High-Tech-Börse Nasdaq: Sayonara in Japan, Hallo in Frankfurt

Management

Firmenchef ist sauer und beschuldigt Japaner fehlender Kooperation

Der Aktienhandel Nasdaq hat genug vom Land der aufgehenden Sonne. Auf dem Stundenplan steht nun eine neue deutsche Börse, die in Frankfurt eröffnet werden soll.

Vor drei Tagen kündigte die Börsenorgansiation das Joint Venture Nasdaq Japan mit der Internet-Firma Softbank aus Tokyo auf. Heute sagt John Hilley, CEO von Nasdaq International, seine Firma habe kein Interesse mehr an irgendeiner betrieblichen Aktivität in diesem Wirtschaftraum. “Zu diesem Zeitpunkt ziehen wir keine Optionen in Asien in Betracht”. Es gebe nicht ein einziges entwicklungsfähiges Projekt oder Unternehmen, so der Nasdaq-Chef.

Aussichtsreicher erscheint ihm offenbar eine elektronische Börse mit der Bezeichnung Nasdaq Deutschland. Diese soll gegen die Deutsche Börse konkurrieren.

Darüber hinaus sind die Pläne weit gediehen. Bereits im Januar soll die deutsche Nasdaq den Handel aufnehmen. Etwa 3000 Aktien könnten hier zunächst gelistet sein, mit dem Fokus auf internationale Werte.

Nasdaq Japan führte dagegen zum Schluss nur noch 98 Firmen. Darunter befanden sich etwa die Kaffee-Kette Starbucks und die Softwarefirma Digicube aus Tokyo. Doch auch diese Aktien schwächelten.

Nasdaq-Chef Hilley macht für das schlechte Abschneiden seiner Firma restriktive japanische Gesetze verantwortlich. Diese verhinderten einen freieren Handel mit internationalen Anteilsscheinen.

Außerdem beschuldigte er die japanischen Broker der Verschleppung. Sie hätten versäumt, ein Computer-Update durchzuführen. Dieses hätte 2003 erlaubt, die Nasdaq-Listings in Japan mit denen der US-Nasdaq zu verbinden. In Europa sei dies bereits möglich, so Hilley.

Wie hoch die Verluste sind, die Nasdaq International mit seinem Joint Venture in Osaka eingefahren hat, will der Nasdaq-Boss nicht bekannt geben. Nach Informationen des Nachrichtendienstes Associated Press belaufen sie sich mittlerweile jedoch auf 77,9 Millionen Dollar.

Nasdaq Japan wird den Betrieb noch Ende dieses Jahres einstellen.