IBM gibt WebSphere mehr Schwung

Management

… und lässt aus seinen Anwendungen Web-Services bauen

Im hart umkämpften Markt für Application-Server spielt IBM einen Trumpf aus in Form von WebSphere 5. Die neue Suite dürfte vor allem für bisherige Nutzer von IBM-Produkten interessant sein, denn sie verspricht eine einfachere Integration von unternehmensweiten Anwendungen in eine einheitliche Umgebung.

So soll WebSphere 5 verstärkt als zugrunde liegende Plattform für die Datenbank-Software DB2, die Kommunikations-/Groupware Lotus Notes und Domino, und die Management-Software Tivoli dienen. Die Vorteile für IBM liegen nach Aussagen von Analysten darin, dass durch die Verwendung der Entwicklungstools von WebSphere Studio 5 die Anwendungen enger mit dem Application Server verflochten werden können.

Auch das Thema Web-Services erfährt beim neuen Release durch eine Reihe von Features massive Unterstützung. Die Entwicklungsumgebung Web Services Invocation Framework (WSIF) unterstützt eine Reihe von Netzwerk- und Transport-Protokollen, von HTTP bis Instant Messaging. Ein eigenes Workflow-Modul erlaubt dabei die Entwicklung von vernetzten Anwendungen, die mehrere Geschäftsprozesse miteinander verknüpfen. Unterstützt wird er durch ein UDDI-(Universal Description, Discovery and Intergration-) Repository, das nach Web-Services im eigenen Netzwerk sucht und kombiniert, meldet Big Blue.

Für Geschwindigkeit, Sicherheit und Management der Web-Services sorgen schließlich Axis 3.0 und das Web Services Gateway. Axis kann nach Angaben von IBM SOAP-Anfragen für Web-Services drei bis vier Mal schneller verarbeiten als heute üblich, während das Gateway für eine geordnete und sichere Umgebung auch außerhalb des eigenen Netzwerks zuständig ist.

Die Unterstützung des J2EE-Standards (Java 2 Enterprise Edition) wird von Big Blue durch eine Zertifizierung für die J2EE 1.3-Norm gegeben. Laut IBM ist bereits jetzt – soweit möglich – Kompatibilität für die kommende J2EE 1.4-Norm implementiert.

Um den Administrationsaufwand und die Wartungsmöglichkeiten bei einer derart komplexen Umgebung zu erleichtern, verfolgt IBM das Konzept des “Autonomic Computing”. Damit gemeint sind Features innerhalb der Software, die Selbst-Konfigurierung, -Optimierung und -Reparatur erlauben.

Die Selbst-Konfigurierung vermittelt vor allem zwischen WebSphere und anderen IBM-Anwendungen wie DB2 oder Tivoli und optimiert im Rahmen einer übergreifenden Anwendung auch die Interaktion zwischen ihnen. Zusätzlich ist eine Optimierung in Hinsicht auf die Nutzer der Web-Services bedacht, wenn beispielsweise bei transaktionsorientierten Anwendungen das System selbständig die passenden Bandbreiten verteilt, so dass Kunden mit vielen Transaktionen auf eine höhere Verfügbarkeit zurückgreifen können.

Wenn Probleme auftauchen, sollen diese durch einen Echtzeit-Diagnosemechanismus gleichzeitig analysiert werden, damit sie für den Administrator nicht erst nachgebildet werden müssen. Ohne Eingriff des Personals reparieren sich einzelne Komponenten demnach selbst, oder das System startet sich komplett neu.

silicon meint: IBM scheint mit dem neuen Release gut dafür gerüstet, den Kampf gegen BEA, Sun, Oracle, Microsoft und ATG aufzunehmen. Im Markt mit einem Volumen von weltweit knapp 2 Milliarden Dollar, laut IDC, liegt IBM mit einem Anteil von etwa 35 Prozent gleichauf mit BEA Systems. Ob sich dieser Marktanteil für BEA, angesichts der Marktdurchdringung und Präsenz von Big Blue in Großunternehmen, auf längere Sicht halten lässt, ist fraglich.