Opera-Renovierung: Norweger trennen sich von alter Browser-Basis

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Vom Netscape-Desaster lernen

Das Osloer Softwarehaus Opera hat angekündigt, seinen gleichnamigen Internetbrowser mit der anstehenden Version 7 auf völlig neue Beine zu stellen. Damit wird deutlich, dass nun auch der skandinavische Microsoft-Konkurrent eine ganze Reihe von Quasi-Standards aus Redmond akzeptiert und implementiert.

Nach Angaben von Opera wurde das Herzstück des Browsers, der Rendering Engine, in den zurückliegenden anderthalb Jahren vollkommen neu geschrieben. Damit sollen sich nicht nur die Web-Inhalte in noch kürzerer Zeit auf dem Bildschirm aufbauen, der Browser orientiert sich nun auch enger am Document Object Model (DOM).

Die Entwickler wollen mit diesem Strategiewechsel das bisher größte Manko von Opera beheben: Java-Script konnte meist nur unzureichend oder gar nicht wiedergegeben werden.

Die Entwicklergemeinde war darüber trotz der ansonsten guten Opera-Performance gar nicht begeistert: Anstatt auf gewünschte Industriestandards zu setzen, sollten sich die Norweger besser an der Technik orientieren, die Microsoft mit seinem Internet Explorer (IE) vorgibt – so die Meinung selbst vieler Opera-Fans. Wegen der Übermacht des IE auf dem umkämpften Browser-Markt werden jedoch die meisten komplexen Internet-Sites auf diesen Browser ausgerichtet.

Skepsis schlägt Opera entgegen, weil viele Entwickler noch die quälenden Schwierigkeiten bei Netscape im Hinterkopf haben. Dort begann 1998 ein Renovierungsprojekt, das erst vier Jahre später zu einigermaßen brauchbaren Ergebnissen kam. Eigentlich sollte der Navigator nur Industriestandards erfüllen und einfacher in seine Komponenten zerlegbar werden – die Probleme nahmen kein Ende und Microsoft konnte während dessen sein Monopol bei Client-Betriebssystemen fast vollständig auf die Browser-Applikationen ausdehnen.

Opera setzt parallel zur Arbeit an Version 7 auf abgespeckte Browser für Handhelds und Smartphones. Auch wenn der Marktanteil insgesamt schwer messbar ist und nicht über 2 Prozent liegen dürfte, scheint das Geschäftsmodell zu tragen: Opera verdient sein Geld mit Werbeeinblendungen sowie Lizenzgebühren für werbefreie Browser-Versionen. Wann eine Betaversion von Opera 7 zu erwarten ist, wollten die Norweger noch nicht verraten.