Deutschland stolpert online hinterher

Management

Bitkom legt internationale Vergleichsstudie vor

Wie gut oder schlecht steht die deutsche Informationsgesellschaft im Vergleich mit anderen Ländern da? Diese Frage stand auch in der aktuellen Neuauflage der Jahresstudie des Branchenverband Bitkom im Vordergrund. Fazit: Es tut sich was – aber noch lange nicht genug. Gerade im Bildungssystem werden die neuen Medien noch immer stiefmütterlich behandelt. Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder befürchtet hier gravierende Auswirkungen.

Bei der Kommunikationsinfrastruktur allerdings gebe es keinerlei Grund “sich zu verstecken”, so Rohleder: 25 Millionen ISDN-Zugänge, 3,2 Millionen breitbandige DSL-Anschlüsse und rund 59 Millionen Mobilfunkteilnehmer sprächen für sich, heißt es beim Bitkom.

Auf den ersten Blick sei auch die Versorgung mit Kabelanschlüssen beeindruckend. Allein der Ausbau sei in Deutschland sehr unzufriedenstellend, so Rohleder: “Die Frage ist, was ist ein Kabel?” Gerade wegen der zersplitterten Eigentümerstruktur auf den letzten Metern bis zum Haushalt des Endkunden seien Industrie und Gesetzgeber hier besonders gefordert, investitionssichernde Vertragsstrukturen für breitbandige Multimediadienste zu entwerfen.

Außerdem gebe es immerhin 29 Millionen privat genutzte PCs in der Bundesrepublik. Der Studie zufolge steht damit in jedem zweiten Haushalt ein Computer. 41 Millionen Bundesbürger verfügen über einen Onlinezugang, also die Hälfte der Bevölkerung.

Und diese Verbraucher entdecken entgegen allgemeiner Unkenrufe offenbar den Online-Commerce zunehmend. Denn im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 87,8 Milliarden Euro über das Web umgesetzt.

Vor allem in zwei Bereichen setzt der Bitkom in seiner ’03er-Studie mit deutlicher Kritik an. Zum einen seien im Bildungswesen vor allem die skandinavischen Länder sowie Großbritannien und die USA weit besser ausgestattet als die Bundesrepublik. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Ausstattung mit Online-PCs pro 100 Schüler – Deutschland 4, Dänemark 50, Schweden 20, Großbritannien 11 – als auch in der Ausbildung der Lehrkräfte, die die vorhandenen Systeme schließlich auch betreuen müssen.

Zum anderen ist die Kluft im Vergleich der Gesundheitssysteme enorm: Während in Großbritannien und Schweden fast jeder Allgemeinmediziner über einen PC verfügt und ein Viertel davon, Patientendaten auch Online mit Kollegen austauscht, sieht es in Deutschland ganz anders aus: Hier verwenden 55 Prozent der Allgemeinmediziner überhaupt keinen PC für ihre Arbeit und nur 6 Prozent tauschen Daten online aus. Gerade angesichts der Diskussionen um Einsparmöglichkeiten und höhere Versicherungsbeiträge im Gesundheitswesen dürfte sich der Bitkom einer großen Aufmerksamkeit für seine Zahlen sicher sein.