Outsourcing wird zur Überlebensfrage

Management

Aufteilung des knappen IT-Budgets bleibt Gratwanderung

Unternehmen achten in diesem Jahr zwar weitaus weniger auf das “E-” vor allen entscheidenden Begriffen und konzentrieren sich eher auf Themen wie Kosten sparen und Effizienzsteigerung. Allerdings sind sie auch hierbei noch weitgehend unsicher, in welche Techniken sie ihre knappen IT-Gelder stecken sollen. Das Beratungsunternehmen Meta Group rät ihnen dringend zu Investitionen in integrative Technik und prozessoptimierende Lösungen.

So leitete der neue CEO Fred Amoroso auf der Meta-Group-Konferenz in München her, dass nach der Mainframe-Zeit, der Epoche des Host-basierten Computing und des Client-Server-Ansatzes jetzt die Zeit für verteilte und Netzwerkarchitekturen gekommen sei und die Zukunft im “voll integrierten E-Business” liege. Das wiederum habe positive Konsequenzen für alle Bereiche der IT-Industrie, weil alle Produkt- und Dienstleistungskategorien dafür benötigt würden.

Wie das konkret aussehen könnte, erläuterte Chairman und Firmengründer Dale Kutnick gemeinsam mit dem Europachef Jean Louis Previdi. So gebe es einen Trend dazu, die Kostenstruktur für IT stärker unter die Lupe zu nehmen. Und von einem jährlichen IT-Budgetierung gingen viele Anwender allmählich zu einer halbjährlichen Aufteilung des Geldtopfes über. Dieser Trend sei der Unsicherheit der Märkte geschuldet, sagen die Marktforscher.

Grundsätzlich raten die Experten aber den IT-Verantwortlichen, ihren Bereich nicht mehr technikgetrieben, sondern als Wirtschaftsdenker zu begreifen und entsprechend die Forderungen an die Finanzabteilung in deren Sprache zu formulieren. “Nur wer die IT wie ein Geschäftsmann angeht, wird die notwendigen Gelder für die dringlichsten Aufgaben erhalten”, so Kutnick. Und diese, so ergänzte Previdi, seien vom Outsourcing getrieben.

“Die zunehmende Auslagerung von IT-Teilen ist die einzig mögliche und damit die strategische Alternative schlechthin. Sie führt allerdings dazu, dass mehr und mehr Prozesse integriert werden müssen – ohne vorherige und gleichzeitige Integration gibt es kein Outsourcing, das tatsächlich tut, was es soll: Geld sparen”, so Previdi.

Als die beste Begründung für das Durchsetzen von IT-Outsourcing gilt auch nach neuesten Berechnungen der Marktforscher immer noch der Personalkostenfaktor. So sei die Kostenstruktur innerhalb der IT zu 42 Prozent in diesem Bereich gewichtet, während Hardware, Software und Outsourcing je nur etwa 15 Prozent ausmachten.

Kutnick sieht einen weiteren Treiber für das Auslagern in der Tatsache, dass nur noch 10 Prozent der befragten Unternehmen ihre IT-Augaben im nächsten Jahr erhöhen wollten. Im laufenden Jahr seien es noch 29 Prozent gewesen, die ihre IT-Budgets für dieses Jahr erhöht hätten. Er wies darauf hin, dass die Ausgabenstruktur sich auch in der von der Meta Group erkannten Richtung verlagert habe.

So sei ein Trend zu erkennen, dass die Entscheider immer mehr für Web-Entwicklungstechnik, Internetdienste wie Breitband und Zugangstechnik sowie vor allem für Sicherheit und drahtlose Dienste ausgeben. Das Interesse an Beratungsdienstleistung und Sprachtechnik gehe dagegen stark zurück. Beispielsweise hätten 73 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr mehr Geld für Security-Technik ausgegeben, rechnete der Branchenkenner vor.

Weil erstmals seit 1996 ein negativer Trend bei den IT-Ausgaben erkennbar sei, verbreite sich in der Branche Panik. Das allerdings halten die Auguren für unbegründet. “Es ist richtig, dass die Fixkosten innerhalb der Unternehmen einen immer größeren Teil des Gesamtbudgets beanspruchen, aber dieser Trend wird sich wieder umkehren – wir können leider nicht sagen, wann”, meint Previdi achselzuckend. Da vor allem die variablen Teile des Budgets auch die Industrie antrieben, sei mit einem Fixkostenanteil, der derzeit bei 95, zum Teil sogar bei 99 Prozent liege, einfach kein Staat zu machen. Es sei zwar eine leichte Umkehr zu beobachten, aber eine echte Trendwende stehe noch in den Sternen.

So sei auch das Jahr 2003 genau wie das laufende vor allem von Unsicherheit geprägt. “Viele, wenn nicht alle Kunden fragen uns beinahe täglich, wann es mit der Branche wieder bergauf gehen wird – wir wissen zwar, dass und wodurch die Geschäfte wieder anziehen werden, aber der Zeitpunkt ist zu sehr von politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Einflüssen geprägt, auf die wir als IT-Berater nun wirklich keinen Einfluss haben”, so Kutnick.

Sein Kollege erklärte aber genauer, welche Treiber die Industrie definitiv sehen werde. Ohne von einem neuen Hype ausgehen zu wollen – mit Hype, so erklärten beide augenzwinkernd, habe auch die Analystenbranche ihre negativen Erfahrungen gemacht – raten die Fachmänner zu Web Services.

“Diese Technik und die passenden Prozesse sind schließlich die einzige Möglichkeit auch für kleinere Unternehmen, Dienste auszulagern – und zwar im großen Stil”, so Previdi. Und indem Mittelständler die Outsourcing-Räder anschöben, dadurch die Integrationsmaschine ins Laufen und die gesamte Branche wieder auf den Damm käme, würde sich die IT wieder einmal am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf ziehen.

silicon meint: Wie war das noch mal? Ohne Integration kein Outsourcing, ohne Outsourcing keine wachsenden IT-Budgets und ohne wachsende IT-Budgets kein Web-Services-Einsatz, der wiederum die Outsourcing-Kiste zum Laufen bringt. In sich logisch – deshalb muss es aber noch lange nicht richtig sein. Vielleicht beißt sich hier nämlich einfach nur die berühmte Katze in ihren noch berühmteren Schwanz. Was in dieser Rechnung fehlt, sind nämlich die echten, nicht die modisch attraktiven Bedürfnisse beim Kunden.