Borland – ein Tools-Hersteller schnappt und schluckt

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Doch: Alles wird gut – wenn die Verdauung klappt

Ende Oktober hat Borland, Hersteller populärer Entwicklungswerkzeuge, bekannt gegeben, den Tools-Anbieter Togethersoft zu übernehmen. Nach Meinung von Experten kann das dem Hersteller von Delphi und J-Builder tatsächlich helfen, seine Marktanteile auszubauen. Die Herausforderung besteht aber auch darin, den Fokus über die Jahre beizubehalten.Die Akquisition soll für rund 82 Millionen Dollar Cash und Aktientausch über die Bühne gehen. Die Aktien waren zum Zeitpunkt der Bekanntgabe rund 110 Millionen Dollar wert.

Wie die Produktlinien zusammen passen

Borland hat darüber hinaus bereits angekündigt, neben der eigenen Java-Produktlinie auch die Tools-Familie Control Center von Togethersoft weiter zu entwickeln. Es sei sowohl an eine getrennte Vermarktung gedacht als auch an eine hybride Produktlinie, die sich sowohl für das Design und die Entwicklung für Java, Dotnet und andere Plattformen eignen soll. Nach Berechnungen der Borland-Lenker kann die Übernahme dann in den kommenden Jahren eine Umsatzsteigerung von 60 bis 70 Millionen Dollar einbringen.

Die hohen Erwartungen bauen in erster Linie darauf, dass sich die Produktlinien der beiden Hersteller ergänzen. Borland gilt als einer der Marktführer unter den Herstellern von Tools für die Anwendungsentwicklung auf Java-, Linux- und Dotnet-Plattformen. So kontrolliert Borland bereits rund 40 Prozent des Java-Tools-Markts und ist im Windows-Segment die Nummer zwei hinter Microsoft. Togethersoft dagegen habe sich eine wachsende Nische erobert, so die Analysten der Gartner Group, durch eine “enge Integration von Applikations-Design und -Modellierung mit traditionellen Konstruktionspraktiken”.

Im Kauf enthalten sind auch noch andere Assets

Mit dem Zukauf erwirbt Borland außerdem die Vermögenswerte des Tools-Produzenten Web-Gain: Web-Gain Studio, Visual Café, Structure Builder, Business Designer und Quality Analyzer. Togethersoft hatte die Software selbst erst unlängst erworben – und dabei Borland ausgestochen, das um die Werte buhlte.

Peter Coad, Chairman und Mitgründer von Togethersoft und einer der Erfinder der Meta-Programmiersprache Unified Modeling Language (UML) sagte hierzu, er halte den Kauf der Web-Gain-Werkzeuge auch weiterhin für einen klugen Schachzug. Coad erhält bei Borland den Posten als Chief Executive for Strategy und berichtet an Firmenchef Dale Fuller.

Togethersoft ist der dritte Brocken, den Borland schluckt

Die jüngste Erweiterung des Borland-Portfolios im Bereich Application Lifecycle Management folgt im Übrigen nur einen Monat nach dem Aufkauf des schwedischen Softwarehauses Boldsoft und des kalifornischen Tools-Herstellers Starbase. Schon damals hieß es von der Unternehmensleitung, man wolle die eigene Produktpalette um Lösungen für das Anforderungs-Management, zur Konfigurations- und Versionsverwaltung sowie um Workflow-Lösungen erweitern.

Der Kaufpreis von Boldsoft blieb geheim. Den Starbase-Aktionären will Borland 2,75 Dollar pro Anteil zahlen. Somit würde der Kaufwert rund 24 Millionen Dollar betragen.

Die Finanzzahlen glänzen schwarz

Doch Borland kann sich die Akquisitionen offenbar leisten. Jüngst gab der Tools-Hersteller bekannt, dass er seit nunmehr zehn Quartalen hintereinander schwarze Zahlen schreibe. So nahm das Nettoeinkommen im abgelaufenen Quartal um 6 Prozent auf 5 Millionen Dollar zu. Im dritten Quartal des Vorjahrs lag das Netto-Einkommen bei 4,7 Millionen Dollar.

Außerdem ist heuer im dritten Quartal ein zehnprozentiger Umsatzanstieg zu verzeichnen. 60,7 Millionen Dollar setzte das Unternehmen zwischen Juli und September um.

Die Analysten gratulieren

Das alles führt dazu, dass Analysten wie die der Gartner Group in den Aufkäufen eine Stärkung der Marktposition von Borland sehen. Die Einverleibung von Togethersoft erhöhe die Attraktivität bei den Anwendungsentwicklern, stärke den direkten mit Wettbewerbern wie Rational Software und spreche vor allem die Entwickler an, die auch von einer Middleware, etwa von IBM und Oracle, unabhängig bleiben wollen.

Die Risiken für Borland liegen wie nahezu bei allen Akquisitionen in der Integration. Die Produktlinien müssen miteinander zu konsistenten Produkten verschmelzen und Überlappungen beseitigt werden. Darüber hinaus bestehe jedoch ein logistisches Problem. Borland war bisher ausschließlich in Kalifornien zuhause. Togethersoft sitzt jedoch in North Carolina und im russischen St. Petersburg. Außerdem muss Borland seine vergleichsweise loyale Klientel davon überzeugen, dass sie mit den neuen Produkten einen sinnvollen Schritt in die Zukunft tun.