EDS lässt Großprojekt “CEO Brown” scheitern

Management

Vorhang fällt für Elefantenrennen

Brown ist draußen – es lebe Jordan. Der EDS-Aufsichtsrat hat den bisherigen CEO des weltgrößten IT-Diensleisters, der sich nur vor IBM Global Services fürchten musste, von seinen Ämtern entbunden. Richard Brown hatte die Kritik des Managements wie des Aufsichtsrates auf sich gezogen, nachdem seine Strategie der geldschweren Mega-Deals immer öfter gescheitert war. Mit Michael Jordan betritt nun ein erfahrener Finanzmanager das Chefbüro. Außerdem wird der angeblich von Brown ausgemusterte EDS-Veteran Jeffrey Heller aus dem Ruhestand zurückgeholt und als COO an seine Seite berufen.

Aus der Sicht des deutschen Anwenders begann die Pechsträhne von EDS mit dem Scheitern des Deutsche-Bank-Deals. Die IT des Finanzhauses wird in den nächsten Jahren IBM betreuen. Der anstehende Abteilungsverkauf bei dem Energieunternehmen Alstom hat einen weiteren milliardenschweren IT-Outsourcing-Deal zunichte gemacht. Die Franzosen hatten den bereits angesetzten Stift zur Vertragsunterzeichnung in letzter Minute weggelegt und sich für einen Komplett-Umbau entschieden.

Nach einem spürbaren Einknicken der Cashflow-Menge hatte Brown noch versucht, das Ruder herum zu reißen und schon im November angekündigt, auch kleinere Verträge abschließen zu wollen. Als Platzhirsch hatte der Konzern schließlich selbst in den letzten beiden mageren Jahren Verträge über zweistellige Milliardenbeträge mit fünf und mehr Jahren Laufzeit abgeschlossen.

Analysten hatten aber schon lange gewarnt: Die Großprojekte seien zu teuer. Bevor sie Geld brächten, koste die Anschubphase zunächst einmal den Anbieter. Diese zeitverzögerte Einnahmepolitik habe auch zu einer “Delle im Geldstrom” geführt, die Brown nun den Kopf kostet.

Ihm wurde bei der jüngsten Entscheidung des Verwaltungsgremiums offenbar nicht in Rechnung gestellt, dass verschiedene Deals auch geklappt haben und die Einnahmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren verschönern werden. Dazu gehört der Outsourcing-Vertrag mit der Bank of America, der Intranet-Diensleistungsvertrag mit der US-Armee und die Verträge mit Pleitegeiern wie Worldcom und United Airlines – deren Pleiten aber zum Teil sogar vor Gericht nicht EDS angelastet werden konnten.

Aus der Deutschlandzentrale heißt es hierzu: “Der EDS-Aufsichtsrat und Dick Brown sind gemeinsam zu der Überzeugung gekommen, dass ein Führungswechsel zum jetzigen Zeitpunkt im Interesse des Unternehmens ist. Dick Brown hat sich in den letzten vier Jahren in vielfacher Hinsicht verdient um das Unternehmen gemacht. EDS ist hinsichtlich der Organisation des Unternehmens, seines Kundenservice sowie der Wettbewerbsposition stärker als vor vier Jahren.

Und weiter: EDS sei ein solides und profitables Unternehmen. Es biete innovative Dienstleistungen bei exzellentem Service – daran solle auch nicht gerüttelt werden. “Mit Michael H. Jordan und Jeff M. Heller bekommt EDS ein Führungsteam mit einem erfahrenen CEO und einem COO mit hoher Reputation, der EDS von seinen Wurzeln her kennt und aufzubauen geholfen hat.”

Brown wird das Räumen des Chefsessels voraussichtlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag in Dollars versüßt. Seine Bonuszahlungen hatten sich teils auf 52 Millionen Dollar belaufen. Recht viel geringer, schätzen Branchenkenner, dürfte sein Ruhegeld nicht sein.