Börsianer sitzen Internet-Ente auf

Management

Mobilcom-Einigung reine Erfindung

Mit einer falschen Ein-Zeilen-Meldung im Internet hat ein anonymer Verfasser der gebeutelten Mobilcom-Aktie zu einem Kurssprung verholfen. “Mobilcom AG und France Télécom wollen noch vor der Hauptversammlung am 29. August 2002 zu einer für die Aktionäre angemessenen Lösung kommen”, schrieb “RealistLebt” am Donnerstag im Forum des Internetportals “Wallstreet-Online”.

Bereits kurz nach dem Beitrag legte der am Neuen Markt notierte Titel des Mobilfunkanbieters deutlich zu. Bis zum Handelsschluss verteuerte sich das Papier am Donnerstag um ein Drittel.

Der Kursaufschwung ist allerdings auf Sand gebaut. Denn der Schreiber zitiert aus einer erfundenen Agenturmeldung. Kundigen Lesern hätte auffallen müssen, dass sowohl Mobilcom als auch France Télécom ihre Hauptversammlungen bereits Ende Mai abgehalten hatten. Am 29. August will Mobilcom seine Halbjahreszahlen vorlegen.

Falschmeldungen wie jetzt bei Mobilcom haben Konjunktur. “In der letzten Zeit stellen wir eine Zunahme von solchen Kursmanipulationen fest”, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin). Die Behörde ist für die Überwachung der deutschen Finanzmärkte zuständig. Derzeit ermittele die Aufsichtsbehörde in “verschiedenen Fällen”. Über die laufenden Verfahren wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

Was wie ein Lausbubenstreich aussieht, kann für die Verfasser ernste Folgen haben. “Marktmanipulation ist ein Straftatbestand, der mit einer Höchststrafe von fünf Jahren belegt werden kann”, sagte die Behördensprecherin. Allerdings sei es schwer zurückzuverfolgen, wer sich hinter den Internet-Pseudonym verstecke.

Bei Wallstreet-Online gehören getürkte Beiträge zum Alltag: “Im Durchschnitt entfernen wir einmal die Woche einen”, sagte ein Sprecher. Angesichts der Flut von privaten Meldungen in den Diskussionsforen des Portals eine geringe Quote. “Die Verfasser werden je nach Schwere ermahnt oder gesperrt.”

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