Mittelstandsinitiativen fürs E-Business lassen zu wünschen übrig

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Fokus liegt noch immer auf den Zielen von gestern

Sie sollen helfen, dem Mittelstand den Weg ins E-Business zu ebnen, doch die meisten verfehlen ihr Ziel – Mittelstandsinitiativen von staatlichen, privaten und Verbandsinstitutionen versuchen immer noch, die falschen Probleme zu lösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Marktforscher von MR&S, die 17 solcher Initiativen unter die Lupe genommen hat. Eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen namens “b-online” schneidet dabei noch am besten ab. Dicht gefolgt wird sie von der Bundesinitiative “Netzwerk elektronischer Geschäftsverkehr”. Weniger gute Bewertungen erhielten Initiativen wie “connect-rlp” des Landes Rheinland-Pfalz sowie die vom DIHT und den IHKs getragene “MediaMit”.

“Über alle Initiativen hinweg sind erhebliche Mängel festzustellen,” sagt Thomas Aragonés, Geschäftsführer von MR&S in Frankfurt am Main. So sei die Hauptzielsetzung der meisten Initiativen immer noch auf die Sensibilisierung und Einstiegsberatung kleiner und mittelgroßer Unternehmen (KMU) fokussiert, obwohl diese Phase nach den Ergebnissen vieler neuerer Studien überwunden sei.

Auch eine von silicon.de im April veröffentlichte Studie bestätigt das: Projekte wie die elektronische Einbindung von Partnern, Kunden und Lieferanten in die eigenen Geschäftsabläufe stehen als Projekte für dieses Jahr ganz oben auf der Agenda der IT-Verantwortlichen. “Jetzt gilt es, diese veraltete Zielsetzung zugunsten einer qualitativ hochwertigeren und differenzierteren Beratung aufzugeben,” empfiehlt Aragonés.

In den neuen Beratungskonzepten sollten laut MR&S bestehende Förderungsmöglichkeiten und innovative Finanzierungsmodelle integriert werden. Auch sollte für KMUs eine durchgehende Beratung in allen Durchführungsphasen der E-Business-Einführung stattfinden – insbesondere eine Beratung über die Auswirkungen der Einführung auf interne Strukturen und Prozesse und die damit verbundenen Kulturtransformationen der Unternehmen.

Letztere Komponente sei vor allem deswegen wichtig, da die Rahmenbedingungen und die daraus resultierenden Probleme für den Mittelstand nach wie vor dieselben sind: Die notorisch geringe Personaldecke, die Qualifikation der Mitarbeiter und die Überalterung der Geschäftsführung müssen beim Einstieg ins E-Business ebenso berücksichtigt werden, wie die fehlende Orientierung beim Betrachten des Anbietermarktes für E-Business-Produkte, der der Mittelständler erst einmal ausgesetzt ist.

Als Konsequenz empfiehlt MR&S die Beseitigung von Doppelungen in den Aktivitäten der Länder und des Bundes. “Die Lösung könnte ein gemeinsam getragenes Netzwerk mit einer starken Zentrale sein, um die regionale Fragmentierung zu minimieren und Know-how an einer Stelle zu bündeln,” meint Thomas Aragonés.

Als Ergänzung und Fortführung der Studie führt derzeit MR&S eine repräsentative Online-Befragung bei mittelständischen Unternehmen durch. Diese soll die Erfahrungen mit den Mittelstandsinitiativen und die Erwartungshaltung an die Initiativen aus der Sicht des Mittelstandes betrachten und analysieren. Mitmachen – und sehr attraktive Preise gewinnen – können die Leser von silicon.de über den Link am Ende dieses Artikels.