Nutzen von neuer SAP-Software umstritten

Management

Ist der Service Manager eine “Repackaging-Übung” oder ein Vorstoß in neue Geschäftsbereiche?

Was ist SAPs neuer “Service Manager” und was bringt er welchem Kunden? Gestern auf der Hausmesse der Software-Konzerns in Florida neben anderen neuen MySAP-Modulen vorgestellt, sorgt er bereits bei Branchenkennern für sehr unterschiedliche Einschätzungen.

Für Andreas Bitterer, Vice President der Meta Group, liegt auf der Hand: “Das Service Management Offering basiert zum größten Teil auf vorhandenen SAP Bausteinen, die mit Hilfe der Netweaver-Plattform neu gebündelt worden sind, und ist daher in erster Linie eine Repackaging-Übung mit Prozesserweiterungen.”

Er sagt, Kunden, die auf breiter SAP-Basis, beispielsweise SCM, CRM, PLM und ähnliches aufbauen und die relevanten Module im einzelnen schon in Betrieb haben, profitierten von der verbesserten Durchgängigkeit der Prozesse. Andererseits: “Falls ein Kunde aber beispielsweise ein Konkurrenzprodukt zu mySAP CRM einsetzt, ist der Vorteil schon dahin, weil dann zunächst mit gehörigem Integrationsaufwand zu rechnen ist.”

Bitterer weiter: “Interessant wird sein, wie SAP das neue Service Management Offering lizenziert und welche Preisgestaltung hier angedacht ist; Kunden, die alle relevanten mySAP-Produkte bereits gekauft haben, werden sich sträuben, hier nochmals viel Geld auszugeben.”

Sein Kollege Theo Kitz, Industrieanalyst in der Research-Abteilung der Privatbank Merck Finck & Co ist hingegen der Überzeugung, dass SAP Service Management “ein Teil von SAPs Strategie, die bestehenden Software-Module auszubauen und neu zu kombinieren” sei, und daher sinnvoll. Auch er kann sich aber die Pricing-Strategie noch nicht so recht vorstellen. Diese scheint auch noch nicht festzustehen.

Was aus Sicht des Herstellers feststeht, erklärte Dagmar Fischer-Neeb, Global Marketing Manager Manufacturing bei SAP, direkt von der Sapphire: “Bei der Lösung SAP Service Management handelt es sich um eine Kombination verschiedener Komponenten, die zum Teil in den Suiten der SAP enthalten sind und nach den Bedürfnissen der Kunden neu optimiert und zusammengesetzt wurden. Dabei wirkt die Netweaver-Plattform als Integrationsschicht, die eine spezifische Oberfläche und weitere kundenspezifische Implementierungswege erlaubt.”

Hier werde aber mitnichten ein unendlicher Customizing-Prozess begonnen: “Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht hat, dass wir ein Standardsoftware-Anbieter sind. SAP Service Management ist daher eine vorkonfigurierte Lösung.” Diese sei aber nach Parametern gestaffelt, die verschiedene Bedürfnisse bedienten.

So sei zum Beispiel ein Referenzkunde, ein Erdölunternehmen, auf gänzlich andere Funktionen angewiesen, als beispielsweise die Automobilindustrie. Fischer-Neeb: “In diesem Bereich haben wir Porsche als Kunden, der für seine Ersatzteillogistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz möglichst zeitnah Ersatzteile bestellen und schnellstmöglich Serviceaufträge zur grundsätzlichen Fehlerbehebung wieder zurück ins Designlabor schicken muss.”

Dagegen würden in der chemischen Industrie im Maintenance-Bereich allein bei einem SAP-Kunden pro Jahr eine Milliarde Dollar eingesetzt. Diese muss gewährleisten, dass die langlebigen und teuren Assets langfristig gewartet, verwaltet, überwacht und repariert werden können, erklärt sie die Unterschiede.

Die Managerin bezeichnet allerdings den neuen Netweaver-Vorstoß geradezu als Reaktion des Softwareriesen, wenn sie sagt: “SAP Service Management ist auch ein Ausdruck davon, dass sich die Industrie bewegt hat: Sie wird immer stärker Service-orientiert.”

Das heiße, dass der Verkauf eines Produktes zunehmend nach der Lebenszeit desselben gestaffelt funktioniere. Das habe zur Folge, dass diese bezahlte Lebenszeit auch zu garantieren und zu managen sei. Sie ist sich sicher: “Dafür brauchen gerade Industrieunternehmen, von denen wir in Deutschland ja einige haben, ein Verwaltungstool für Dienstleistungen – und genau das möchte Service Management leisten.”

Mit etwas Sorge betrachten einstweilen Spezialisten in Sachen Business Process Management diese Bewegung hin zu einem voll integrierten Verwaltungstool, wie es Service Manager sein soll. Ist doch die Integration der Geschäftsprozesse ihr Hoheitsgebiet.

So sagte dazu Suresh Chandrasekaran, Senior Director Product Management bei dem BPM-Anbieter Vitria: “Derzeit ist SAP nur in zehn bis zwanzig Prozent unseres Umsatzfeldes ein direkter Konkurrent – das wird sich aber schnell ändern, wenn auch weitere große Applikationsanbieter die Integration der Geschäftsprozesse gleich zusammen mit ihren Modulen und Suiten anbieten – der SAP Service Manager wie auch die Netweaver-Plattform an sich weisen darauf hin. Bislang bedurfte es da noch des Spezialwissens einer Vitria, Bea oder IBM. Wir rechnen also bald mit Wettbewerb aus dem Lager der Business-Software-Anbieter.”