BT investiert in Deutschland: Neuer Dienst soll Großkunden locken

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Der Trick: nicht Infrastruktur, sondern Dienste ausbauen

Mit einem MPLS-Dienst für Virtual Private Networks (VPN) auf seiner weltweit einheitlichen und durchgehenden Infrastruktur aus dem Hause Cisco will der ehemalige britische TK-Alleinherrscher British Telecom (BT) in Deutschland stärker Fuß fassen. Der Kunde soll damit alle Niederlassungen weltweit über den in 47 Ländern angebotenen vollständig von BT verwalteten Dienst durch permanente virtuelle Circuits (PVC) verbinden können. Letztendlich will der Anbieter so die Migration von traditionellen auf IP-basierte Netze weiter vorantreiben.

Noch 130 Einwahlknoten stehen BT derzeit hierzulande zur Verfügung, nachdem die Briten diese teure Verbindungstechnik um zehn Prozent zurückfahren mussten.

Der interessanteste IT-Markt in Europa lockt aber immer noch mit Großunternehmen und einer Vielzahl nicht technikfeindlicher Mittelstandsfirmen. Reinhold Wiesenfarth, Produktmanager für Deutschland, und Christian Dietl, Head of Global Business Operations, erklärten in München, einem von zwei deutschen BT-Datenzentrumsstandorten, wie das neue Produktpaket in die Strategie des Anbieters passt.

“Wir investieren nicht wie andere in die Bandbreite oder die reine Transportebene, die ja dem inzwischen weithin bekannten Preisverfall unterworfen ist”, stellt Dietl klar, “Wir investieren derzeit in skalierbare Dienste.” Dabei zitiert sein Kollege Wiesenfarth eine hausinterne Untersuchung: “Wir werden von diesem Jahr ausgehend bis zum Jahr 2004 ein durchschnittliches Wachstum von 44 Prozent für die Nachfrage nach MPLS-Diensten im Markt zu verzeichnen haben.” Dieses Wachstum, so erläutert er auf Nachfrage, gehe zu Lasten der bisher gern eingesetzten ATM-Technik, “die ja bekanntlich weniger Services-freundlich ist”.

Sei vor zwei bis drei Jahren das Verhältnis von ATM-Technik zu MPLS-Diensten noch 90 zu 10 gewesen, so schätzt er jetzt ein Verhältnis von 70 zu 30 “und das wird sich weiter in diese Richtung verschieben”. Dietl dazu: “Der Haupttrend, den wir im TK-Markt sehen, ist nach wie vor eine starke Verlagerung von bilateralen Standleitungen, wie sie in Unternehmensumgebungen immer noch absolut üblich sind, hin zu multi-service-fähigen IP-Netzen.”

Warum, erklärt er sich so: “Die Unternehmen fordern statt der sternförmigen Netze, wie sie die Mainframe-Umgebungen diktiert haben, flexible any-to-any-Verbindungen.” Vor allem CRM-Anwendungen und Initiativen wie Dotnet schieben diese Entwicklung voran, so der BT-Manager.

Und auch der Kundenfokus ist deutlicher geworden: Großunternehmen, so genannte Multisite Corporates, wollen die Briten auch in Deutschland verstärkt bedienen. Sie achteten eigenen Untersuchungen der Anbieter zufolge am meisten auf die Dienstequalität und seien bereit, dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen.

Eine Untersuchung des deutschen TK-Marktes habe schließlich auch ergeben, dass das Geschäftskundensegment tendenziell immer weiter vor dem Privatkundengeschäft liege. Sein Kollege Wiesenfarth zitiert aus dem Eito-Report für das Jahr 2002: “Während der Privatkundenbereich von 2000 bis 2003 nur um 5,7 Prozent gewachsen ist, nimmt der Geschäftskundenbereich in dem selben Zeitraum um 7,6 Prozent zu.”