Neue Bahn-Tarife lassen Mitfahr-Börsen ins Kraut schießen

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… ohne die Bahn und für lau

“Wer gemeinsam reist, spart gemeinsam.” Mit diesem Slogan wirbt die Deutsche Bahn im ganzen Land für ihr neues Preissystem. Jetzt wird der Konzern beim Wort genommen – aber nicht ganz so, wie es gemeint war. Noch vor dem Start am 15. Dezember tun sich im Internet die ersten Schnäppchenjäger zusammen, um die Bahn auszutricksen.

Innerhalb weniger Wochen sind ein halbes Dutzend “Mitbahnzentralen” entstanden, mit deren Hilfe Einzelfahrer Minigruppen bilden können. Die Sache lohnt sich: Im besten Fall kostet das Ticket nur noch etwa ein Viertel des regulären Preises.

Beim neuen Mitfahrer-Rabatt muss nur der erste Passagier voll bezahlen. Bis zu vier Leute reisen zum halben Preis mit, auch bei einer einfachen Fahrt. Mit der Bahn-Card gibt es nochmals 25 Prozent Ermäßigung dazu. Auf diese Weise spart eine Fünfergruppe bis zu 73 Prozent. Eigentlich richtet sich das Angebot an “Familien mit Kindern, gute Bekannte und entfernte Verwandte”. Mit den Kontaktadressen im Internet können sich jetzt jedoch auch Zufallsbekanntschaften gemeinsam auf den Weg machen.

Die neuen Dienste funktionieren genauso wie die Mitfahrzentralen, mit denen sich Studenten seit langem schon einen billigen Platz im Auto besorgen. Nur eben für die Bahn und im Internet: Der Erste gibt Start- und Zielbahnhof ein, dazu die Reisedaten. Wer Interesse hat, meldet sich per Mausklick oder Telefon. “Wir nutzen eine Lücke im Tarifsystem, weil es für Spontan- und Einzelfahrer ansonsten nach dem 15. Dezember teurer wird”, sagt der Braunschweiger Student Thomas Winkler, der www.mitbahnen.de entwickelt hat.

Allein unter dieser Adresse werden derzeit Mitfahrer für mehr als 500 Verbindungen gesucht, meist zwischen Großstädten und ausnahmslos in der zweiten Klasse. Der Verkehrsclub Deutschland, der www.ticket-teilen.de betreibt, verzeichnet sogar mehr als 1200 Interessenten pro Tag. Vor allem die Züge rund um Weihnachten seien jetzt schon stark gefragt. Bei allen Anbietern ist die Vermittlung kostenlos. Finanziert werden die meisten Seiten über Werbung. Der Verkehrsclub stellt die Angebote kostenlos ins Netz. “Wir wollen die Leute dazu bringen, statt mit dem Auto Zug zu fahren”, sagt Bahnexperte Daniel Kluge.

Allerdings hat das System, bei dem sich keiner richtig kennt, auch seine Tücken. Damit sich die unbekannten Mitfahrer nicht verpassen, halten einige Anbieter Tramper-Schilder zum Ausdrucken bereit. Die Erfahrung der herkömmlichen Mitfahrzentralen lehrt zudem, dass es Streit ums Geld geben wird – vor allem, wenn nicht alle angekündigten Mitfahrer erscheinen. Der Verkehrsclub empfiehlt deshalb, die Karte nur gemeinsam zu kaufen oder sich zumindest vorab die Stornogebühren überweisen zu lassen.

Die Bahn gibt sich angesichts der Mitbahnzentralen recht gelassen, auch wenn sie mit Einzeltickets natürlich mehr verdienen würde. “Im Konkurrenzkampf mit dem Auto freuen wir uns über jede Unterstützung”, sagt Bahnsprecher Achim Stauß. Rechtlich ist gegen die Internet-Anbahnung ohnehin nicht viel zu machen. Schließlich sind auch Zufallsbekanntschaften am Schalter nicht zu verhindern. Wert legt die Bahn jedoch darauf, dass es spätestens im Zug keinen Mitfahrer-Rabatt mehr gibt. Ansonsten wären wohl nur noch Minigruppen unterwegs.

http://www.mitbahnen.de

http://www.ticket-teilen.de

http://www.bahnmitfahrzentrale.de

http://www.kartenfuchs.de

http://www.mitfahrer.de

http://www.ticket-mitfahrer.de