Mobilcom bringt Bundeswehr-Projekt ins Wanken

Management

IT-Outsourcer sollten eben auch Diplomaten sein …

Die unsicheren Zukunftsaussichten des deutschen TK-Anbieters Mobilcom wecken jetzt auch immer mehr Zweifel am Konzept für eines der größten IT-Outsourcing-Projekte der Bundesrepublik. Denn das schwer angeschlagene Büdelsdorfer Unternehmen hatte noch vor vier Monaten zusammen mit dem Rüstungskonzern EADS und unter der Konsortialführerschaft von CSC Ploenzke den Zuschlag für die Organisation und den Betrieb der gesamten Bundeswehr-IT erhalten.

Momentan befindet sich das Projekt in der Due Diligence, das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) prüft also, ob das unterbreitete Angebot die Anforderungen erfüllt. Immerhin geht es um 6,5 Milliarden Euro über eine Laufzeit von zehn Jahren.

Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge werden die Verantwortlichen im BMVg langsam unruhig. “Wir warten, wie sich die Bietergruppe zum Problem Mobilcom stellt”, so eine Sprecherin. Auch wenn CSC derzeit hofft, den Vertrag bis Mitte kommenden Jahres in trockene Tücher zu bekommen, scheint man im Haus von Minister Struck daran nicht zu glauben. Dort heißt es, der Zeitplan sei völlig offen.

Angesichts der für alle Beteiligten wenig erfreulichen Lage stellt sich die Frage, welchen Ratschlag erfahrene Outsourcing-Experten geben würden. “Viele Projekte entstehen zu sehr aus Kostenüberlegungen heraus”, warnt Georg Lukas, bei der Meta Group Analyst für Service Management und Operations. Noch immer, gerade bei unerfahrenen Auftraggebern, würden zu wenige Vorkehrungen für den Projektverlauf getroffen.

Während sich Mobilcom selbst angesichts der staatlichen Beihilfen von insgesamt 400 Millionen Euro zuversichtlich zeigt, gibt ein CSC-Sprecher bereits bekannt, man sei auf den “Wegfall von Mobilcom vorbereitet”. Auch wenn Analyst Lukas Flexibilität für jedes Vorhaben dieser Art empfiehlt, dürfte das nicht gerade Vertrauen unter den Konsortialmitgliedern fördern. Hinzu kommt, dass die vorerst unterlegenen Bieter – IBM, Siemens und T-Systems – schon mit den Füßen scharren, um Mobilcom zu ersetzen. Genau das hat aber auch CSC im Fall der Fälle vor.

Den Auftraggeber auf der Bonner Hardthöhe versucht Lukas indes zu beruhigen: So lange die vereinbarten Service Level Agreements eingehalten würden, sollte man im Outsourcing-Business die Ruhe bewahren. Allerdings müssten eben die notwendigen Mechanismen in die Vereinbarungen eingeflochten sein: eine exakte Beschreibung der Leistungen, die Option, alternative Angebote während der Projektlaufzeit zu vereinbaren, weil sich ja sowohl der Markt wie auch die Projektanforderungen ständig verändern können, so Lukas. “Das ist ein rollierendes Geschäft.”

Silicon meint: Nachdem so viele Outsourcing-Projekte kläglich gescheitert oder im Sande verlaufen waren, bekamen Auftraggeber und Dienstleister immer wieder den Rat, mehr miteinander zu reden. Das sollte erweitert werden: Handelt es sich um ein Bieterkonsortium, dann sollten die Unternehmen vor allem untereinander reden. Denn in der Haut des IT-Verantwortlichen bei der Bundeswehr möchte man jetzt wirklich nicht stecken.