Investor will Colt das Genick brechen

Management

“Geld oder Leben!” heißt das Motto

Der britische Carrier Colt Telecom wird von einem seiner Großinvestoren vor Gericht gezerrt. Sollte die Klage des Risikofonds-Unternehmens Highberry Erfolg haben, könnte Branchenkreisen zufolge die sofortige Insolvenz des Carriers eintreten.

Highberry will die für 75 Millionen Pfund (116 Millionen Euro) erworbenen Anleihen zum Einkaufspreis an Colt zurückgeben. Mit einem Wort: Highberry will sein Geld zurück – und zwar alles, und zwar sofort.

Highberry schreibt in der Klageschrift, dass Colt nicht in der Lage sei, die Einlagen von insgesamt 1,2 Milliarden Pfund im vereinbarten Zeitraum zu refinanzieren. Highberry glaubt demnach nicht an die Aussage des Carriers, im Jahr 2005 einen positiven Cashflow erreichen zu können.

Auch die Tatsache, dass das Unternehmen trotz der TK-Krise und trotz dem Untergang vieler Rivalen immer noch über einen Bar-Bestand von rund 1 Milliarde Pfund verfügt, lässt den Investor kalt. Nicht nur die eigenen Investitionen, sondern alle ausstehenden Barschaften seien so gut wie verbrannt, heißt es in der Klageschrift.

In der Deutschland-Zentrale zeigte man sich von derlei Muskelspiel allerdings unbeeindruckt. “Wir sehen der Klage gelassen entgegen”, sagte Unternehmenssprecher Volker Isenmann auf Anfrage von silicon.de. Die hundertprozentige Tochter von Colt verweist auf die Solvenz des Unternehmens.

Dass Colt 2005 mit einem positiven Cashflow aufwarten wird, ist für Isenmann sicher. Im Gegensatz zu Unternehmen wie Mobilcom, die bei den Banken tief in der Kreide stünden, habe Colt erst gar keine Bankkredite aufgenommen, die mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt werden müssen, betonte er.

Der Hintergrund der Klage sei, dass die Risiko-Anleihen von Highberry seit der Ausgabe um etwa die Hälfte gefallen seien. Highberry verklage nun Colt auf vorzeitige Rückzahlung der gehaltenen Anleihen zum Nennwert, da man Zweifel an der Rückzahlung zum Ablauftermin habe – dies werde regulär zwischen 2005 und 2009 sein.

Das aber sei noch nie da gewesen, erboste sich der Colt-Sprecher. So hätten die Deutsche Telekom und der US-Autobauer Ford unter anderem ein ähnliches Finanzierungskonzept aufgelegt – und mittlerweile ebenfalls mit niedrigeren Werten zu kämpfen. Keines der Unternehmen würde aber daran denken, auch nur einem Investor den ursprünglichen Preis für die gefallenen Scheine anzubieten. “So arbeitet die Börse nun mal nicht”, steht für Isenmann fest.

Die Zweifel von Highberry “entbehren jeder Grundlage, da Colt zum Ende des dritten Quartals 2002 Barreserven von rund 1 Milliarde Pfund hat und sogar eigene Anleihen zurück kauft und vom Markt nimmt”, zitiert Isenmann die offizielle Schreibweise des Carriers und verweist für weitere Informationen an die Londoner Zentrale. Bis Redaktionsschluss war hier allerdings nichts Genaueres zu erfahren.

Einstweilen bieten US-Fachleute einen neuen Ausblick auf die Situation. “Es sieht so aus, als ob dieser Risikofonds entweder für einen Apfel und ein Ei die Kontrolle über Colt erringen will – oder aber Highberry ist selbst in finanziellen Schwierigkeiten und braucht dringend Geld”, mutmaßte der unabhängige Analyst Craig Johnson gegenüber Fachmedien.

Allerdings bauen die von Highberry beauftragten Buchprüfer von KPMG schon für eine Übernahme vor: Sie hätten bereits Beweise dafür in der Hand, dass Colts Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen, der Refinanzierungsrahmen unrealistisch und das gesamte Unternehmen bereits jetzt faktisch insolvent sei, heißt es in Branchenkreisen.

Davon will Colt eine Woche vor Veröffentlichung seiner Quartalszahlen nichts wissen. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es angriffslustig, Highberry agiere aus Eigennutz und ohne jede Grundlage. Auch Sprecher Isenmann bleibt dabei: “Der Geschäftsplan von COLT sieht vor, dass das Unternehmen in 2005 einen positiven Cashflow ausweist.”

silicon meint: Nicht nur die Konkurrenz, in Deutschland vornehmlich der Anbieter Completel, dürfte gespannt sein. Spielt sich doch im November vor einem Londoner Gericht etwas ab, was es tatsächlich noch nie gab: Ein Gericht hat darüber zu befinden, was eine Firma in den nächsten drei Jahren tun wird. Sollte das Schule machen, ist das Börsen-Konzept eigentlich ad absurdum geführt. Klagen und Gegenklagen würden in dieser schönen neuen Welt den Wert eines Unternehmens bestimmen. Wenigstens wären sie besser berechenbar als die vornehmlich psychologisch motivierten Kursbewegungen. Wir können uns wohl alle noch an Analysten erinnern, die einmal behaupteten, der Nemax würde nie unter die Marke von 7000 Punkten fallen …