbeit, die sich die derzeit etwa 34 000 Sun-Angestellten da vorgenommen haben. IBM ist gerade mit einem ähnlich durchgängigen Ansatz unterwegs. Fehlt nur noch, dass HP das Rad auch noch mal neu erfindet. Wenn das alles nicht nur “MBB” (im Fachjargon ‘Marketing-Bla-Bla’) bleiben soll, müssen die drei Großen alle schwer ranklotzen – oder aber kooperieren.