Kosten sparen: Lasst Anwendungen miteinander sprechen

Management

Web-Service und Anwendungsintegration – Konkurrenz und Symbiose

Kein Zweifel: Web Services spielen künftig eine wichtige Rolle bei der Integration von Applikationen. Das verleitet Bea Systems, Anbieter einer Web-Service-fähigen Infrastruktur, zu der Prognose, dass das Ende traditioneller Systeme für die Enterprise Application Integration (EAI) naht. EAI-Experte Richard Nußdorfer begegnet dieser Einschätzung jedoch mit Skepsis. Außerdem kämpfen er und die EAI-Anbieter bei Managern und IT-Verantwortlichen noch immer um das grundsätzliche Eingeständnis, dass EAI-Systeme wichtig – weil wirtschaftlicher – sind, als selbstgebaute Integratoren.

“Integration heißt die Herausforderung, flexible Geschäftsprozesse, die Lösung und Kostensenkung ist der Nutzen”, bringt Berater Nußdorfer, der dem deutschen EAI-Forum vorsitzt, seine Botschaft auf den Punkt. Darin steckt der Hinweis, dass Integration mehr ist als das Verknüpfen von DV-Systemen aller Art. Vielmehr sollte die Koppelung von Applikationen und Systemen einer Integration von Geschäftsprozessen folgen.

EAI ohne Geschäftsprozessintegration ist eine Sackgasse

Diese Prozessintegration fehlt aber heute in den meisten Unternehmen. Dabei mangelt es kaum an Beispielen für gelungene Projekte, zum Beispiel für die drastische Reduktion von Zeiten für die Auftragsbearbeitung und von Lagerbeständen. So könne niemand bezweifeln, dass durchgängige Prozesse signifikante Produktivitätssteigerungen herbeiführen, sagt Nußdorfer.

EAI-Systeme können für die dafür notwendige Integration der DV-Landschaft sorgen, Abläufe durch Automatisierung beschleunigen und die Kosten für die Prozesse senken. So scheint es kaum verwunderlich, dass 92 Prozent der Unternehmen eine automatisierte Kommunikation mit ihren Partnern als wichtig ansehen, wie die Yankee Group bei einer Umfrage feststellte. Von denjenigen wollte mehr als die Hälfte sogar ihr Budget für diese Zwecke in diesem und im kommenden Jahr sogar erhöhen.

Trotzdem scheuen sich viele Anwenderunternehmen, fertige Integrationsschichten, wie sie Vitria, See Beyond, Tibco, Seeburger und Webmethods anbieten, anzuschaffen. Nach Angaben von Bea, die eine Befragung unter der eigenen Kundschaft durchführte, nutzt gerade einmal ein Drittel ein EA-Produkt.

Integrieren heißt Kosten sparen

Doch liege laut Nußdorfer der Vorteil mit einem hohen Return on Investment (ROI) auf der Hand. Mit Werkzeugen für die Prozessmodellierung, wie sie etwa IDS Scheer anbietet, lassen sich heute auch DV-Abläufe bis ins Kleinste kalkulieren. Die meisten EAI-Projekte rechneten sich schon nach wenigen Monaten, so Nußdorfer.

Für ihn sind EAI-Systeme wie Datenbanken Standardprodukte. Nur Datenbanken würde heute kein Anwenderunternehmen noch selbst programmieren.

Doch von der Schnittstellen-Programmierung- und pflege scheinen sich die meisten Unternehmen nur schwer verabschieden zu können. Das geht jedoch zu Lasten der Flexibilität und auf Kosten einer freien Entscheidung über die Geschäftspraktiken im Unternehmen.

Heutige EAI-Systeme dagegen könnten laut Nußdorfer Geschäftsabläufe abbilden. Die Produkte haben zum Beispiel Schnittstellen zu Werkzeugen, mit denen sich die Prozesse modellieren lassen, sodass ein Import und Export von Prozessen stattfinden kann.

Trend zu standardisierten Abläufen

Allerdings, so fügt der Berater hinzu, geht der Trend zu standardisierten Prozessen. So glichen sich Routinevorgänge in verschiedenen Unternehmen wie ein Zahlungsverkehr ohnehin. Die Unternehmen gingen nun dazu über, solche Prozesse, die zudem fertig in Software gegossen sind, zu kaufen oder zu mieten und sie in ihre Abläufe zu integrieren. Amerikanische Beratungs- und Marktforschungsunternehmen kündigen ohnehin schon seit einiger Zeit ein verstärktes Outsourcing von Geschäftsprozessen an, was die Nußdorfer-These unterstützt und übersteigert.

Überflüssig werde Geschäftsprozessintegration dennoch nicht, sagt der EAI-Experte – im Gegenteil. Die Integration werde durch das Einbinden von Partnern und deren IT-Systemen zu einer noch dringlicheren Aufgabe.

Bea mischt mit

Doch die Fähigkeit, Prozesse zu modellieren, adäquat abzubilden und zu verwalten spricht Nußdorfer den bisher verfügbaren Produkten aus dem Hause Bea rundweg ab. Auch andere Analysten scheinen skeptisch, wenn der kalifornische Hersteller behauptet, er etabliere sich auf dem Integrationsmarkt.

Doch Lutz-Peter Kurdelski, Manager bei Bea in Aschheim-Dornach, weist darauf hin, dass Bea eigentlich aus der “Integrationsecke” komme und daher über eine langjährige Expertise verfüge. Neben dem Applikations-Server Weblogic stellt das Unternehmen etwa den Transaktionsmonitor Tuxedo her.

Doch nun lenkt das Unternehmen die Aufmerksamkeit auf Web Logic Integration – im Prinzip ein Framework – das die J2EE Connector Architectur und Web-Services unterstützt. Über dieses sollen unterschiedliche Anwendungen miteinander kommunizieren, wobei sich die Kommunikationswege und Prozesse automatisieren lassen. Insofern dient das Produkt auch dem Prozess-Management.

Im ersten Halbjahr 2002 haben sich nach Angaben des Herstellers 160 neue Kunden für das Integrationsprodukt entschieden. Insgesamt zählt Bea 290 Kunden der Software. Den Erfolg führen die Kalifornier insbesondere auf das steigende Bedürfnis der Kunden zurück, ihr Auftrags-Management zu automatisieren und zu rationalisieren.

Der Integrationsmarkt wächst

Wie das Marktforschungsinstitut IDC errechnete, betrug der weltweite Umsatz mit Integrationssoftware im vergangenen Jahr noch 4,3 Milliarden Dollar. Im Jahr 2006 soll der weltweite Markt rund 15,5 Milliarden Dollar umsetzen. Ganz sicher wird Bea in diesem Segment ein sichtbarer Spieler sein. Doch vermutlich reicht das nicht, die EAI-Spezialisten zu verdrängen.

“Web-Services ersetzen die Anwendungsintegration nicht”, äußert sich dazu Milind Govekar, Vice President und Research Director beim Marktforschungsunternehmen Gartner Group. Doch sie fügt hinzu: “Aber mit den Web-Services lässt sich schnell, leicht und kostengünstig eine Architektur bereitstellen, die Unternehmen zu mehr Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit verhilft.”