Softwarehaus IDS Scheer schafft ein kleines Wirtschaftswunder

Management

Analysten und Anleger dürften begeistert sein

Das am Neuen Markt notierte Saarbrücker Softwarehaus IDS Scheer schwimmt im positiven Sinn gegen den Strom: Während die Branche allgemein über die Krise klagt, hat das Unternehmen seinen Gewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2001 verdoppelt. Das vorläufige Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg nach Unternehmensangaben auf 13,8 Millionen Euro gegenüber 6,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2002 rechnet der IDS-Scheer-Vorstand mit einem ähnlich guten Geschäftsverlauf.

Vorstandssprecher Helmut Kruppke, weist darauf hin, dass das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr damit begonnen habe, seine Administrationskosten zu reduzieren. Mittlerweile seien sie um 17,8 Prozent gesunken. Zugleich konnte IDS Scheer aber seine Mitarbeiterzahl von knapp 1500 Beschäftigten halten. Das bedeute schlichtweg, führt Kruppke aus, dass die Produktivität der Mitarbeiter zugenommen habe.

So sei etwa im dritten im Vergleich zum zweiten Quartal 2002 die Auslastung der Berater gestiegen. Beratungsleistung habe sich insgesamt als Umsatzbringer entpuppt, bilanziert Vorstandssprecher Ferri Abolhassan. Dafür hätten einerseits die Branchen Chemie und Pharma, Öffentliche Verwaltung und Konsumgüterhandel gesorgt, andererseits auch das allgemeine Interesse an Customer Relationship Management.

Das weltweite Umsatzwachstum liegt bei 13 Prozent. Damit stieg der Umsatz auf über 131 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Firma 116,3 Millionen Euro umgesetzt.

Als Problemfälle erwiesen sich allerdings die Länder Brasilien und Singapur. Laut Abolhassan konnte IDS Scheer hier zwar Gewinne erwirtschaften, doch durch Währungsverluste habe das Unternehmen diese nicht in andere Länder retten können. Zudem seien die Kunden kaum davon zu überzeugen, die Verträge in Dollar oder Euro abzuschließen.

Für das restliche Jahr 2002 und 2003 rechnet der Vorstand mit guten Zahlen, obwohl sich das wirtschaftliche Umfeld kaum erholen werde. So seien beispielsweise bisher keine eklatanten Forderungsausfälle im Beratungsgeschäft hinzunehmen, hieß es. Außerdem habe das Unternehmen mit neuen Produktinitiativen die Weichen für ein zusätzliches Produktgeschäft gestellt.

Dazu gehört vor allem das Scout-Produkt. Es soll Anwendern von SAP-Produkten zum Beispiel bei Release-Wechseln geben. Das Redokumentation-Tool enthält die Erfahrungen aus früheren Wechseln. Eine Software-Umstellung ohne das Werkzeug gestalte sich laut Abolhassan “um den Faktor fünf länger” als mit.

Der Vorstandssprecher räumt zwar ein, dass die Auftragsbücher im dritten Quartal etwas weniger dick seien als im zweiten, doch habe IDS Scheer große “Deals in der Pipeline”, vor allem im Produktbereich. Bezogen auf das Gesamtjahr will das Unternehmen noch immer ein 8-prozentiges Ebit-Wachstum und ein 15-prozentiges Umsatzplus nachweisen können.

Auch im kommenden Jahr sollen die Zeichen auf Wachstum stehen – explizit durch “gezielte Zukäufe wirtschaftlich gesunder Unternehmen – keine Sanierungsfälle”, wie der Vorstand betont. Das Unternehmen will dadurch sowohl seinen regionalen Marktanteil erhöhen als auch das Produktspektrum erweitern. Die diesbezüglichen Verhandlungen sind offenbar bereits weit gediehen, lässt die Unternehmensführung durchblicken.

Die Beurteilung von IDS Scheer durch den Finanzanalysten Felix Ellman der SES Research GmbH fällt ebenfalls positiv aus. Vor allem vor dem Hintergrund, dass das mit IDS Scheer in enger Partnerschaft stehende Softwarehaus SAP seine Prognosen hatte reduzieren müssen, stünden die Saarbrücker überaus gut da, so Ellman. Denn die trüben Aussichten hätten durchaus negative Auswirkungen haben können.

“Diesem Trend trotzt IDS zum wiederholten Male”, sagt Ellmann. Außerdem erwartet der Analyst, “dass Umsatz und Ertrag im vierten Quartal nochmals deutlich gesteigert werden können”.

Die Zahlen für das dritte Quartal liegen sollen Ende Oktober vorliegen.

silicon meint: Toll, dass es solche Ausreißer wie IDS Scheer gibt, die der allgemein schlechten Marktlage trotzen. Wie sagte gestern ein anonymer Vertriebsmitarbeiter? “Es gibt keine schlechten Zeiten, nur schwierige Bedingungen.” Als Rezept für den eignen Geschäftserfolg nannte der Vorstand des Saarbrücker Unternehmens heute “Vorsicht”, zum Beispiel bei der Vergrößerung des Geschäfts. Zu viel Vorsicht der Banken allerdings, führt derzeit fast zur Stagnation bei der unternehmerischen Umsetzung von IT-Ideen.