Peoplesoft-Übernahme: Conway ruft die Kunden zu Hilfe

Management

Mit allen Mitteln gegen die Oracle-Absichten

Die feindliche Übernahme des ERP-Unternehmens Peoplesoft durch den Software-Konzern Oracle soll nun doch noch im Gerichtssaal abgebogen werden. Peoplesoft hat sich für eine Klage gegen Oracle entschieden.

Die Ergebnisse der vergangenen Woche haben Peoplesoft-Chef Craig Conway zu einem außergewöhnlichen Schritt veranlasst. Eine ganzseitige Anzeige in den großen Wirtschafts- und Tageszeitungen wirbt am Montag bei den Kunden um Unterstützung. Conway schreibt hier: “Der kalkulierte Versuch, unser Geschäft auseinander zu reißen, zielt ab auf einen dramatischen Rückgang von Kaufvertragsabschlüssen. Lassen Sie das nicht zu. Zeigen Sie Ihre Unterstützung für Peoplesoft, indem Sie noch in diesem Monat Ihre geplanten Investitionen in unsere Produkte tätigen.”

Eine andere Methode, sich gegen die Übernahme zu wehren, ist – neben der Klage wegen Geschäftsschädigung, die von J.D. Edwards (JDE) angestrengt wird und genau den Kaufbetrag als Schadenersatz für Geschäftsschädigung fordert – nun eine eigene Klage von Peoplesoft. Darin wird Oracle vorgeworfen, die Kunden von Kaufentscheidungen abzuhalten.

Von Oracle aus ist dieser Vorwurf nach einer Meldung des Wall Street Journal eine “leichtsinnige Klage”. Es dürfte schwer sein zu beweisen, dass Oracle gezielt Peoplesoft-Kunden von einem Kauf abgehalten hat, solange diese selbst nicht als Zeugen auftreten oder sich an der Klage beteiligen.

JDE will derweil beweisen, dass die Interessen von Charles Philips nicht koscher waren. Der ehemals als hoch dekorierter Analyst bei Morgan Stanley Dean Witter und jetziger Oracle-Vertriebsmanager habe sich unlauter und geschäftsschädigend verhalten, heißt es. Da er JDE beraten hatte, bevor er am 23. Mai den Arbeitsvertrag bei Oracle unterschrieb, spricht das kleinere Unternehmen gar von Industriespionage zu Ungunsten von JDE.

Ausführliche Gespräche über Firmeninterna und Finanzfragen mit dem Analysten hätten dem jetzigen Oracle-Mann wichtige Informationen geliefert. Hätte JDE von Phillips’ Absichten gewusst, so hätten Interviews mit CEO Bob Dutkowsky nie stattgefunden, heißt es in der Klagebegründung. Schließlich hatte Morgan Stanley Dean Witter als Kunden JDE ausgerechnet bei dem Vorgesprächen zur Fusion mit Peoplesoft intensiv beraten. Wertvolles Wissen für Larry Ellison lief also in den Fluren der Investmentbanker. Phillips behauptet, von dieser Tatsache nichts gewusst zu haben.

Er spricht davon, dass ihn die Nachricht von der tatsächlich erfolgten JDE-Übernahme durch Peoplesoft “im Flugzeug nach New York völlig überraschend” getroffen habe. Der Schritt von Oracle, Peoplesoft zu übernehmen und den JDE-Deal dadurch zu kippen, sei länger geplant gewesen. Die Fusion zwischen JDE und Peoplesoft habe die Angelegenheit lediglich beschleunigt. Phillips: “Ich denke, (JDE) ist frustriert und irgendwie emotional aufgewühlt.” Zu der Klage sagt er: “Kein Körnchen Wahrheit dran.”

Aus Sicht des ehemaligen Arbeitgebers von Phillips, der renommierten Investment-Beratung Morgan Stanley, steht einstweilen mehr auf dem Spiel als der etwas in Mitleidenschaft gezogene Ruf ihres ehemaligen Star-Analysten und ein Abfärben auf das Unternehmen. Sollte der JDE-Peoplesoft-Vertrag nicht zustande kommen, könnten sie einige Millionen Dollar verlieren. Wie das Wall Street Journal berichtet, könnten sie nur einen Bruchteil davon als Kompensation für geleistete Tätigkeit herausholen.