Mobiles Internet: Wenn schon, dann nur für E-Procurement und Marktplätze

Management

Notwendige Luxusgüter machen Appetit

Die Zahl der Außendienstmitarbeiter steigt in vielen Unternehmen immer schneller an. Viele Firmen sprechen sogar davon, dass im Prinzip jeder Angestellte auch mobil an das Firmennetz angebunden sein müsste und unterwegs Zugriff auf elektronische Informationen benötigt.

Daher würden die meisten europäischen Unternehmen nach einer Studie des paneuropäischen TK-Marktforschers Idate auch in finanzschwachen Zeiten in mobile Internet-Infrastruktur investieren. Allerdings nur für die folgenden Anwendungen: E-Procurement, Marktplätze und CRM.

Demnach sind 51 Prozent der Unternehmen bereit, für Kundenbeziehungs-Management drahtlose Internetanbindungen aufzubauen. 49 Prozent der Befragten wollen dies in den kommenden Jahren für E-Procurement und Beschaffung überlegen, Marktplätze würden 41 Prozent gern derart betreiben. Mit 35 Prozent liegt eine mobile, internetgebundene Lösung für das Supply Chain Management gerade noch in der engeren Wahl der befragten Manager.

Als größte Hürden bei der Finanzierung nannten sie aber die eklatanten Aufbaukosten zuerst. Auf immerhin 35 Prozent trifft dies zu. Noch 21 Prozent fürchten die laufenden Kommunikationskosten bei eingerichteten Anwendungen, und 14 Prozent nannten mit den Terminalkosten die Hardware als größten finanziellen Hemmschuh.

Aus den USA kommt einstweilen aber die Meldung, dass mobiles Internet an sich nicht so attraktiv sei. So sollen die meisten Mobilfunkkunden, Geschäfts- wie Privatnutzer den Start mobiler Internetdienste sehr gut abwarten können, sie würden die Markteinführung teils sogar verpassen. Das sagen die Experten der Yankee Group nach der Befragung von über 2000 Nutzern.

Trotz aggressiver Werbung der Hersteller und Anbieter hält sich das Interesse dafür offenbar in engen Grenzen. Einzig der reine Geschäftskundenbereich verspricht hier Besserung.

In diesem Marktfeld gilt allerdings gerade der Bereich mobile Marktplatzanwendungen als am komplexesten. Während Japan und die USA bereits in den nächsten beiden Jahren hier erste aktive Anwendungen sehen sollen, prognostiziert Idate-Analyst Frederic Pujol den europäischen Nutzern eine langsamere Akzeptanz, ohne einen genauen Einführungszeitpunkt zu nennen.

Dabei rechnen aber seine Kollegen von der Meta Group damit, dass CIOs schon im kommenden Jahr ihren Blick begehrlicher auf mobile Internetanwendungen richten werden. Jean-Louis Previdi, Co-Research Director für Europa führte kürzlich auf einer Anwenderkonferenz in München an: “Im Gegensatz zu den Ausgaben im vergangenen Jahr gaben 48 Prozent der Entscheider an, sie hätten 2002 mehr Geld für mobile Techniken wie Sprach-, Daten- und Verwaltungsservices ausgegeben.” Im Vergleich dazu hätten nur 10 Prozent im letzten Jahr dafür tiefer in die Tasche gegriffen.

Auch wenn der Chairman und Firmengründer Dale Kutnick behauptete, der Einsatz beispielsweise mobiler Marktplätze und Portale werde herbeigeredet, musste er doch anerkennen: “Mobile Handelsplattformen können ein Hype sein oder nicht, die Vorteile solcher Lösungen werden sich in der Buchhaltung beweisen lassen.” Vorausgesetzt natürlich, so fügte er verschmitzt an, “alle machen mit”.

silicon meint: Notwendige Integrationsarbeiten, notwendiges Outsourcing und jetzt auch noch unbedingt jeden Mitarbeiter sofort an eine mobile Internetlösung anbinden – IT-Manager täten gut daran, ihre Anforderungen zu kennen, das für ihr Unternehmen Richtige zu tun und ansonsten die Spatzen pfeifen zu lassen.