Kartellverfahren gegen Oracle flößt Peoplesoft kein Zutrauen ein

Management

“Versüßtes Angebot” von Larry weggefegt

Der Peoplesoft-Vorstand hat auch das nachgebesserte Angebot von Oracle zur Übernahme von Peoplesoft abgelehnt. Immerhin auf 6,3 Milliarden Dollar hatte die Ellison-Company ihr Angebot erhöht, nachdem Aktionäre und Analysten wie die betroffenen Unternehmen J.D. Edwards und Peoplesoft die “Übervorteilung” durch Oracle angeprangert hatten.

Oracles Angebot liege aber weit unter dem Wert von Peoplesoft, erklärte President und CEO Craig Conway auf der CeBIT America. Darauf einzugehen sei “nicht im besten Interesse der Peoplesoft-Aktionäre”.

Auch das Kartellamt schaltete sich nun in den Streit ein: Der US-Staat Connecticut hat am Bezirksgericht Hartford ein Kartellverfahren eingeleitet, das die feindliche Übernahme von Peoplesoft durch Oracle verhindern soll. In dem Gesuch prangert Generalstaatsanwalt Richard Blumenthal an, dass eine Übernahme gegen das Wettbewerbsrecht verstoße, Staat und Wirtschaft Schaden zufüge und zu bedeutenden Preissteigerungen führen könne.

John G. Rowland, Gouverneur des Bundesstaates und Peoplesoft-Kunde, ergänzte in einer Mitteilung, dass die Verschmelzung der beiden Unternehmen den Staat Millionen von US-Dollar kosten könne. Mit Peoplesoft habe man gute Geschäfte gemacht und viele Innovationen eingeführt. Die Übernahme stelle nun die “technischen Errungenschaften des Staates der letzten Jahre” in Frage. Immerhin habe Oracle-Chef Larry Ellison bereits angekündigt, dass er nach der Übernahme die Peoplesoft-Produkte vom Markt nehmen wolle.

Dies zu entkräften trat jedoch Oracle umgehend an. Das Unternehmen legte die lange erwartete Roadmap in Grundzügen fest und erklärt in sieben Punkten das Szenario nach einer Übernahme: Die Peoplesoft-Produktreihen würden nicht eingestellt; Kunden würden nicht gezwungen, auf vergleichbare Oracle-Suiten zu migrieren; der Service werde weltweit bei gleicher Qualität mit eigenen und Peoplesofts Fachleuten aufrecht erhalten; der Garantie- und Supportzeitraum würde gar bis ins nächste Jahrzehnt hinein verlängert; es würden keinerlei Maßnahmen ergriffen, die die Funktionsweise der Produkte beeinträchtigen könnten; eigene Verbesserungen und Erweiterungen würden den Wert der Produkte steigern; eine gewünschte Migration – und zwar nur eine gewünschte, so betont der Konzern – würde mittels eines Gratis-Modul-Upgrades erfolgen.

In dem wortreichen Streit um die feindliche Übernahme ist wohl eines inzwischen sicher: Einer der Profiteure der Unsicherheit bei den Kunden, die deutsche SAP AG, wird eigenen Angaben zufolge nicht als ‘weißer Ritter’ auftreten und Peoplesoft übernehmen. IBM und Microsoft äußerten sich bislang nicht wesentlich zu einer solchen Option.