Eskalation um Entlassungen bei Alcatel

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Arbeitnehmer bieten 30-Stunden-Woche an

Der Streit um den drastischen Stellenabbau beim Telekommunikationsausrüster Alcatel SEL spitzt sich immer mehr zu. Arbeitnehmervertreter kündigten am Donnerstag an, die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung abzubrechen und im Aufsichtsrat die Ablösung von zwei Vorstandsmitgliedern inklusive des Vorsitzenden Andreas Bernhardt zu beantragen.

Mehrere Hundert Beschäftigte protestierten auf dem Stuttgarter Werksgelände gegen den Abbau von 1400 Jobs – rund einem Fünftel der Stellen – im kommenden Jahr.

Bernhardt hält indes eine Umsetzung des Personalabbaus ohne betriebsbedingte Kündigungen für möglich, “die Chance besteht”. Er habe volles Verständnis für die Ängste der Arbeitnehmer. “Es gibt einen enormen Druck auf beiden Seiten.”

Die erneuten Streichungen seien jedoch nicht zu verhindern. “Das Geschäft ist einfach nicht mehr da.” Er rechne für 2003 mit einer anhaltenden Nachfrageschwäche im Markt für TK-Ausrüstungen. Die Rückgänge zum Beispiel bei der Übertragungstechnik könnten mittelfristig nicht durch Umsätze aus neuen Geschäftsfeldern kompensiert werden.

Die Arbeitnehmervertreter hatten im Aufsichtsrat vorgeschlagen, die Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden pro Woche zu senken, um damit 15 Prozent der Personalkosten einzusparen. “Die Belegschaft wäre sicher bereit, dieses Opfer zu bringen”, meinte der Vorsitzende des Alcatel-SEL-Gesamtbetriebsrates, Alois Süss. “Wir müssen das Kahlschlagprogramm endgültig beerdigen. Irgendwann braucht man auch keinen Vorstand mehr, wenn alle Mitarbeiter weg sind.”

Süss wirft dem Management Vertrauensbruch und eine fehlerhafte Informationspolitik vor. Die Betriebsräte der einzelnen Standorte seien nicht rechtzeitig über Details des Stellenabbaus aufgeklärt worden.

Die deutsche Tochter des französischen Alcatel-Konzerns hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Sanierungen hinter sich gebracht. Die Mitarbeiterzahl lag Mitte der 80er Jahre noch bei 33 000, nach dem geplanten Stellenabbau werden es im deutschen Teilkonzern nur noch knapp 6300 sein. Bereits in diesem Jahr werden 1250 Stellen gestrichen. Rund 700 Mitarbeiter wechseln in eine Beschäftigungsgesellschaft.