Online-Jobbörsen steht das Wasser bis zum Hals

Management

Stellenanzeigenmarkt dümpelt dahin…

Die Vermittler von Arbeitsplätzen leiden selbst unter der Wirtschaftskrise und müssen abbauen. Jüngstes Opfer: Das Online Anzeigenportal Versum.de.

Das im März 2000 gegründete Gemeinschaftsunternehmen von insgesamt zehn deutschen Zeitungsverlagen betreibt die Online-Anzeigenportale Job-Versum, Immo-Versum und Moto-Versum. “Die Erwartungen an die Marktentwicklung haben sich angesichts der nach wie vor schwierigen Konjunkturlage nicht erfüllt,” teilte das Unternehmen mit. Die Aktionäre haben mit sofortiger Wirkung einen deutlichen Abbau des Personalbestandes und eine tiefgreifende Reorganisation eingeleitet.

Wie viele Mitarbeiter die Firma entlassen will, ist noch unklar. Gerüchten zufolge sollen es insgesamt bis zu 60 Angestellte sein. Pressesprecher Michael Billanitsch wollte die Spekulationen weder dementieren noch kommentieren.

Auch die “Großen” klagen

Dass es auch weltweit vernetzte Jobportale schwer haben, zeigt sich am Beispiel TMP Worldwide. Der Personalvermittlungsriese ist Betreiber des Jobportals Monster.com und mit insgesamt über 21 nationalen Websites vertreten.

Unternehmensangaben zufolge bemerke man zwar Zeichen einer Konjunkturerholung. Doch auf die eigenen Zahlen scheint sich das bisher nicht auszuwirken. Der Umsatz von TMP fiel im ersten Quartal auf 15,6 Millionen US-Dollar. Vor einem Jahr waren es noch 24,8 Millionen. Jetzt heißt es: sparen. Über 500 Mitarbeiter sollen entlassen werden.

Hierzulande gibt es über 250 virtuelle Jobbörsen. “Wir sehen einen Konsolidierungsprozess”, ist Monster.de Geschäftsführer Gunther Batzke überzeugt. Vor allem solche Portale, die sich nicht klar positioniert haben, würden verschwinden.

Bestes Portal ist arbeitsamt.de

Laut der Stiftung Warentest ist das Angebot der meisten Stellenvermittler eher schwach. Die Datenbanken werden nicht ausreichend gepflegt und aktualisiert. Bei manchen Suchanfragen der Stiftung passten nicht alle aufgelisteten Treffer zum eingegebenen Profil. Oder die gefundenen Arbeitsplätze waren zwar die Richtigen, aber längst vergeben. Am besten beurteilt hat die Stiftung die Seite der Bundesanstalt für Arbeit, arbeitsamt.de. Diese habe mit Abstand das größte Jobangebot und sei Anlaufstelle Nummer eins, heißt es im Bericht.

Sparen muss man können

Branchenweit haben Expansionen und Marketingaktivitäten in den vergangenen zwei Jahren viel Geld verschlungen. Es verwundert also nicht, dass Umstrukturierungen und Reorganisationen bei den meisten Anbietern ganz oben auf der Aufgabenliste stehen.

Das Jobportal Stepstone hat bereits im Herbst vergangenen Jahres veranlasst, einige seiner Niederlassungen weltweit zu schließen oder zusammenzulegen. “Im deutschsprachigen Raum haben wir derzeit um 50 Prozent weniger Stellenanzeigen, begründet die Stepstone Unternehmenssprecherin Nicole Göttlicher die aktuelle Wirtschaftslage. Krisenstimmung herrsche im Unternehmen dennoch nicht, “im Gegenteil”, so Göttlicher. Die Sparmaßnahmen hätten gut gegriffen und das Portal habe im ersten Quartal profitabel gearbeitet.

IT-Profis haben es besonders schwer

Die negative konjunkturelle Entwicklung in Deutschland wirke sich laut dem Personaldienstleistungsunternehmen Adecco besonders auf die Computerbranche aus. Das Schweizer Unternehmen hat den Stellenmarkt in 40 Tageszeitungen für rund 70 verschiedene Branchen ausgewertet. Für Informatiker und IT-Spezialisten gingen vergangenes Jahr im ersten Quartal die Stellenangebote um 17 Prozent zurück. Von Oktober bis Dezember sank das Angebot für sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar nahezu um zwei Drittel, heißt es seitens Adecco.

Der Stellenmarkt steht Kopf

Obwohl man nicht unbedingt von einem Mangel an Fachkräften sprechen kann, versuchen Firmen durch Anzeigen bei verschiedenen Jobportalen auf sich aufmerksam zu machen. Oftmals sind es allerdings die gleichen Angebote, nur etwas anders formuliert, erzählt Gabriele Kernwein, Geschäftsführerin der Personalvermittlung PC-Enter: “Der Markt hat sich komplett gedreht. Mittlerweile steht eine verhältnismäßig geringe Zahl von IT-Arbeitgebern einer großen Zahl von Bewerbern gegenüber.”

Bewerber geben sich keine Mühe

Deren Verzweiflung scheint groß zu sein. Auf den Tischen der Personalchefs stapeln sich laut Kernwein Bewerbungsmappen. “Teilweise antworten zwischen 500 bis 1000 Personen auf eine Stellenanzeige, entweder per Post oder E-Mail,” erzählt die Personalexpertin. Nach dem Ausleseprozess blieben dann etwa 10 bis 20 Bewerbungen übrig, die überhaupt in Frage kommen.

Besonders ärgerlich für die Personalchefs, sei die Qualität der Bewerbungen. Diese seien katastrophal, sie würden meistens überhaupt nicht mit der Stellenbeschreibung übereinstimmen. “Solche Mappen landen sofort in den Müll, sagt Kernwein.