Stille Revolution: Der B2B-Standard ebXML kommt

Management

Preisgünstig und standardisiert: Web-Services

80 Prozent der deutschen Unternehmen zahlen zuviel für ihre Geschäftsprozesse. Zwar erkennen sie die Vorteile einer Automatisierung, doch trauen sie sich nicht, die dafür notwendigen Schritte zu vollziehen. Rund 80 Prozent der Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen bleiben manuell und papierbasiert und damit kostenintensiv.

+ss+Eine vergleichsweise preisgünstige Möglichkeit die Automatisierung von Geschäftsprozessen anzugehen, bieten Web-Services. Sie basieren im Wesentlichen auf einem einheitlichen Datenaustauschformat, der Extended Markup Language (XML) sowie dem Protokoll Simple Object Access Protocol (Soap).

Um jedoch Geschäftstransaktionen über das Internet ausführen zu können, bedarf es weiterer Standards, die gleichsam für eine gemeinsame Sprachregelung sorgen. Der B2B-Standard electronic business for XML (ebXML) entwickelt sich fast unbemerkt.

Grund für den stillen Auftritt sind fehlende Marketingmittel, die Gremien UN/Cefact und Oasis als gemeinsame Träger der ebXML-Standardisierung groß angelegte Kampagnen verbieten. Während Software-Hersteller üblicherweise ein Mehrfaches der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in Marketing investieren, ist das Marketingbudget für ebXML minimal.

Was ist ebXML überhaupt?

ebXML übernimmt Konzepte existierender B2B-Standards wie Electronic Data Interchange (EDI). Allerdings ist ebXML von vornherein so angelegt, dass er für alle Branchen anwendbar ist. Im Vergleich dazu ist etwa Rosetta Net auf das Segment der Hardware-Hersteller, etwa von elektronischen Bauteilen und Halbleitern ausgelegt.

An den ebXML-Spezifikationen wird seit 1999 gearbeitet. Die meisten der derzeit fünf Spezifikationen haben Version 2 erreicht und sind hochgradig stabil.

ebXML konzentriert sich auf die Automatisierung der so genannten “öffentlichen”, public, Geschäftsprozesse. Diese definieren gewissermaßen das Bindeglied zwischen den “privaten” Geschäftsprozessen der beteiligten Geschäftspartner. Sie funktionieren wie eine Art normierte Kupplung, an die die beteiligten Geschäftspartner ihre eigenen Geschäftsprozesse einklinken können.

Einsatzmöglichkeiten für ebXML

Viele Grossunternehmen setzen EDI als B2B-Lösung der ersten Generation ein. Da bereits erhebliche Mittel in die technische Plattform investiert wurden und der Datenaustausch zufriedenstellend funktioniert, sehen die Firmen keinen Anlass EDI kurz- oder mittelfristig abzulösen. ebXML wird hier die Rolle eines ergänzenden “Kanals” spielen und Geschäftsprozessautomatisierung mit nicht-EDI-fähigen Geschäftspartnern ermöglichen.

Diese Gruppe macht etwa 98 Prozent aller Unternehmen aus. Es sind zumeist mittelständische Firmen und Kleinunternehmen. Für diese Unternehmen bietet sich mit ebXML eine kostengünstige Möglichkeit zur Automatisierung der Geschäftsprozesse.

Die marktführenden Software-Hersteller halten sich derzeit noch im Hintergrund und bieten noch kaum ebXML-basierende Produkte an. Die Zurückhaltung hat handfeste Gründe. Ein Blick auf die Lizenzpreise verfügbarer ebXML-basierender Produkte zeigt, dass voll funktionale Geschäftsprozessautomatisierungslösungen schon im Bereich von etwa 30 000 Euro erhältlich sind. Damit sind ebXML-basierende Lösungen zwar für den Mittelstand erschwinglich, doch für die großen Hersteller und Systemhäuser nicht besonders attraktiv.

Das bietet kleineren Software-Herstellern und vor allem für Start-ups beste Möglichkeiten für einen Vorsprung. Sobald sich der Markt in Richtung “early majority”-Phase entwickelt – die ersten Erfolge spornen die meisten Anwender zu Investitionen an – werden die großen Hersteller nachsetzen.

Parallel zu Herstellerimplementierungen gibt es aber auch Open Source-Software. Damit ist die gesamte technische Infrastruktur praktisch zum Nulltarif erhältlich. Dazu gehört die Implementierung des ebXML-Kommunikationsdienstes, der den Austausch elektronischer Dokumente, etwa Rechnungen, zwischen Geschäftspartnern ermöglicht, und einer Implementierung des ebXML-Verzeichnisses.

ebXML im Einsatz

Die Liste der Unternehmen und Projekte, die ebXML bereits im operationalen Betrieb einsetzen, ist zur Zeit noch kurz. Eines der wenigen Beispiele ist “Steel 24-7”, ein europäischer Online-Stahlhandelsplatz. Daneben gibt es eine Reihe von Pilotprojekten, die entweder bereits abgeschlossen sind oder kurz vor dem Abschluss stehen.

Der praktische Einsatz von ebXML macht derzeit in Asien die stärksten Fortschritte. Unter dem Dach des ebXML Asia Commitee arbeiten Repräsentanten mehrerer Länder zusammen, darunter Japan, Südkorea und Taiwan, um ebXML in die praktische, verbreitete Nutzung zu führen. Da EDI in Asien nicht sehr verbreitet ist, ist die Bereitschaft sehr groß, preisgünstige ebXML-basierte Geschäftsprozess-Automatisierungs-Lösungen zu implementieren und damit ein noch vorhandenes Vakuum zu füllen.

Auch in Europa ist Bewegung festzustellen. Sie ist maßgeblich getrieben vom European Workshop on E-Business Standardization (eBES). Darüber hinaus unterstützt inzwischen eine beachtliche Zahl von Industrie- und Interessenverbänden die ebXML-Initiative, so EAN International, Uniform Code Council (UCC), Global Commerce Initiative (CGI), Open Travel Alliance (OTA) und Automotive Industry Action Group (AIAG). Diese Organisationen haben sogar bereits Richtlinien erarbeitet, die den Austausch von Geschäftsdokumenten zwischen Mitgliedsunternehmen auf ebXML-Basis regeln.