10-Gigabit-Ethernet: Start-up katapultiert sich an die Weltspitze

Management

Neuer Switch soll Cisco an den Kragen

Das Netzwerk-Start-up Force 10 kündigt heute die Verfügbarkeit seines Flaggschiff-Produkts an, eines 10-Gigabit-Ethernet-Switches. Bereits vier Beta-Tester in den USA und Großbritannien, darunter das Forschungslabor Lawrence Berkeley National Laboratory, nutzen nach Unternehmensangaben bereits die Varianten E 1200 und E 600 unter anderem für Grid-Projekte. Die Industriegiganten Cisco, Extreme und Riverstone haben in technologischer Hinsicht vorerst das Nachsehen, sagen die Analysten.

Zwar haben die Platzhirsche bereits 10-Gigabit-Zusatzmodule in ihre existierenden Switches und Router eingebaut oder es zumindest angekündigt. Gleichwohl verfüge Force 10 nicht nur über einen Zeitvorteil, sondern sei auch den technisch richtigen Weg gegangen. “Es ist nicht einfach, einer bereits konstruierten Architektur neue Fähigkeiten einzubauen, hier ist ein Start-up, das ein völlig neues Produkt baut, klar im Vorteil”, sagt Rick Thompson, Principal des US-Marktforschungsunternehmens Point East Research.

Bereits im Mai, als die 10-Gigabit-Ethernet-Association (10GEA) ein voll funktionsfähiges Netz aus den Produkten von 24 Herstellern vorstellte, zeichnete sich ab, dass die Unternehmen noch nicht mit voller Kraft 10-Gigabit-Produkte bauen. “Selbstverständlich sagt kein Unternehmen offen, dass seine Produkte noch nicht einsetzbar sind. Aber als wir nach einem Hersteller suchten, hat man uns nicht gerade die Türen eingerannt – das lässt gewisse Schlüsse zu”, sagt Mike Bennett, leitender Netzwerkingenieur beim Lawrence Berkeley Laboratory.

Cisco wehrt sich: Das Unternehmen habe schließlich erfolgreich am Interoperabilitäts-Test, der Mitte August von dem unabhängigen Testlabor Tolly Group durchgeführt worden war, teilgenommen. Ergebnis dieser Tests war allerdings, dass Ciscos Produkt bei der Performance im zusätzlich zum LAN- ebenfalls getesteten WAN-Bereich von der Konkurrenz geschlagen wurde. “Nortels Passport 8600 war der einzige Switch, der bei unserem Test bewiesen hat, dass er auch durchgängig ein WAN-Interface unterstützen kann”, erklärte Brian Tolly, Senior Engineer bei Tolly Group, nach dem Test.

Aber auch wenn die Großen noch mit dem ein oder anderen technischen Problem zu kämpfen haben, warnen aber die US-Analysten den Newcomer Force 10 vor allzu großen Sprüngen. “Im Vergleich zu dem Boom, den der 1-Gigabit-Standard bei seinem Roll-out 1997 auslöste, also eine ganze Schar von Start-up-Gründungen, die nichts anderes im Kopf hatten als Gigabit-Ethernet, sehen wir heute doch ein ganz anderes Umfeld”, so Dave Passmore, Analyst bei dem US-Marktforschungsunternehmen Burton Group.

Severine Real, Industrieanalystin der Gartner Group, äußert im Gespräch mit silicon.de die selbe Meinung. “Es dürfte Force 10 sehr schwer fallen, dem Marktführer Cisco Marktanteile wegzuschnappen”, sagte sie. Auch die Verfolger Nortel, Extreme und Foundry seien sehr gut positioniert und hätten von dem kleinen Start-up vorerst wenig zu befürchten. “Force 10 kann nur überleben, wenn sie ihre Produkte zu einem deutlich niedrigeren Preis abgeben – dann wären sie eine echte Alternative”, so Real.

Momentan aber seien die Einkäufer vorsichtig. “Welches Unternehmen wird heute die 40 000 Dollar so nebenbei ausgeben, die allein für die Grundausstattung im Backbone nötig sind”, fragt sie. Und auch Unternehmen mit großem Bandbreitenbedarf, wie Video-on-Demand-Dienste, würden sich zunächst bei einem Cisco-Händler informieren: “Es heißt im Markt, noch niemand sei gefeuert worden, weil er Cisco eingekauft hat – um eine so geschäftskritische und neue Technologie wie 10-Gigabit-Ethernet bei einem kleinen Neuling zu kaufen, dafür braucht man schon etwas mehr Mut.”