In der Krise sind auch die kleinen Fische heiß begehrt

Management

IT-Konzerne werden Dienstleistungs-kreativ

Hewlett-Packard, Dell und Yahoo blasen zur Jagd in den tiefen Wäldern, in denen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu Hause sind. Nachdem dieses Kundensegment bisher von fast allen großen IT-Konzernen vernachlässigt wurde, erhoffen sie sich jetzt neue Umsatzchancen mit Dienstleistungen aller Art.

Die Abteilung ‘Small Business’ beim Computerhersteller Dell hat in dieser Woche gleich eine ganze Reihe von Diensten vorgestellt, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen sollen. Die Kunden sollen dann Beratung und Support für Software sowie für Peripherie-Geräte bekommen – auch für diejenigen Produkte, die nicht das Dell-Logo tragen.

Das sei Ergebnis der Strategie der “teilweise individualisierten” Dienstleistungen, die Firmenchef Michael Dell schon seit Monaten propagiert. Ihm geht es darum, den Kunden zu einem besseren Netzwerk-Design zu verhelfen sowie die Hardware vernünftig zu installieren: Desktops, Notebooks, Workstations, Server, aber auch Switches, Storage-Systeme, Software und Peripheriegeräte sollen besser aufeinander eingestellt werden, so das erklärte Ziel der Texaner.

Außerdem will Dell die Idee des E-Learning da einsetzen, wo es bisher noch niemand vermutet hat: Die IT-Verantwortlichen oder Geschäftsführer von kleinen Unternehmen sollen sich über Online-Kurse mit den Produkten, vor allem den Anwendungen, vertraut machen können. Das ‘Business Professional Training’ steht für eine Jahresgebühr von rund 100 Dollar im neuen Dienstleistungskatalog von Dell.

Für Aufsehen sorgt derzeit aber auch der Internetdienstleister Yahoo, der schon jetzt eine fast unüberschaubare Zahl von Services anbietet. Hinzukommen soll jetzt ein Hosting-Dienst, der die kleinen Anbieter in den USA offenbar bereits das Fürchten lehrt.

Für monatliche Gebühren von 12, 20 oder 40 Dollar ist ein Webhosting zu bekommen, das in der Professional-Ausführung auch PHP und MySQL unterstützen soll. Marktbeobachter rechnen damit, dass Yahoo in der Zielgruppe der KMUs den Vorteil seines bekannten Markennamens auspielen und sich einen großen Teil des Markts sichern kann. Dienstleister wie XO Communications, Verio und Interland äußerten sich bereits überrascht zu den Yahoo-Plänen.

Umfragen zufolge wäre etwa ein Drittel aller KMUs in den USA einem Wechsel zu Yahoo nicht abgeneigt. Kritiker meinen allerdings, dass Yahoo bereits zu groß sei und der Kundenservice daher nicht so gut sein könne wie beim kleineren Hosting-Dienstleister um die Ecke.

Hewlett-Packard schließlich will sich durch eine Partnerschaft mit Microsoft und dem ASP-Spezialisten Apptix neue Kunden bei den KMUs erschließen. Das Apptix-System für Application-Provisioning und -Management soll Grundlage des HP-Dienstes sein, mit dem der Kunde Microsofts Excange “on demand” erhält.

Im Paket sollen dann neben Mail-, Termin- und Kontaktdatenpflege auch Wireless Access, Storage und Desktop-Installations-Service enthalten sein. HP und Microsoft bemühen sich derzeit um Service-Provider, die ihren Kunden den neuen Dienst schmackhaft machen sollen.

Silicon meint: Na also, es geht doch. Da soll noch einer sagen, die großen IT-Dickschiffe würden sich um die Nöte der kleinen Unternehmen nicht kümmern. Fragt sich nur, ob damit wirklich Geld zu verdienen ist. Die Preise sprechen ja einerseits für eine gute Akzeptanz. Aber ob unterm Strich was übrigbleibt, dafür muss andererseits allein die Masse sorgen. Und: Sollte sich das Angebot der ganz Großen durchsetzen, dann ist schon jetzt klar, dass dabei kleinere Dienstleister unter die Räder kommen. Denn der Kleinunternehmer hat einfach nicht die Zeit, sich mit mehreren IT-Serviceprovidern herumzuschlagen. Er will möglichst viel ‘aus einer Hand’.