Online-Reiseportale trotzen dem Negativ-Trend

Management

Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Während der deutsche E-Commerce angesichts der allgemeinen Marktflaute mehr oder weniger lendenlahm dahindümpelt und die Touristikbranche immer noch unter den Attentaten vom 11. September 2001 leidet, scheinen Online-Reiseportale den Stein der Weisen gefunden zu haben. Wie das Marktforschungsunternehmen Netvalue ermittelte, hat bereits jeder dritte Deutsche zumindest einmal ein Reiseportal besucht; allein im September klickten nach Angaben der Financial Times Deutschland stolze 6 Millionen Nutzer auf Reiseseiten im Netz.

Damit ist der Reisemarkt überraschenderweise das stärkste Segment im europäischen E-Commerce. Der klassische Online-Shop, elektronische Marktplätze im B2B und B2C, sowie Online-Auktionen und andere Lockmittel sind vergleichsweise weit abgeschlagen. Auch die Analysten stimmen dem zu: Das Marktforschungsunternehmen Comcult errechnet für den europäischen Online-Reisemarkt Umsätze 10 Milliarden Euro im Jahr 2003. Im Jahr 2000 waren es erst vergleichsweise schlanke 2,3 Milliarden Euro.

Erfreuliche Aussichten also für die Touristikbranche im Internet. Hilfreich für die Reiseportale ist dabei nicht nur die steigende Zahl der Nutzer: Auch das Interesse an den Themen Reisen und Freizeit scheint ungebrochen – immerhin rangieren Reisen laut Untersuchungen in der Hitliste der Internetuser auf Platz 6, hinter Dauerbrennern wie Nachrichten, Computer und Musik, aber noch vor Büchern, die bisher als Garant für Online-Umsätze galten. Dazu kommt, dass die Angebote im Netz mitunter deutlich billiger sind als jene im Reisebüro.

Dabei hat auch die Reisebranche im Netz durchaus noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Experten bemängeln Fehler bei den technischen Details – so wirken lange Ladezeiten, eine unübersichtliche Navigation oder fehlende Interaktion mit dem Kunden kontraproduktiv und führen dazu, dass der hoffnungsvolle Reisende sich lieber zur Konkurrenzseite begibt. Und auch im Vergleich zwischen Besuchern und Buchern zeigen sich noch große Potenziale. So verzeichnete der Anbieter L’tur im Jahr 2000 auf seiner Seite 9 Millionen Besucher – dem gegenüber standen aber “nur” rund 8000 Online-Buchungen pro Monat.

Trotzdem sind es die Reiseportale in Deutschland, die die Skala der erfolgreichsten E-Commerce-Unternehmen anführen. Ihr Online-Umsatz in Deutschland betrug im Vorjahr rund 2 Milliarden Euro, rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes wurden via Internet generiert. Für das laufende Jahr werden beim Forschungsinstitut Ulysses Zahlen von 2,6 Milliarden Euro prognostiziert.

Vor allem bekannte Portale können vom Trend zur Online-Buchung profitieren. Opodo.de, Tui.de oder Bahn.de erfreuen sich steigender Beliebtheit und der Münchner Anbieter Travel24.com konnte sogar früher als erwartet – nämlich im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres – den Sprung in die Gewinnzone melden. Ein Ziel, das der Anbieter Lastminute.de ebenfalls noch in diesem Jahr erreichen will.

Dass Reiseportal aber nicht gleich Reiseportal ist, hat die Stiftung Warentest in einer Untersuchung im Herbst ermittelt. Aus dem Test kamen die Anbieter Ltur.de, Buybye.de und Lastminute.de als Sieger hervor – gelobt wurden sowohl das Bezahlverfahren als auch die Informationen rund um die Reise. Als enttäuschend beurteilten die Tester hingegen die großen Reiseveranstalter Tui und Neckermann. Hier seien die Reisen nicht billiger als im Reisebüro, hieß es, zudem verbaue eine komplizierte Navigation dem Urlaubsfreudigen den Weg in die Ferne. Und auch in der Frage der Stornierungen haben viele Portale noch Nachholbedarf – die Stiftung Warentest kritisierte vor allem hohe Stornokosten und späte Rückzahlung.

silicon meint: So erfreulich der Boom der Online-Reisebüros auch ist – die Veranstalter dürfen jetzt nicht den Fehler machen, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. Werden bestehende Fehler nicht bald korrigiert, so wird die Freude über die steigenden Umsätze wohl bald dem Katzenjammer weichen, mit dem sich der Rest der Branche schon jetzt herumschlagen muss.