Copyright-Auseinandersetzung nimmt schärferen Ton an

Management

Microsoft und Phono-Industrie auf dem Kriegspfad

Die deutsche Softwareindustrie und die Phonoindustrie wollen ihre Interessen gegen Copyrightverletzungen bündeln. Auf einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit Vertretern beider Branchen beklagten sie angebliche Milliardenschäden durch Raubkopien. Unabhängige Marktbeobachter sehen die Lage jedoch differenzierter.

“Das Problem betrifft beide Branchen gleichermaßen”, sagte Microsofts Deutschlandchef Kurt Sibold auf der Podiumsdiskussion. Das größte Problem ist aus seiner Sicht das mangelnde Unrechtsbewusstsein bei den Kopierern von Software und Musik. Noch immer werde das Kopieren von CDs in der Öffentlichkeit als Kavaliersdelikt betrachtet, ausführliche Anleitungen in Computerzeitschriften fachten den Eifer noch weiter an, schimpfte der Microsoft-Chef.

Für die Musikindustrie ist das Kopieren von CDs ein wesentlich größeres Problem als das Aufnehmen von Schallplatten auf Musikkassetten in früheren Jahren. Die Branche habe zweistellige Umsatzrückgänge zu verzeichnen. “Wir verlieren jeden Tag”, barmte Peter Zombik, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Industrie.

Auch das Marktforschungsunternehmen Forrester Research hat einen Rückgang bei den CD-Verkäufen registriert, und zwar in Höhe von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gegensatz zu den Branchenfunktionären sehen die Marktbeobachter den Grund dafür allerdings nicht in einem verstärkten illegalen Kopieren. Vielmehr könnten die Anbieter ihren Umsatz wieder anheben, wenn sie es den Benutzern erleichtern würden, die gewünschte Musik im Internet zu speichern, zu kopieren, zu tauschen – und zu bezahlen. Hier lasse die Musikindustrie kundengerechte Flexibilität vermissen.

Auch das renommierte Beratungsunternehmen KPMG sieht das Problem nicht bei den privaten Nutzern. In einer Studie kommt das Institut zu dem Schluss, die Medienindustrie vergeude viel zu viel Zeit und Ressourcen damit, immer wirksamere Verschlüsselungen und Kopierschutztechniken zu entwickeln. Vielmehr sollten diese Unternehmen endlich einmal proaktive Strategien zum Schutz des geistigen Eigentums entwickeln.

Unterdessen werden die Töne immer schriller: In den USA startet de Phonoindustrie eine millionenschwere Werbekampagne gegen das unerwünschte Kopieren. Popstars wie Madonna und Britney Spears ziehen darin gegen die angeblichen und wirklichen Copyright-Piraten zu Felde.

Und auch die Softwareindustrie greift möglicherweise schon bald zu gröberen Waffen. Fachleute befürchten, dass die Anbieter demnächst “Logische Bomben” in ihre Produkte einbauen. Diese, so E-Security-Experte Leif Gamersfelder in der Zeitschrift “Australian IT”, könnten beispielsweise dazu führen, dass eine Software nach Ablauf eines Lizenzzeitraums automatisch deaktiviert werde. Auch der Bruch sonstiger Lizenzbestimmungen könne die Logische Bombe auslösen. Es sei daher auf jeden Fall ratsam, das Kleingedruckte in den Lizenzbestimmungen genau zu lesen, sagt Gamersfelder. Unter Umständen könne die elektronische Rache des Softwareherstellers allerdings gegen bestehende Gesetze verstoßen.

silicon meint: Da redet sich eine Industrie wieder einmal arm. Die Rechenkonstruktionen den Branche sind mehr als windig, der Anspruch auf Umsätze und Marktanteile wird nicht glaubwürdiger, wenn er im Brustton der Überzeugung vorgetragen wird. Sicher ist der geschäftsmäßige Handel mit geklauter Software kein Kavaliersdelikt – aber die Industrie schüttet mit ihrem drastischen Vorgehen das Kind nur allzu häufig mit dem Bade aus.