Telekoms Ricke im Sparfieber

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Und trotzdem könnte es nicht reichen

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat bei seinen Anstrengungen zum Schuldenabbau mächtig Rückenwind bekommen. Trotzdem könnte bis zum Erlös-Ziel von 12 Milliarden noch eine Lücke von 1 Milliarde Euro klaffen, rechnet der Wirtschaftsdienst Bloomberg vor. Dann müßten weitere Assets verkauft werden.

Seit seinem Amtsantritt im November hat Ricke immerhin schon 4 Milliarden Euro in die Kassen geholt. Immobilienverkäufe haben im vierten Quartal rund 1,1 Milliarden Euro erbracht, in diesem Jahr sollen es noch einmal 1,5 Milliarden werden.

Günstig wirkt sich auch die aktuelle Dollar-Schwäche aus: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat der Euro um 23 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Dadurch könnte Ricke eine weitere Milliarde Euro Schulden von seiner Liste streichen.

Zugesagt hat der Sommer-Nachfolger, den Schuldenstand unter die Marke des dreifachen Bruttogewinns zu drücken – je höher der ausfällt, desto weniger müssen sich die Schuldensenker anstrengen. Außerdem hat die Zahl der Mobilfunkkunden in den USA aber auch im Heimatmarkt stärker zugenommen als erwartet, die laufenden Kosten wurden weiter gedrückt.

Trotzdem spekulieren die Analysten, welche Beteiligungen oder Aktivitäten die Telekom zusätzlich abstoßen müsste. Denn ob die Auskunftssparte Detemedien beim Verkauf tatsächlich 1 Milliarde einspielen kann, ist mehr als ungewiss. Beobachter meinen, es könnten auch nur 500 Millionen sein.

Deshalb sind jetzt auch die Anteile am russischen Mobilfunker OAO Mobile Telesystems oder die am Satellitenbetreiber SES Global im Gespräch, zwischen 400 und 500 Millionen Euro wären hier wohl jeweils realistisch. Möglicherweise ist Ricke aber auch gezwungen, weitere Anteile an T-Online auf den Markt zu werfen: 1,5 Milliarden Euro wären hier zu erzielen.

Rickes Ziel: Von derzeit 64 Milliarden Euro will er bis Jahresende auf 52,3 oder sogar 49,5 Milliarden Euro herunterkommen. In der Branche wachsen allerdings Zweifel, ob in der allgemeinen Begeisterung über den Schuldenabbau nicht auch zukunftsträchtige Elemente des Konzerns verschleudert werden.